Haus nicht kaufen – Hamburg vs. Berlin

Wir haben uns ein zum Verkauf stehendes Haus in der näheren Nachbarschaft angesehen. Die Besichtigung, bzw. Der Termin kam für mich ganz plötzlich, ich schrieb es hier in mein Internet und tatsächlich wurde Interesse bekundet, wie die Besichtigung denn nun war und ob ich demnächst eine Einzugsparty veranstalte, es wurden bereits bunte Pappschirmchen und lustige Plastikäffchen für Getränkegebinde eingekauft.

Ich nehme euch jetzt ein wenig von der Vorfreude und beende, zumindest bei den Jungs, die Glückströpfchenzeit.

Wir werden das Haus nicht kaufen und zwar aus folgenden Gründen (das sind jetzt nur und ausschliesslich meine Argumente und Beobachtungen. Die Wahrnehmung der Mitbewohnerin lässt sich treffend mit dem Wort ‚das ist schon hübsch, allein der Garten‘ beschreiben. Ältere Leser in einer Behiehung kennen die Frauliche Hübschomatie sicherlich. Das ist so ähnlich, wie ein Wunschzettel der Frau mit Eintrag ‚braune Stiefel‘. Abgesehen davon, dass wir die ‚Stiefel‘ in unseren Googledocs-Wunschzetteln bis zum Jahr 2038 bereits voreingetragen haben, hat dieser kleine Schwenk absolut nichts mit dem Haus zu tun, geschweige denn mit dem Wörtchen ‚hübsch‘, aber wer bis hier hin durchgehalten hat, bekommt ein Sternchen*).

Zuerst das Positive:
Der Garten war ganz hübsch.
Das Haus liegt näher an der Kita.

Dann wird es schnell nicht-mehr-so-gut. Der Makler erzählte, dass im Haus, Baujahr 1938 zwei Damen wohnten, die jetzt im Pflegeheim oder bei Verwandten wohnen.

Ein altes Haus. Das hat viele Nachteile, besonders dann, wenn an und in dem alten Haus nie irgendetwas renoviert wurde, von neuen Leuchtmitteln und einer neuen Klobrille alle 20 Jahre einmal abgesehen.

Die Erfahrung zeigt, dass insbesondere Damen im hohen Alter extrem sparsam mit allem im Leben sind. Wahrscheinlich sparen sie aufgrund kriegsbedingter, furchtbarer Erfahrung sogar am Leben und werden daher so alt und übertrumpfen die Männlichen Mitbewohner in der Lebenserwartung.

Damals wurde gespart und das sah man auch im Haus.
-Einfach verglaste Fenster.
-Die Heizkörper in der Mitte des Hauses anstatt unter den Fenstern.
-Steckdosen und Lichtschalter noch original aus Porzellan (das war schon antik, ihr kennt vielleicht noch die Drehschalter?)
-Nur eine Steckdose pro Raum
-Immerhin eine nur 11 Jahre alte Gasheizung mit einem absurd hohem Zählerstand auf dem Gaszähler.
-Schimmel in der Eingangstür

Die Kombination aus all dem ergibt dann in meine Phantasie ein Haus mit zwei alten, geizigen Damen die niemals heizen, dafür aber ständig irgendwas ein- und kochen und sich so Schimmel und Pilze ins Haus holen.

Das muss sehr kalt gewesen sein letzten Winter. Einfachverglaste Fenster, brrrrrrrrr.

Das ist alles nicht so das wahre für mich. Bevor ich auch nur nachdenke, mich für die nächsten 30 Jahre zu verschulden, dann wenigstens für ein Haus mit genügend Steckdosen.

So war die Besichtigung ganz nett, immerhin sieht man so, wie die Nachbarn so wohnen.

Ach ja, für das Haus wollen sie immer noch 200.000 Euro. Ich verlinke das Expose jetzt nicht, die schicken mir sonst eine Abmahnung, das kann ich mir nicht leisten.

 

6 comments

  1. jet says:

    200 hört sich erst mal gut an für HH, es gibt auch welche aus den 60 er dir laufend modernisiert wurden für ca. 330 in der Nähe lt. einem Internetportal, aber das ist wohl wg. Finanzierung schon ein langfristiges Problem, muß gut überlegt sein, auch wenn die Miete ggf. gleich hoch wie Raten sind.

    Lotto + Barzahlung, das ist es.

  2. Knud says:

    Die 200.000,- sind wahrscheinlich der Grundstückspreis. Solche Häuser werden meistens abgerissen, weil ein Neubau wirtschaftlicher als die Sanierung ist.

  3. Christine says:

    Tja, müsst Ihr hier her kommen! Hier kriegt man das für die Hälfte. Inklusive DDR-Leitungen. Mit Asbest. Ohne Steckdosen. Und wer freundlich ablehnt, wird als blöder Yuppy bezeichnet.

  4. ToWi says:

    Jup, klingt nach dem Grundstückspreis.
    Und da dazu nix im Text steht, kann man auch nicht wirklich sagen, ob das angemessen oder nicht war. :-)

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