Ey sag mal, wo buche ich die billigsten Flüge?

Meine Lieblingsfrage. Höre ich zur Zeit wieder häufiger. Egal ob im Bekanntenkreis, bei digitalen-Irgendwas Treffen, im Gespräch mit der Familie, beim Mittagessentreffen, ja verdammt, selbst in cold-calls von Headhunter werde ich das gefragt.

„Wo kann ich richtig billig Flüge buchen? Du kennst dich doch aus, du machst das den ganzen Tag.“

Burros for a spin

Foto: Burros for a spin by digiyesica with Some rights reserved.

Wollt ihr wirklich wissen, wo und wie ihr richtig billige Flüge buchen könnt? Ja?

Die Antwort ist ganz einfach: GAR NICHT.

Es gibt keine Möglichkeit DEN billigsten Flug zu buchen.

Das wolltet ihr nicht hören, was? Aber leider ist es wahr.

Das liegt an ungefähr vier Millionen Details, intransparenter Preisgestaltung und Technik aus den 70er, die im Internet eigentlich gar nicht funktioniert. Fragt nicht nach Details, ich rede euch sonst eine blutige Frikadelle ans Ohr und das sieht dann nicht hübsch aus.

Es gibt aber ein paar Anfängerfehler, die euch die Suche nach guten Preisen erschweren. Kann man vermeiden, hilft ein wenig.

1. IMMER in die Buchung einsteigen und den Preis IMMER erst kurz vor Ende der Buchungsstrecke abfragen. Ihr seht im Internet auf Suchergebnissseiten nur Quatsch-Preise, da teilweise aus dem Cache.
Erst wenn ihr in die Buchung einsteigt UND die Service-, Toiletten-, Kreditkartengebühr und Steuer zum Preis addiert wird, habt ihr eine Zahl mit der ihr rechnen könnt.

1.1 So früh wie möglich buchen. Einige Monate im voraus senken den Preis erheblich. Wenn der Flug relativ kurzfristig stattfinden soll (innerhalb 30 Tage), ist es eh egal.

2. Nicht nur Fluggesellschaften ändern tausendfach am Tag ihre Preise, auch die Reisebüros ändern regelmässig ihre Vermittlungsgebühren. Regelmässiges Suchen ist angesagt, wenn es um jeden Euro geht.

3. Sobald ein Flug etwas komplizierter (Gabelflüge, Übergepäck, Sonderwünsche, Flexible Tarife, etc.) wird – vergesst das Internet. Echt jetzt. Funktioniert nicht. Aus Gründen. Geht ins Reisebüro. Anschliessend in ein zweite Reisebüro. Das ganze Reisegelöt im Internet ist bei komplizierteren Anfragen überfordert.

4. Im sensationelle Buch „Das Tomatensaft-Mysterium: Fliegen in der Comedy Class“ von Thomas Hermanns steht ein unglaublich wahrer Satz. Sinngemäß: „verschwenden Sie keine Zeit. Ich rufe im Reisebüro an, schreie meinen Flugwunsch ins Telefon und lege sofort wieder auf“. Das stimmt. Vollkommen.

Es schmerzt, wenn ich Bekannten zusehe, wie sie stundenlang, tagelang nach einem verdammten Flug suchen um zehn, vielleicht zwanzig Euro zu sparen. Im Ernst? Was soll das? Who cares? Ich buche den Flug, zahle zehn Euro mehr, spare ca. fünf Stunden Aufwand und mache anschliessend irgend etwas sinnvolles.

Denn: Der Zeitaufwand ist einfach sinnlos. Es gibt den billigsten Flug nicht.
Es gibt nur im Moment nicht ganz so teure Flüge.

Wer immer voll in die Buchung einsteigt, sich ein paar Notizen macht und die üblichen großen und kleinen Webseiten abfragt UND berücksichtigt, wie man vom Flughafen zum eigentlichen Reiseziel kommt und auch mal in einem Reisebüro anruft, findet relativ schnell einen Preis, der ok ist. Dann muss man aber auch aufhören, denn am nächsten Tag fängt man damit im Prinzip wieder bei Null an. Und das will man eigentlich nicht, oder?

Zum Schluss noch ein paar Buzzwords für Google:
Business / Economy, Vorzugspreise, Studententarife, Military Tarife, Seemannstarife, Kinder- und Jugendtarife, Seniorentarife, Ehegatten und Familien, „Ethnic groups“, Rebates, Incentives, Boni, Skonti, Negotiated Rates, Published Fares, Bulk Deals, Preisbünde, Gebühren, Steuern, Transaction Fees

7 comments

  1. „Es schmerzt, wenn ich Bekannten zusehe, wie sie stundenlang, tagelang nach einem verdammten Flug suchen um zehn, vielleicht zwanzig Euro zu sparen. Im Ernst? Was soll das?“

    Antwort: Manchen Menschen gibt es einen Kick. Mir beispielsweise. Es ist eine Art Hobby. Und ein wenig ist es auch Fernweh, Reiselust gepaart mit der Faszination des Fliegens.

    Einfach beim Reisebüro anzurufen und die das alles regeln zu lassen, wäre mir schlicht zu langweilig. ;)

  2. Kiki says:

    Amen. Wobei Reisebüros ja auch so etwas wie eine aussterbende Art sind. Vor noch zehn Jahren gab es in Blankenese mindestens fünf Stück, fast so viele wie Apotheken, Brillen- und Teppichhandlungen. In diesem Pupskaff! Und alle waren gut besucht. Dann kam das Netz und jetzt sind es, glaube ich, noch zwei – und eines davon ist de facto unsichtbar, weil aus der 1A Lage an der Elbchaussee auf irgend einen Hinterhof gezogen.

    Warum Leute, die ja in aller Regel einem Job nachgehen der mehr als 10€/Std einbringt, Tage ihres Lebens mit der Suche nach einem Flug verbringen, der schon wieder teurer ist wenn man das Anmeldeformular des zwielichten Portals ausgefüllt hat und die Seite neu lädt? Ein Mysterium, wie das des Tomatensafts im Flieger.

    • Der Witz ist aber, das erstaunlich viel Flugkram im Internet gar nicht funktioniert.
      Der Kenner sieht und wundert sich (nicht), dass fast alle großen Flugseiten in ihren Suchergebnissen! Werbung für Mitbewerber schalten!!
      Unvorstellbar in allen anderen Branchen.
      Und die wissen, warum.

    • Rail&Fly funktioniert auch so gut wie nie im Internet.
      Eine große Asiatische Airline fliegt viel ab Frankfurt und bietet kostenlose Bahntickets dorthin an.

      Witzigerweise nimmt diese große Airline auch gleich einen ca. 50€ Zuschlag, wenn man von HAM oder DUS anstatt FRA fliegt.

      All das ist im Internet gar nicht sichtbar.
      Im Gegenteil. Im Netz ist der Flug quasi immer teuer.

  3. D. Hirschburg says:

    Ich sehe das genauso wie ihr. Im Internet gibt es nicht den billigsten Flug und ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, warum man so viel Zeit für die Recherche investiert.

    Im Urlaub selbst gibt man eh so viel Geld aus, dass +/- 20 € auch keinen großen Unterschied machen. Die Zeit dann lieber nutzen und ein paar Überstunden erarbeiten. So spart man sich den Recherchestress und nimmt auch noch Geld für die Reise ein. ;-)

    Viele Grüße
    Daniela

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