Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 3.

Seit drei Tagen fahre ich 19 km mit dem Rad von Hamburg Meiendorf zum Michel zur Arbeit. Der erste Eindruck kommt nie wieder und darum schreibe ich das hier auf, denn erst war ich gespannt (Teil 1), am zweiten Tag beschwere ich mich (Teil 2) und heute?

Heute fuhr ich zum dritten Mal die 19 km durch Hamburg mit dem Rad. Ich kann es selbst kaum glauben, denn 19 km sind für mich eine weite Strecke (vor allem am Abend).

Größtes Problem war: ich verfuhr mich derbe und hatte keine Ahnung, wie es weiter geht.

(Zweitgrößtes Problem ist übrigens der Platzmangel rund um die Alster. Alter. Da sind morgens um acht Uhr so derbe viele Leute auf’m Rad unterwegs und es ist so schlimm zu wenig Platz für die Massen. Nach nur drei Tagen geht mir das schon so richtig auf den Sack.)

Verständlich, denn verdammt, es ist eben eine 19 km lange Strecke und da ist die ganze Zeit Stadt um mich herum, ohne Sicht auf Orientierungspunkte wie nen Berg, eine Kirche, einen Turm oder so. Darum verfuhr ich mich, musste anhalten, auf die Karte schauen und weiterfahren.

Einzige Orientierung bietet mir auf meinem Weg das Wasser. Erstaunlich, wie viel Wasser es in Hamburg gibt.

Plötzlich sind da überall Seen, Bäche, Flüsse und Kanäle! Das ist die größte Überraschung für mich. Überall gibt es in Hamburg Wasser (wobei, sooooo Überraschend ist es nun auch nicht. Aber sie wissen, was ich meine).

Wenn ich an der Wandse entlang fahre, Berner Au, das Ding in Farmsen, am Kanal durch Eilbeck und am Schluss an der Alster entlang, da gibt es einen See nach dem anderen.

Wahnsinn, wie viel Wasser und auch Grün da überall ist. Völlig unverständlich, warum es nicht seit 100 Jahren durchgehende Wege am Wasser entlang gibt, denn da ist es kühl, frisch und vor allem ist es flach.

Hat man ja so gar nicht auf’m Zettel, aber einmal durch halb Hamburg fahren passiert ohne einen einzigen Berg, ich fahre da maximal eine Brücke hoch oder so.

Screenshot Bike Citizen App. Der Weg heute Morgen.

Ich hatte auch, zum ersten Mal seit gefühlt Jahren, diesen WIE GEIL IST DAS DENN BITTE Moment mit der Citizen Bike App.

Ganz großes Kino. Das Ding ist ein Navi für Radfahrer und die App lotst mich, mit einem Knopf im Ohr, erstaunlich zuverlässig durch die Stadt.

Die App kennt sogar die kleinen Parkwege in Berne, eigentlich nur bessere Trampelpfade. Ich bin nachhaltig beeindruckt, wie gut das funktioniert, diese App hat mir völlig neue Wege durch Hamburg gezeigt. Ganz große Empfehlung.

Wenn der Test diese Woche weiterhin so gut läuft (Donnerstag working from Home, Freitag soll es regnen), dann kaufe ich mir ein brauchbares E-Bike. Das aktuelle Modell ist geliehen für diesen Test und eigentlich wollte die Dame des Hauses damit zur Arbeit fahren, aber sie hat gerade Ferien.

Wahrscheinlich braucht es noch einige Wochen, bis ich eine wirklich gute und schnelle Strecke von Meiendorf bis in die Stadt gefunden habe (wobei das jetzt, am dritten Tag schon ziemlich gut lief), aber bis dahin freue ich mich über den ersten Eindruck und hoffe, dass mich kein Raser mit seinem Auto umbringt oder ich nicht frontal gegen einen Geister-falsche-Seite-Radfahrer knalle.

In diesem Zusammenhang: Heute zum ersten Mal die Ziele des radentscheid-hamburg.de gelesen und irgendwie bin ich da nicht mit dabei.

So viele Details, viel zu kompliziert, totales Gelaber, sehr viel Schul-Radwege Zeugs (was soll das eigentlich sein?), ich kapiere es nicht. So funktioniert Politik nicht (Bierdeckel!), der Entscheid wird bestimmt scheitern.

