Was braucht eine Schul-Webseite? 

Nach knapp zwei Jahren mit einem Kind auf der Schule ist es soweit. Ich helfe mit, die Webseite der Schule neu zu machen. Ich sag es mal politisch: es gibt in Sachen Webseite der Schule eine erhebliche Anzahl an Verbesserungsmöglichkeiten.

Fast alle Schul-Webseiten in Hamburg liegen auf einer sehr großen WordPress Multisite Installation. Das ist ein Grund, warum sich viele Schul-Webseiten in Hamburg ähnlich sehen. WordPress ist nett, liefert schnelle Erfolge und z.B. mit der WordPress-App kann man sehr schnell, sehr viel an einer Webseite machen. Fotos, Texte, Dokumente, Videos, plötzlich geht das alles.

Leider ist es, wie immer, im Detail sehr kompliziert. Wo muss ich klicken? Mache ich dann etwas kaputt? Wie bearbeite ich die Navigation? etc etc. Für Anfänger ist WordPress ein großes Problem. 

Aber auch wenn sie gerne schimpfen über die Schulbehörde, die Webseite, die Software und alles – WordPress ist besser als der ganze langsame Behördennetz-Kram mit dem sie in Hamburg arbeiten.

Unsere Schule hat Glück, denn sie hat mich. WordPress Nutzer seit der ersten Stunde und nebenbei betreue ich zig WordPress Seiten nicht nur als Hobby in diesem Blog, sondern auch im Job, als große Multisite Installation mit allem, was dazu gehört. Ich verdiene damit mein Geld, kurz: ich kann das.

Leider ist so ein Wissensvorsprung hinderlich, denn für mich ist das alles einfach, für die Kollegen von der Schule, mit denen ich mich getroffen habe, ist das alles (alles, egal was) eher kompliziert.

Darum lassen wir, wie immer, im ersten Schritt die Technik, das CMS, den Computer und das Handy komplett weg. Aus. Raus. Kein Bildschirm. Nur Stift und Papier.

Das ist der 1. Tipp: beginne auf Papier. Never ever planst du eine Webseite in einer Gruppe am Rechner. Vertrauen mir, das hat eine Vielzahl von Gründen.

Dazu schaue ich mir die anderen Webseiten ausm Stadtteil an. Das sieht dann so aus. Wenn ich mehr Zeit hätte, wären es mehr Seiten geworden. Falls jemand eine besondere gelungene Webseite für eine Grundschule kennt: nur zu, ich freue mich über gute Beispiele.

Webseiten auf Papier mit Notizen
Webseiten auf Papier mit Notizen. Die Gymnasien sind generell besser als alle anderen, denn da helfen offensichtlich die Schüler mit.

Tipp: Suchen und finden sie andere Schulen mit Hamburg GEO oder Google Maps.

Hamburg GEO ist dieses Datenportal der Stadt Hamburg und dort sind tatsächlich alle Schulen gelistet. Die normale Google Suche liefert nur mangelhafte Ergebnisse für eine Suche nach Schulen in Hamburg.

Klick auf das folgende Bild und sie kommen dahin:

Geo-Online der Stadt Hamburg. Klick, Klick, Klick und sie sehen alle Schulen in der Gegend. Klick auf eines der kleinen Icons und sie sehen Details.

Man sieht und merkt dann sehr schnell, welche Schul-Webseiten funktionieren und welche nicht.

Einige sind top-aktuell, bieten tolle Fotos, Inhalte und Termine. Andere sind Textwüsten mit völlig veralteten Inhalten und ungültigen Links. Du musst das Rad nicht neu erfinden, nimm dir bei anderen die Ideen, die dir gefallen, denn du brauchst deine Energie später, um den Kram auf die Webseite zu stellen.

WordPress ist nicht selbst erklärend, man muss das einfach machen und lernen. Es freut mich, dass an einigen Schulen die Damen und Herren tatsächlich Zeit mit der Webseite der Schule verbringen und sich auf die wichtigen Inhalte konzentrieren. Denn das ist der Trick.

Tipp: Konzentriere dich auf das Wichtigste.

Es gibt ähnliche Inhalte, auf allen Schul-Webseiten, denn, nun ja, es sind nun mal „nur“ Schulen.

  • Termine, bzw. wann war nochmal das …?
  • Fotos, Videos, bzw was ist los an der Schule? Was machen die da? Was gibt es neues?
  • Mensa, Caterer, Mittag, bzw was gibt es zu essen?
  • Vertretungsplan an weiterführenden Schulen.
  • Der ganze rechtlich zwingend erforderlich Kram.
  • Fertig.

Das muss zwingend auf die erste Seite. Alles andere Interessiert vorerst niemanden. Das „Leitbild der Schule? Werte? Konzepte?“ Ja, spannend, aber nur während der Suche einer neuen Schule, danach liest man das eher selten.

Zeige Fotos von Lehrern (scheinbar ein Problem, haben nur sehr wenige Schulen), von Kindern (Fotos ohne Gesicht, von hinten sind völlig Problemlos), von Sachen die alle da machen (Ausflüge, Kunst, Sport, Musik, alles, es passiert ständig etwas tolles), lass die Lehrer filmen und stell die Videos auf die Webseite oder lass die Kinder etwas schreiben und stell es auf die Webseite.

