Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 6. Fahrrad mit Motor kaufen.

Neulich fuhr ich die 19 km von Zuhause in Hamburg Meiendorf bis zum Michel zur Arbeit mit einem geliehenen Rad (Pedelec).

Der erste Eindruck kommt nie wieder und darum schreibe ich das hier auf, denn erst war ich gespannt (Teil 1), am zweiten Tag beschwere ich mich (Teil 2), dann lief das alles (Teil 3), am vierten Tag schreibe ich warum ich das mache (u.a. Business Bike Leasing) und in Teil 5 fange ich mit dem Kauf des neuen Fahrrad an. Heute geht es weiter mit:

Fahrrad kaufen

In dachte tatsächlich, dass ich einfach in einen Fahrradladen gehe, dort einige Räder, nach kurzer Beratung, Probe fahre und das Business Bike Leasing dann einfach startet und ich für kleines Geld ein neues, tolles Rad bekomme

(Es dauert übrigens mindestens eine Woche, bis Arbeitgeber, Business Bike und der Fahrradladen diesen Leasing Kram geregelt bekommen. Sofort mitnehmen ist nicht).

Ungefähr so, wie ich auch einen neuen Staubsauger, Mixer, Ventilator oder auch eine Waschmaschine kaufen könnte.

Ein Elektromotor ist schließlich kein Hightech, den gibt es seit über 100 Jahren und so ein Pedelec ist irgendwie auch nur ein Mixer auf Rädern mit Batterie dran. Mehr nicht. Da wird nix neues erfunden oder so. Das ist alles ganz alter Wein im neuen Schläuchen.

Dachte ich

Habe ich aber falsch gedacht.

Denn erstaunlicherweise sorgt meine extrem simple Liste mit „dat muss die Karre können“ für ein „da hamwa aba grad nix da“ im Fahrradladen.

Lächerlich einfache Anforderungen an mein zukünftiges Pedelec. Auf dem Zettel fehlt große Pedale, sehr gutes Licht und brauchbarer Gepäckträger für Korb oder Taschen.

Ich bin kein Fahrrad-Nerd.

Ich will auch nie ein Fahrrad-Nerd werden.

Die Dame des Hauses hat den Auftrag, mir sofort derbe eine reinzuhauen, wenn ich jemals anfangen sollte, über Ritzel, Schalthebelhersteller oder gar über Kettenfett zu philosophieren.

Ich will doch nur

Ich will nur ein Herrenrad mit Nabenschaltung, dass mich mit 110kg plus Reserve für Gepäck entspannt und bequem durch die Gegend rollt.

Erstaunlicherweise gibt es das nicht so oft.

Da stehen zwar überall hunderte Pedelecs in den Läden, aber die sind entweder zu klein (ich bin 1,90 groß) oder haben eine Kettenschaltung (will ich nicht, Vorteile und alles ist bekannt, aber warum ey? Ich wohne in Hamburg, hier ist es flach).

Motoren Erklärbär Monolog

Erstaunlicherweise ist das mit dem Motor (bzw der Motorensteuerung) am Rad irgendwie Neuland.

Es gibt zwar bereits mehrere Billionen Elektromotoren auf der Welt, für Wechsel- und Gleichstrom, aber, Achtung, hier wird das Rad neu erfunden

Es gibt drölfzighundert verschiedene Motoren, Mal sind sie vorne, Mal hinten, Mal in der Mitte vom Rad angebracht und die Hersteller überschlagen sich in maximal bescheuerten Namen für die Motoren und machen alles kompliziert.

Pedelec Motoren in Einfach

Dabei lassen sich alle Motoren am Fahrrad ganz grob in zwei Gruppen einteilen:

  • Viel Power
  • Etwas weniger Power

Es ist tatsächlich so einfach und die ganzen Drive, CX, PW, Steps, wtf Namen unterscheiden eigentlich nur die Kraft des Motor.

Mehr als mit viel oder weniger Bumms drehen, kann ein Motor ehrlich gesagt auch nicht.

Bester Pedelec Motor 2019

Mir gefällt die Motoren-Variante mit etwas weniger Power erheblich besser. Das habe ich während der Probefahrten gelernt.

Das ist z.B. dieser Bosch Active Line Plus Motor. Den Motor hört man nicht (tatsächlich flüsterleise) und es fährt sich ohne Motorunterstützung auch noch ganz gut. Es gibt noch andere, aber ich kann mich nur an den Namen von Bosch erinnern.

Die Motoren mit mehr Power sind auch cool, keine Frage, fahren sich aber anders und das ist nicht meins.

Und nun?

Nun suche ich eben ein Rad mit den oben genannten, lächerlich wenigen Anforderungen.

Ich war bislang in zwei Läden, bei Max Lange in Rahlstedt (Google Maps) und dem Bergamont Flagshipstore (Google Maps) in der Budapester Straße.

In beiden Läden gab es jeweils eine sehr freundliche Beratung (ich kann beide Läden empfehlen) aber kein passendes Rad.