Siehe auch Warum Hamburg nicht diesen Radentscheid braucht und Die Ziele des Hamburger Radentscheides.

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5 Gedanken zu „Mit dem Rad in Hamburg zur Arbeit. Teil 3.“

  1. Kann mich deinem Bericht zu gewissem Grad anschließen. Bin seit knapp 4 Wochen zur Arbeit per „Pedelec“ unterwegs, 18.5km eine Strecke, Poppenbüttel -> Hafencity. Trotz „handgefertigtem“ Routing im Vorfeld und abfahren per Handy habe ich mich ebenfalls die ersten Tage immer mal wieder verhaspelt, teilweise verfahren (Kleinigkeiten allerdings).
    Ab der zweiten Woche dann Optimierungen, doofe Ampeln vermieden, Über/Unterführungen entdeckt. Ein bißchen weiter fahren, für weniger Kontakt zum Autoverkehr. Mein Vorteil an der Außenalster: ich fahre linksseitig. Die dortige Fahrradstraße ist (bis Höhe amerikanisches Konsulat) durchaus auch für größere Mengen Radfahrer brauchbar, aufgrund von Anwohner/Baustellen-Fahrzeugen aber immer noch nicht konsequent genug autofrei.
    Es ist aber erstaunlich, wie sehr man in HH eine Radstrecke optimieren kann (Stichwort: Wasser), wobei mir natürlich der Alsterwanderweg entgegenkommt. Insgesamt nur ca. 4-5 Ampeln auf der Strecke bis Jungfernstieg, dann leider doch ein paar mehr.
    In der Innenstadt ist man der absolute Arsch auf dem Fahrrad. Radwege enden plötzlich, und gehen irgendwo wieder weiter. Wo weiß keiner, weil nicht ausgeschildert. Ist der Radweg in beide Richtungen befahrbar? Benutzungspflichtig? Meist nicht erkennbar (zugewuchert) oder schlicht keine Schilder, oder dort wo nie ein Rad hinkommt. Radwege enden oft am Zebrastreifen. Freundlicherweise werde ich meist rübergelassen, obwohl die Autos das streng genommen ja gar nicht müssten. Wegen der bescheuerten Radwegführungen (in welche Richtung geht jetzt diese Ampel-Überführung genau???) scheinen mir kurze Geisterfahrerstücke manchmal der einzige Weg um nicht hunderte Meter Umweg zu fahren. Wobei, wie gesagt, gar nicht immer klar ist in welche ob eine Ampelquerung nun nur in eine oder auch in beide Richtungen zu nehmen ist.
    Anstrengend sind allerdings auch die An-der-Ampel-schnell-an-allen-Vorbei-Radfahrer. Manchmal etwas Eng an wenn’s grün wird. Ein bisschen mehr Kopenhagen-style wäre da angebracht („Wir sehen uns alle an der nächsten Ampel, also relax mal Digga!“). Fällt mir auch nicht immer leicht, da einige sehr schneckenhaft im Vergleich zum Pedelec sind.
    Autofahrer sind wie gewohnt besenkt unterwegs (daher meide ich Fahrbahn-Nähe), selten mit passendem Abstand, häufig beim Rechtsabbiegen nicht mehr zurücksehend. Ich fahre dann lieber langsamer und komme mit dem Leben davon.
    Dank meiner sehr angenehmen Strecke also durchaus machbar, aber die völlig konfuse und inhomogene Radweg-Führung mit völlig ungeklärten Rechten der Radfahrer ist schon ein ziemliches Armutszeugnis der Stadt, und erhöht den Schwierigkeitsgrad ungemein. Da geht noch was.

    Antworten
    • Ich unterschreibe!! (Besonders den Teil, dass es nicht immer ohne Geisterradeln geht. Allerdings wäre hier mehr Defensive bei allen Falschfahrenden NÖTIG und ANGEBRACHT. Falschfahrende, die fahren wie „Rechte-Inhabende“ sind die schlimmsten Rad-Arschlöcher, die mir einfallen!)
      Ich habe mir (bewusst!) eine Wohnung in 4 km Entfernung zum HBF gesucht und ca. 2,5 davon sind seit einiger Zeit Veloroute, das macht schon einiges besser.

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