Tipp: nur das Neueste ist gut. 

Niemand will eine Geschichte aus 2014 lesen, auch wenn es eine tolle Sache war, als damals eine Delegation aus Hintertupfingen eure Schule besuchte und ihr zusammen etwas gemalt habt. Aber das ist alt. Die Kinder von damals sind inzwischen weg, die Eltern auch, warum also zeigen einige Webseiten so alten Kram?

Nur das Neue ist spannend. Was war letzte Woche los? Das ist das Ziel. Ständig wird gebastelt, gemalt, geklebt, geschrieben und manchmal ist das ja auch ganz lustig, also ab damit auf die Webseite. Ein Ding pro Woche. Egal ob Sport, Kunst, deutsch, Mathe, Hauptsache, da erscheint etwas.

Tipp: zwinge die Lehrer, ihre Smartphones zu nutzen.

Ja, ich weiß. Ja, dass ist ein schwieriges Thema, denn die Lehrer haben viel zu tun und dann auch noch etwas für die Webseite machen? Mmmmh. An Schulen gilt weiterhin die Einstellung, dass jemand aus der IT das als Hobby macht. Und ja, das war vor zehn Jahren so. Aber heute ist das anders.

Heutzutage kann jeder Teenager mit seinem Handy permanent Inhalte online stellen und ich habe als Ziel, dass zumindest einige Lehrer dass auch machen. Nicht der Kollege aus der IT, nicht die Informatik-Gruppe oder der Onlinezeitungskurs, nein, jeder mit einem Handy. 

Denn es ist so rasend einfach, mit einem Handy Inhalte auf eine WordPress Seite zu stellen.

Ich schreibe diesen Artikel auf dem Handy. In der U-Bahn. Einfach so. Ich könnte ihn auch ins Handy diktieren, dann spare ich mir das Tippen, bekommen aber einen auf die Zwölf, da wir Pendler in der U-Bahn schweigen.

Also tippe ich und wenn ich das kann, kann das jemand aus der Schule noch viel besser.

Die Diktierfunktion auf Handy ist heutzutage extrem mächtig, das klappt beinahe so gut wie bei Raumschiff Enterprise.

Jeder mit einem Smartphone kann ein Foto machen, das Bild mit Snapseed hübsch machen, drei, fünf Sätze dazu schreiben und es mit der WordPress App auf die Webseite stellen. Das ist nicht übertrieben, fragen sie ihre Kinder, es ist wirklich einfach. 

So. Meine Ubahn ist da. Das reicht für heute.

Nachtrag. Statistik.

Jede Schulwebseite in Hamburg hat eine Statistik. Schauen sie da mal rein. Sie werden erstaunt sein, wie viele Menschen sich die Webseite der Schule ansehen. In unserem Fall sind es einige hundert pro Tag! Erstaunlich. Jeden Tag Kontakt zu Hunderten Menschen. Kostenlos. Einfach so.

Noch faszinierender: die Hälfte der Besucher schaut sich die Seite auf dem Handy an.

Die Webseiten werden also genutzt und das nicht zu knapp. 

Fazit: Es lohnt sich, etwas zu machen, denn die Webseite der Schule wird gelesen. Sogar die Webseite unserer kleinen Schule am Stadtrand von Hamburg hat hunderte Besucher am Tag.

12 comments

  1. Sebastian says:

    Wir haben letztes Jahr für ein Gymnasium in Berlin eine Website gemacht. Allerdings etwas anderer Fall: Wir hatten keine Verbindung zu der Schule außer dass ich ein Bekannter dort als Lehrer arbeitet und meinte, ob wir nicht – als Agentur – uns auch um deren neue Website kümmern wollen. Kenne daher den Prozess des „Was brauchen wir? Was wollen wir?“ und jeder hat eine (andere) Meinung ganz gut.

    Rausgekommen ist übrigens am Ende das hier: http://www.gvb-berlin.de/

  2. Du kannst bei uns gleich weitermachen. Ist eine von den gelben Häuschen auf deiner Karte da oben. ;) (Allerdings scheinbar nicht WordPress-basiert. Glaub ich. Wirkt jedenfalls nicht so. Vielleicht halten sich die SO-Schulen ja aus diesem System raus?)
    Das Design ist typisch 90er oder frühe 2000er. Nun ja, so lange ich alles finde, was ich suche, ist das nicht sooo wichtig. Ist aber leider nicht immer der Fall. Und der Hauptverantwortliche ist vor 2 Jahren oder so in Rente gegangen, seitdem ist das Angebot schon arg dünn geworden. Dass da Berichte von vor ein paar Jahren enthalten sind, finde ich gar nicht schlimm. Da sieht man, was so los ist und war … und ich lese auch ganz gern mal Artikel aus grauer Vorzeit.

    Viel mehr stört mich, dass beispielsweise Termine unter dem Tag aufgeführt werden, an dem sie veröffentlicht werden. Da steht dann also 5. Mai 2016 – Elterratssitzung … und darunter stehen dann die einzelnen Termine fürs jeweilige Schuljahr (also bis Mitte 2017). Das. geht. eigentlich. gar. nicht! Dann sollen sie wenigstens das Datum in der Überschrift weglassen

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