Entweder passte die Größe oder die Schaltung nicht.

Dabei gibt es da jeweils tolle Räder. Bergamont N8 irgendwas. Kalkhoff XXL irgendwas. Pegasus EVO irgendwas. Alles tolles Teile. Aber. Es. Passt. Nicht

Faszinierend

Faszinierend, dass der Kauf eines Fahrrades für einen völlig normalen Käufer wie mich ein Problem darstellt.

Was läuft da falsch?

Falls hier ein Fahrradhändler mit Business Bike im Hamburg mitliest und ein passendes Rad hat, ich freue mich über einen Anruf.

Nachtrag

Auf unterschiedlichen Kanälen erreicht mich Feedback von Bekannten. Vielen Dank dafür.

Es wird erwähnt, dass ich zu spät sei. Die Räder seien bereits ausverkauft. Dieser Beitrag wurde empfohlen: Süddeutsche Zeitung „Frust beim Fahrradkauf“.

Neben der Empfehlungen in den Kommentaren unten wurden folgende erwähnt:

  • ebikestore.de/, da hat jemand gekauft, die machen seit zehn Jahren nur ebikes.
  • Dann haben Eltern von Bekannten ihre Räder bei Mega Bike in Bramfeld gekauft und sind sehr zufrieden.
Älterer Beitrag

Fahrrad for Future. Was für ein Freitag.

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10 Gedanken zu „Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 6. Fahrrad mit Motor kaufen.“

  1. Ich komme immer an dem eBike-Laden in St. Georg vorbei. Lindenplatz. Da würde ich allein deswegen vmtl. zuerst hintapern, wenn ich denn jemals meine Aversion gg. eBikes überwände.
    Andere Pros und Cons hab ich aber nicht, und war da auch noch nie drinne.
    https://www.ebikecompany.de/

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  2. Ich werfe mal zwei Links in die Runde, einmal Fahrrad-XXL (http://www.fahrrad-xxl.de), die haben ein recht grosses Sortiment und man kann da recht komfortabel nach bestimmten Optionen (Schaltung, Antrieb, Rahmenform, Rahmenhöhe etc.) die verfügbaren Räder filtern. Mit denen hat meine Frau gute Erfahrungen gemacht, deren aktuelles (nicht E-Bike) ist von denen.
    Und evtl. der Bikepark Dissen (https://bikepark-dissen.de/), die bieten explizit E-Bike-Leasing-Modelle an. Auch die haben regelmässig grosse Rahmen da (60/61cm und teilweise sogar größer), da hätte ich gekauft, wenn mir dann nicht ein günstiges Gebrauchtrad über den Weg gelaufen wäre.

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  3. Diese Suche kenne ich, habe ich vor 2 Monaten auch „durchgemacht“. Sehr technisch bin ich dabei auch nicht geworden. Meine Vorgaben: „City“-Bike (stabil und ergonomisch mit ordentlichem Gepäckträger und Licht), Nabenschaltung (an der Ampel stehend runterschalten können), Carbon-Drive (Ketten sind so 20. Jahrhundert…), wegen Hosenbund & quietschen, alles andere ergibt sich. 140kg sollte es natürlich auch tragen können, und, ach ja, ein E-Bike sein, Mittelmotor schien mir dabei am besten. Stärke erstmal egal.
    Besuche bei Händlern waren eher frustrierend. Bei 1000 Räder z.B. war die Auswahl zunächst erschlagend, und am Ende gab’s doch nichts was in mein Beuteschema passte. Also: Papier-Recherche. Einige Pedelec-Zeitschriften (der deutsche Zeitschriftenmarkt ist faszinierend) incl. Gesamt-Markt-Übersicht geholt, durchgeblättert und inspirieren lassen. Es gab fast immer etwas warum Räder ausgeschieden sind, auch wenn sie echt ansprechend waren: zu kleiner Akku (50-70km, bzw. 2 Tage zur Arbeit sollte er schon halten) oder, meistens, nur Kette bzw. Kettenschaltung. Je „hübscher“ ein Fahrrad war, desto spezieller war es auch. Ich wollte aber eigentlich ein normales „Arbeitsfahrrad“, das nicht zu seltsam aussieht. Im Vorfeld bin ich ein Stevens Sport-Pedelec Probe gefahren, das war schon sehr erhellend (und auch gut zu fahren). Beim Blättern bin ich dann ebenfalls bei Stevens gelandet, das E-11 sprach mich sofort an – auch wenn’s etwas teurer ist. Leider schien es ausverkauft zu sein. Habe mir noch ein paar andere Räder näher (im Internet) angesehen, dann aber doch beschlossen, mal nach genau dem Modell zu suchen. Dieser Weg scheint mir auch sinnvoller, Vorauswahl per Netz/Zeitschrift/Test treffen, und DANN den passenden Händler suchen und dort testen.

