Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 2

Gestern erst fuhr ich zum allersten Mal die 19 km von Meiendorf bis zum Büro am Michel mit dem Rad und schon jetzt kann ich mich hervorragend aufregend (siehe Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 1 und Teil 3, mit App Empfehlung).

Die Radwege in Hamburg sind in der Tat eine völlige, ja lächerliche voll-Katastrophe. Völliges Desaster, nahezu alles im Arsch, kaputt, zu klein, zu eng, voller Schlaglöcher, alles Elend.

Die meisten Radwege brauchen mal eine Heckenschere und neuen Belag. Abgesehen vom völlig kaputten Big-Picture (zu wenig Platz in der Stadt, etc). Einige ganz wenige Straßen mit guten Radwegen mal ausgenommen.

Ganz neuer Radweg in Meiendorf. Mit Baum darauf. Hier wartet man einfach, bis der Baum stirbt und macht dann den Radweg komplett. Weil Baum fällen geht nicht, da flippen alle gleich aus.

Es ist so schlimm, ich suchte sogar mehr Info für diese Velorouten in Hamburg im Internet, aber meine Fresse, die Velorouten sind ja auch total am Arsch.

Und wenn Sie sich jetzt aufregen (der Typ hat doch keine Ahnung, ey), dass ich mich hier so aufrege, dann verzeihen Sie bitte, aber ich hatte DEUTLICH (echt jetzt) mehr erwartet.

Ich hatte mehr erwartet, denn Hamburg will offiziell „25% Anteil Fahrrad im Jahr 2020“ (wo sollen die alle fahren? Platz ist für so viele Fahrräder jedenfalls nicht).

Ich hatte mehr erwartet, denn es gibt Geschichten wie diese hier: Hamburg startet Radfahr-Kampagne, aber das ist halt nur ein (wuv.de:) Song, eine Webseite, fancy Fotos, ein paar Plakate und SocialMedia, mehr aber nicht, wobei das alles hübsch aussieht.

Das Elend der Velorouten gibt es sehenswert aufbereitet auf veloroute.hamburg (Mit Abstand die beste Webseite zum Thema in Hamburg) und es hat einen Grund, warum da alles in Rot und Orange erscheint (bei den Velorouten denke ich ernsthaft mehrfach, Alter, ich bin doch nicht lebensmüde und fahre z.B. auf’m Friedrich Ebert Damm mit dem Rad. So ein Quatsch. Ernsthaft).

Merke ich auch sonst nicht, wenn ich kurze Srecken in der Stadt fahre, z.B. aus der Neustadt zum Jungfernstieg oder zu Ikea oder so, da stört das ja nicht so sehr.

In Meiendorf gibt es diesen „wir fällen den Baum nicht für den Radweg“ Trick gleich mehrfach. Sind aber auch tolle Bäume.

Bei 18 km Weg durch den Berufsverkehr passierte bei mir folgendes:

  1. Nicht angeleinte Hunde waren, neben Geister-falsche-Seite-Radfahrern die größte Gefahr. Beide sind Arschlöcher.
  2. Das Wandsetal ist sensationell hübsch. So ein Schatz, mitten in Hamburg. Ein Traum in Grün. Völlig unterbewertet, ganz derbe Natur ums Eck.
  3. Ich wurde mit dem ebike weiterhin von Senioren auf ebikes überholt.
  4. Es gibt gar keine Beschilderung für Fahrräder
  5. Google Maps aufm Rad in Hamburg klappt nur so halb.
  6. Anderen Typen die so Pendelmässig aussahen hinterher zu fahren klappte erstaunlich gut.
  7. Je näher an Innenstadt, desto mehr Fahrräder unterwegs.
  8. Es fahren ERHEBLICH mehr Leute Fahrrad, als ich dachte. Hunderte. Tausende.
  9. Irgendwo gab es ein kurzes Stück Fahrradstraße und das war super. Das ist die Zukunft.
  10. Auf der Straße zu fahren ist erstaunlich lebensgefährlich in Hamburg. Gleich dreimal war es knapp zwischen mir und einem PKW.
  11. Sowas passierte nie in zwei Wochen in Holland auf’m Rad.

Ich will, dass das anders wird.

Das ist doch kein Zustand im Jahr 2019, das ist nicht mehr zeitgemäß.

Vor allem nicht dann, wenn die Welt sich ändern soll. Das geht alles viel zu langsam.

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11 Gedanken zu “Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 2”

  1. Merci! Auch in den kleinen Städten (wie z.b. Schweinfurt) sieht es nicht anders aus. Die Politik denkt nicht darüber nach, dass es neben dem Auto auch noch andere Verkehrsteilnehmer gibt. „Wir haben ja ein Konzept“ – welches einfach nicht durchdacht ist, bzw. aus dem Jahr 1999 oder (wenn es einigermaßen gut ist) nicht umgesetzt wird. Ausreden finden sich schnell…

  2. Versuch doch mal, deine Route mit Komoot zu planen.
    Dort ist es weitestgehend zu erkennen welche Art der Strecke (Radweg, Fahrbahn, etc.) zu erwarten ist und welchen Belag ein Streckenabschnitt hat (Asphalt, Kopfsteinpflaster, etc.).
    Habe früher auch immer Google Maps benutzt aber Komoot ist fürs Radfahren einfach schlauer.
    http://komoot.com

  3. Gruß aus München, gleiche scheiße…
    Gutes Equipment erhöht die Überlebenschancen – Bremsen Tipp top halten, grelle Farben und vor allem eine Druckluft Hupe (airzound)

  4. Schöner Beitrag bis du dich über Geisterfahrradfahrer aufgeregt hast.. ich bin ein großer Sympathisant des Geisterfahrens, da ich genug Strecken in Hamburg kenne, wo ich täglich 5min und aufwärts verliere, wenn ich jedes mal die korrekte Straßenseite benutzte – für einen Streckenabschnitt, der vielleicht 500m beträgt! Geisterfahren ist kein Ausdruck von Arroganz oder fehlender Kenntnis über die Straßenordnung, sondern eine reine Verzweiflungstat in Anbetracht der schlechten Fahrradverkehrsführung. (Extreme Ausnahmen wie immer ausgenommen)

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