Flohmarkt Hamburg vs. Berlin

Ich liebe Flohmärkte. Es gibt Comics, Bücher, Tünnef für die Wohnung, ab und an kann man unfassbar günstig Videospiele kaufen und mit viel Muse versuche ich mich an den dargebotenen Klamotten.

In Hamburg hatte ich bislang das Vergnügen mit den Folgenden: Der Flohmarkt in Barmbek am Museum der Arbeit, der in und an den Zeise-Hallen und der Flohmarkt auf dem Else-Rauchplatz. Mehr Auswahl gibt es dort und da.

Auf dem Else-Rauchplatz dominieren die Anwohner, die hauen da voll auf die „nur von privat“ Schiene. Man muss sich zwei Wochen vorher anmelden, es gibt eine kilometerlange Schlange aber es lohnt sich. Lustigste Dinge gibt es da, nicht ganz groß, direkt an der U-Bahn Lutterothstraße gelegen und mit ziemlich viel Kundschaft. Dazu plärrende Kinder auf dem komischen Spielplatz und ein kleines Stück Berlin, es gibt dort ein Café mit den schlechtesten Bedienungen von ganz Hamburg. Mehrfach haben die Damen und Herren dort bei Bestellungen in der „Ein Kaffee, eine Cola und eine Bionade Liga“ vergessen etwas zu bringen, dies dann wiederum auch vergessen um dann nach dem dritten Hinweis das Falsche zu bringen. Spitzensache, ganz wie in Berlin. Also lieber ‚ne Butterstulle mitbringen. Ein lohnenswerter Flohmarkt, sehr preiswert, gibt es jeden letzten Sonntag im Monat.

In den Zeise-Hallen in Ottensen war ich nur einmal und habe für gnadenlose zehn Euro das damals brandneue Resident Evil 4 für den Gamecube geschossen. Hat sich für mich gelohnt. Der Markt dort richtig sich wohl eher an sesshaft gewordenen Alt-68 mit einem Hang zum Tünnef. Es gibt eine Menge Schmuck, Gardinen, Möbel und Terrakotta-Toskana Zeugs. Es war sehr voll, die Preise waren eher hoch, abgesehen vom Videospiel und irgendwie war es nicht ganz so entspannt wie auf dem Else-Rauch Platz.

Der Flohmarkt in Barmbek ist dann die Queen Mary 2 der bislang besuchten Flohmärkte in Hamburg. Am Museum der Arbeit gelegen, direkt an der U-Bahn Barmbek. Jede Menge Stände, es wird im voraus gebucht, der Meter kostet unglaubliche 12.50 Euro und es ist voll. Sehr voll. Hauptsächlich Kundinnen auf der jagt nach Schnäppchen, morgens kamen sehr viele Kollegen und fragten nach Schmuck und Gold. Der Flohmarkt ist gut, es wird viel verkauft, es gab diesen lustigen Kunden, was auch immer der da soll, es gibt Bio-Bratwurst, man kann ordentlich schnacken, es gab lustige Standnachbarn und von den drei in Hamburg besuchten Flohmärkten war das soweit der Gewinner.

Flohmarkt in Barmbek
Flohmarkt in Barmbek

In Berlin: Es gibt so viele, ich beschränke mich auf den Flohmarkt am Arkona-Platz, im Mauerpark und auf dem Boxhagener Platz.

Am Arkona Platz kann der Mittie sein Herz befriedigen. Jede Menge unnützer Design-Kram, hauptsächlich in Plastik und irgendwie sexytrendymegahip, dazu janz dufte Musik und natürlich jede Menge Tünnef, zwischendrinn gibt es tolle Sonnenbrillen. Es ist alles etwas schicker, die Ware wie das Publikum, die Preise sind sehr hoch und gehandelt wird eher nicht, jeder weiß dort, dass irgendwann ein Vollspack kommt und den Kram für teuer Geld kauft. Stand ja so in der Amica, Brigitte und QC, nehme ich mal an, jedenfalls wirkt das Publikum so. Ich habe dort einmal einen fast kompletten ehelichen Haushalt verkauft, sie war ja verschwunden und ich sollte alles verticken, wie sie sagte, das Geld sollte geteilt werden. Das waren jetzt nicht so die schicken Designsachen, mehr völliger Schrott und ich habe säckeweise Klamotten für einen Euro verkauft, Hauptsache weg damit. Das war soweit ganz lustig, ansonsten eher Mittelmaß. Zu teuer, zu wenig echte Flohmarktschnäppchen, zu viel Reiseführerkundschaft. Gut für Verkäufer mit schickem Schnickschnack.

