Landgericht Hamburg vs. Berlin

Dass war es dann mit der Foren-Kultur in Deutschland. Da wird, falls es bei diesem Urteil des Landgericht Hamburg bleibt, ein nicht unerheblicher Teil des Internets in Deutschland zukünftig massiv eingeschränkt.

Heute wurde das Urteil zum Heise Foren Prozess veröffentlicht.
Aus dem Heise-Artikel:
„… Demnach handelt es sich bei Webforen um eine „besonders gefährliche Einrichtung“. Derjenige, der eine solche Gefahrenquelle betreibe, sei einer verschärften Haftung unterworfen … Das Bereithalten von Internetforen stelle eine Form unternehmerischen Betriebs dar. Der Betreiber müsse sein Unternehmen so einrichten, dass er mit seinen sachlichen und personellen Ressourcen in der Lage sei, diesen Geschäftsbetrieb zu beherrschen …um diese Einträge vor ihrer Freischaltung einer Prüfung auf ihre Rechtmäßigkeit zu unterziehen, dann muss sie entweder ihre Mittel vergrößern oder den Umfang ihres Betriebs [ …] beschränken …“

Das entsprechende Artikelforum kocht auch bereits über.

In persönlich lese nur wenige Foren, wenn dann aus beruflichen Gründen oder falls irgendwelche Hardware nicht funktioniert und man bei der Fehlersuche auf Hilfe angewiesen ist. An erster Stelle steht das Flashforum, wie oft wurde mir hier schon geholfen, dann folgt auch gleich typo3.net und diverse Linuxforen wenn ich mal wieder mit putty nicht klar komme. Auch mein schicker, kleiner Daytrek 2500 Router würde ohne Hansenetuser-Forenhilfe nicht am Hansenet DSL funktionieren.
Foren haben mir viele Kosten, Ärger und stundenlange Fehlersuche erspart, für solche Hilfen liebe ich das Internet und bin wirklich dankbar dass sich jemand diese Art der Kommunikation hat einfallen lassen.

Ich bin gespannt wie sich die Foren ändern werden. Aufgrund dieses Urteils muss es in Deutschland anders werden. Es wird dann keine schnellen Antworten auf gestellte Fragen geben, es muss ja immer ein Moderator mitlesen und den Beitrag Freischalten.
Es wird keine stumpfsinnigen Threads mit hunderten Einträgen geben, solche Plauderecken die sich manchmal wie ein Gespräch am Kneipentisch anfühlten, wer soll das alles kontrollieren? Vor allem, wer lässt sich beim Schnacken über Gott und die Welt schon gerne moderieren? Ein Moderator am Kneipentisch? Komische Vorstellung.
Die ganzen Hobby- Freizeit Forenbetreiber zu speziellen Themen und besonderer Hardware werden sich auch überlegen ob sie alles moderieren möchten oder lieber gleich dicht machen.

Im Rest der Welt funktioniert das alles weiterhin ganz wunderbar, zukünftig werden sich die Taubenzüchter auf englischen Boards über Zuchterfolge und Flugrouten austauschen müssen.

Ich frage mich natürlich auch ob das Urteil Auswirkungen auf mein kleines Blog hat. Rein technisch gesehen unterscheiden sich die Kommentare nicht wirklich von einem Forum, die Darstellung der Beiträge ist anders und sind jeweils einem einzelnen Artikel, nicht innerhalb eines Themas zugeordnet, aber ich ahne bereits dass dieser feine Unterschied einen motivierten Anwalt nicht daran hindert mich bezüglich des Heise-Foren Urteils abzumahnen.

Dazu kommen dann noch die Kunden, es gibt ja im A-Leben auch Kunden mit Foren. Die müssen fast alle geändert werden, Moderationsschleifen müssen her, ein Moderator muss installiert werden und es darf bezweifelt werden dass ein typischer Mittelständler Kapazitäten und Verständnis für dieses Internet- Foren- Moderations- Dings mitbringt, ist ja erstmal mit Mehrkosten verbunden und da verschwindet auch eine weitere Möglichkeit gezielt auf Probleme von Kunden einzugehen und sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Genug rumgeheult. Es geht ja um Landgericht Hamburg vs. Berlin.
Beim googeln nach Landgericht Berlin finde ich auch ein paar Urteile bezüglich Foren, kann Leser ja nachlesen, allerdings haben diese bei weitem nicht solche gravierende Ausmaße wie das Urteil des Landgericht Hamburg.

Daher gehen die Punkte nach Berlin.

Web-Diskussionsforen, laut Wikipedia seit ca. 1995 (Usenet seit 1979, BBS seit 1978) sind für die meisten User ein Grundbestandteil des Internets, neben E-Mail und Webseiten.
Schade dass es so kommen musste und Deutschland sich in diesbezüglich in eine Moderations-Steinzeit verabschiedet.

Landgericht Hamburg vs. Berlin 0:10.000

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