    Ich habe dann Stevens-Händler in HH abtelefoniert. Einer alten Empfehlung folgend habe ich bei „Harry’s Radstation“ angefangen, ein echt netter, kleiner Laden in Rahlstedt. Super Beratung, etwas beengt (weil meistens sehr voll), hat aber alles im Sortiment was man braucht. Familienbetrieb und daher sehr persönlich alles. Und siehe da, die hatten noch ein ehemals reserviertes E11 das jemand nicht genommen hat. Gleich hin, Probe gefahren: geil. Die elektrische Nabenschaltung ist ziemlich abgefahren, es schaltet butterweich, gute Federung, angenehmes Sitzgefühl. Man fühlt sich gleich gut aufgehoben, was in den Foren auch viele von Stevens sagen (auch wenn die Marke ansonsten wohl eher Geschmackssache ist). Leasingvertrag hat dann ebenfalls ca. 1 Woche gedauert, der „Harry“ war da auch sehr offen und kompetent. Die ersten 650km habe ich mittlerweile runter, ein paar Sachen muss ich demnächst nachjustieren lassen, aber insgesamt ein guter Kauf, der sicher noch ein Weilchen Freude bereiten wird. Und der Laden, der ja bei dir in der Gegend ist, ist ebenfalls sehr zu empfehlen – allerdings weiß ich nicht ob die E-Bike-Auswahl dort ausreicht, ich hatte einfach Glück.
    Vielleicht hilft das ein bisschen weiter… Das E-11 ist wohl auch neu aufgelegt worden (und noch teurer geworden…)

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  4. Als Fachhändler (gar nicht mal so kleiner Familienbetrieb) mit guter Beratung kann ich noch Zweiradshop Lieb (https://www.zweiradshop-lieb.de/) in Osdorf empfehlen. Vielleicht geographisch nicht Ihre Ecke, aber wenn man ein nicht unerheblichen Betrag ausgibt, ist gute Beratung viel wert. Die machen auch diese Business Bike Sache, war für mich aber nicht relevant. Ich habe einfach so mein E-Bike dort gekauft und mich eben hervorragend beraten gefühlt.

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  5. Meine Erfahrungen als Übergewichtiger mit dem eBike zur Arbeit:
    Die Auswahl ist tatsächlich nicht riesig, wenn das Rad mehr als 140 kg tragen soll. Denk dran, dass die 140 kg inkl. Fahrrad zählen und son eBike knapp 30 kg wiegt, da ist ein Einkauf dann noch nicht dabei.
    Ich hatte 3 Jahre lang das Aggatu XXL von Kalkhoff (160 kg); ich fahre so 2500 km im Jahr, ich hab’s nur 5 km zur Arbeit (Du kämst ja locker auf das Dreifache). Ich fahre eher vorsichtig und verhalten, in 3 Jahren wurde 1x der Motor ausgetauscht und ist mir 2x der Rahmen an derselben Stelle gebrochen (Rahmen wurde getauscht, nicht repariert), jeder Mal ein Riesenschreck, aber zum Glück gerade nicht schnell bergab unterwegs. Diese Probleme haben im Internet mehrere beschrieben. Kalkhoff hat eigene Motoren (impuls) meiner war mit nem Drehmoment von 80 Nm, das zusammen mit der Nabenenschaltung hat wahrscheinlich für die Überlastung gesorgt. Kann schon sein, dass Herrenrahmen robuster sind und nicht brechen. Das Fahrrad stand nur tagsüber draußen unter einem Dach, nachts im Keller, trotzdem waren wir oft in der Werkstatt, u.a. wegen ner verrosteten Federgabel.
    Bosch hat nur den Activemotor mit Nabenschaltung, der hat 40 Nm, der neue wohl 50. Diese Belastung hält es aus. Die stärkeren Motoren von Bosch, Performance und Performance CX (63 bzw. 75), werden nur mit Kettenschaltung ausgeliefert weil die robuster ist.
    Ich hab jetzt (seit nem Jahr) ein Herculesrad (180 kg) mit Kettenschaltung und Performancemotor (also dem zweitstärksten), ich brauche einen stärkeren Motor als den Active (habe starke Gelenkschmerzens, da ist der kleine Performance viel besser für mich). Toitoitoi, bislang war noch nix.
    Dann gibt es für höheres Gewicht noch Riese Müller, die haben den CX mit ner Novincinabe und so einem Riemenantrieb, die halten das auch aus, kostet halt über 4000,- €, aber das war ein Erlebnis und das Design ist einfach traumschön. Kauf ich mir, wenn ich groß bin.
    Meine Firma hat leider kein Angebot mit Leasingrädern, lohne sich für den Arbeitnehmer nicht.

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  6. Ich bin zwar vergleichsweise eine halbe Portion, habe bei meinem ebike-Kauf aber was gesehen, was passen könnte: Die Velo de Ville gibt es mich 60er Herrenrahmen und einem Ausstattungspaket Happy 160.
    Leider kein Händlertipp, sorry.
    Ich habe meine 6 Wochen Lieferzeit bald abgesessen.

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