Wer vom Arkonaplatz die Schnauze voll hat, kann dann gleich weiter zum Flohmarkt im Mauerpark. Das ist dann eher lustig, verpeilte Verkäufer die völligst bekloppte Sachen verkaufen, die niemand auf dieser Welt braucht. Dort gab es regelmäßig die gesuchten Playmobilpferde zu kaufen, eine echte Flohmarkt-Rarität. Das Publikum ist jung, in dem Bar-Café Ding in der Mitte sehen alle Kerle aus, als ob sie in ganz wahnsinnig coolen Bands spielen und die Mädels sind dann irgendwie auch so unterwegs. Man kann sehr preiswert einkaufen, wenn man in dem ganzen Kram denn etwas findet. Ein lohnenswerter Flohmarkt, macht Spaß, preisgünstig, teilweise sehr merkwürdige Leute und jede Menge Hunde.

Die Köter sind dann die perfekte Überleitung für den Flohmarkt am Boxhagener Platz. Da habe ich dann auch mind. 20x gestanden und Krams verkauft. Beispielsweise konnten wir den Admins im Studium 10 sehr alte Rechner abquatschen, haben die komplett zerlegt und mit dem ganzen Kabel-Stecker-Gedöns unglaublich viel verdient. Es war lustig, ich habe regelmäßig gut verdient, sehr nette Leute getroffen und natürlich habe ich mich über die Scheiß-Punk-Tölen geärgert die durch die Stände stromern. Das Publikum ist im Laufe der Zeit eher schicker geworden, die Ohrbooten waren ständig die Kombo da hinten am Platz, hab ich gar nicht drauf geachtet, es gibt, spielplatzbedingt, einen Club-der-schönen-Mütter und man kann den allerletzten Quatsch und selbst gemachten ist-irgendwie-vielleicht-doch-Kunst Kram verkaufen. Der Kunst-Quatsch klappt sogar sehr gut. Gewinnt aus persönlichen Gründen gegen den Mauerpark. Wer nichts findet, kann dann mit eben kennengelernten Damen und Herren gleich übergehen zum Kaffee, Bier, Cocktail und schwupps ist es wieder morgens um vier. Das klappt dann am ehesten am Boxhagener Platz. Deutlich. Ist irgendwie auch ein Baggerflohmarkt.


Es gibt einen elementaren Unterschied zwischen Flohmärkten in Hamburg und Berlin.
In Hamburg fragt die Mehrzahl der Leute „Was kostet das“, während sie einem in Berlin das gewünschte Teil unter die Nase halten und mit einem hingeschnodderten „eineneuromehristnichtdrin“ versuchen den Preis klarzumachen. Das ist eine echte Pest in Berlin, ganz schlimmer Mist ist das mit dieser Ein-Euro-Geschichte.

Die Hanseaten sind eher freundlich, fragen nach, man kann mit nem Zehner anfangen und sie bei acht Euro abfangen. Selbst bei unnützem Kram. Dafür fehlt bislang der fließende Übergang vom Flohmarkt zum Klub, wie am Boxhagener Platz. Vielleicht finde ich das ja noch in Hamburg.

Für Verkäufer ist Hamburg deutlich besser, wer dagegen aus Spaß an der Freude verkauft, wird in Berlin glücklicher.

Daher, Flohmarkt Hamburg vs. Berlin: 100:100, ein verdientes unentschieden.

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3 Gedanken zu „Flohmarkt Hamburg vs. Berlin“

  1. Also der ‚Markt der Nationen‘ in der Hellbrookstr. in HH-Barmbek – Multikulti mit eindeutigem Common Sense.

    Jeden Samstag haben Angehörige von ca. 32 Nationen aus 4 Kontinenten ein gemeinsames Ziel.

    Ohne den Markt gesehen zu haben, kann doch gar keine abschließende Bewertung erfolgen…

  2. harrharr! ich verkauf aufm mauerpark und hab mich (auch über die anderen evaluationen) echt amüsiert. im sommer gab’s ne welle von jungen schweden und dänen, so marke vollbart, lilanen leggins mit grünen dreiecksapplikationen und neonfarbenen caps.
    …also nochmal fette props für die recht faire bewertung. gerade bei dem ganzen berlin-styler-kram würde ich selbst schnell hässlich-zynisch argumentieren.

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