Vater werden ist nicht schwer …

Gestern Abend habe ich den Film Alles eine Frage der Zeit gesehen (kitschiger Film, aber als Vater fand ich den super). Zufällig passt das Thema des Films sensationell, ja wirklich außergewöhnlich gut zu diesem Beitrag. Sie können den Beitrag auch weg lassen und sich den Film ansehen. Es geht um Zeit. Vereinfacht gesagt.

A leap on the beach!
Foto: A leap on the beach! by Kristen with Some rights reserved

Zwei geschätzte, bloggende Väter antworten auf den Artikel Geht alles gar nicht auf zeit.de. Da mache ich mit, immerhin bin ich auch bloggender, berufstätiger Vater von zwei Kindern. Wer möchte, kann die Antworten von luebue und nico lesen, die ähnlich ausfallen wie mein Text.

Dass sich Kinder und Karriere nicht vereinbaren lassen, ist eine Lüge. EINE ERWIDERUNG AUF MARC BROST UND HEINRICH WEFING
haltungsturnen.de – Geht alles doch

Ich habe mir den Artikel jetzt mehrfach durchgelesen. Ich schwanke immer noch zwischen Nicken und Kopfschütteln.
lumma.de – Die Sache mit der Hölle, den Kindern und der Karriere

Die zwei Autoren beschweren sich in der Zeit, wie wahnsinnig kompliziert das als Vater doch alles sei. Ich gestehe, ich habe gelacht, als ich deren Text las.

Abgekürzt könnte ich ihnen schreiben: SELBST SCHULD.

Wieso lest ihr Arbeitsmails am Wochenende? Und wenn ihr schon solche Mails am Wochenende lest, warum lasst ihr euch auch noch davon ablenken?

Da fehlen mir echt die Worte, ich wünsche den beiden Herren wirklich sehr, dass sie das in den Griff bekommen. Denn eines ist klar: Ihr werdet da nichts gewinnen, ihr werdet nur verlieren. Zu diesem Thema habe mich vor längerem ins Blog aufgeregt, das kann ich ohne Bedenken empfehlen: Siehe: E-Mail am Wochenende, zwischen Kind und Kegel. Zusammengefasst: Jobmails am Wochenende zu lesen ist eine grenzdebil bescheuerte Idee. Klingt komisch, ist aber wahr.

Abgesehen von diversen anderen Alarmen beschäftigen sich die beiden Herren wirklich sehr mit der Zeit-Problematik, taucht es am Ende des Textes doch gleich nochmal auf:

Aber in Wahrheit ist es doch so, dass die Grenze zwischen Arbeitszeit und privater Zeit längst durchlässig geworden ist, weil man immer erreichbar sein muss und, ja, auch immer erreichbar sein will. (Hervorhebung von mir)

Und genau das ist euer Fehler. Ihr solltet an den Punkt kommen, dass ihr das nicht wollt, denn es ist nicht möglich. Eine ganz einfache Sache eigentlich. Klar, man muss das lernen, das erfordert Aufmerksamkeit und Anfangs auch eine gewisse Disziplin (glauben sie mir, ich weiß wie schwer es ist das Handy am Wochenende nicht für Arbeitskram zu nutzen), aber es lohnt sich und es wird besser, umso konsequenter ich das mache. Von einem Notfall abgesehen habe ich seit mind. einem Jahr am Wochenende keine einzige Jobsache bearbeitet.

Man möchte die beiden Herren glatt leicht schütteln und ihnen zurufen: Aufwachen! Seht ihr nicht, was ihr alles verpasst?

(Zum folgenden Absatz muss man wissen, dass meine Freundin auf der Arge arbeitet und sie sozusagen täglich über das „normale“ Leben der Masse der Leute erzählt. Also das Leben der Leute, die z.B. nicht Hauptstadtbüroleiter (wie einer der Autoren) der Zeit sind)

Euch geht es unfassbar gut. Euer jammern ist auf so hohem Niveau, dass es weh tut.
Ihr habt Jobs. Ihr teilt euer Leben mit einer Partnerin. Eure Kinder sind (soweit man das im Artikel erkennen kann) gesund und munter. Ihr selbst seid nicht krank, Drogenabhängig, im Knast, körperlich oder geistig behindert, ihr könnt lesen, schreiben und rechnen. Euch geht es damit besser als gefühlt 99% der Deutschen. Im Verhältnis betrachtet ist es relativ albern, aus eurer Position heraus zu jammern.

Ihr habt keinen Stress.
Ihr macht euch den Stress selbst.

Wissen sie, was mit das erste war, das mein Vater mir auf die „du wirst Opa“ Nachricht erzählte (sinngemäß wiedergegeben)?

Ich ärger mich, dass ich nicht mehr Zeit mit euch Kindern verbracht habe.

Ganz ehrlich:
Als Gegenleistung für Job-Emails will ich das meinen Kindern später nicht sagen.

PS: Mein Vater war für uns Kinder gefühlt immer da. In kann mich nicht daran erinnern, dass er ständig weg war.

PPS: Ja, es ist anstregend. Ich kann nicht tagelang vor der Playstation verschimmeln, das ganze Wochenende im Bett lümmeln oder sonstwie meine Zeit verbummeln. Das geht als Vater nicht, dass muss auch gar nicht gehen. „Eltern sein ist ein 24 Stunden Job“ steht auf einem Schild in der Elternschule, in der ich neulich mit dem Lütten zum Kochkurs mit Kindern war. Egal ob mit es um die Kinder oder um uns, als Paar geht, aus dieser Eltern-Nummer kommen wir nicht mehr raus und wir wollen das auch gar nicht. Es ist nicht einfach, es ist, um ehrlich zu sein, wahnsinnig kompliziert, anstregend, Zeit- und Kräfteraubend. Aber wir wollen das alles, wir sind uns dessen bewußt und wir wissen auch, dass das alles nur eine Phase ist.

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  • Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 3. Februar 2014

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