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Was sie schon immer über ihre Heizung wissen wollten.

Eines der zur Zeit schönsten Themen mit Diskussionsbedarf in unserem Haushalt ist alles rund um die HEIZUNG.

Genauer gesagt ist das Thema HEIZUNG eine dieser spannenden Mischungen aus Heizung-einstellen, Heizkosten-sparen, Gemütlichkeit und Ich-mache-das-aber-so-Punkt-keine-Diskussion.

Da ich mich, aus Gründen, zur Zeit viel mit dem Themenkomplex HEIZUNG beschäftige und im Zuge dessen einiges gelernt habe, teile ich das Erlernte hier, damit auch sie entspannt in der Familie über Heizkosten klugscheißen diskutieren können.

Was sie noch nicht über ihre Heizung wussten

Darum geht es. Das Thermostat. So oder ähnlich sieht das bei Ihnen aus.

Quelle: Anleitung Oventrop Thermostat „Uni LH“. Mit freundlicher Genehmigung der Firma Oventrop
Quelle: Anleitung Oventrop Thermostat „Uni LH“. Mit freundlicher Genehmigung der Firma Oventrop

Auf den meisten Thermostaten stehen Zahlen, von 0 – 5. Diese Zahlen stehen für eine Temperatur.

Man stellt das Thermostat nicht auf DREI, man stellt das Thermostat auf 20 Grad.

Wie jetzt? Die Zahlen auf dem Ding, dass sie drehen können sind eine Temperatur?

Genau. Das ist kein Wasserhahn, den sie viel oder wenig öffnen, das ist IMMER eine Temperatur.

  • * = 7 Grad
  • 1 = 12 Grad
  • 2 = 16 Grad
  • 3 = 20 Grad
  • 4 = 24 Grad
  • 5 = 28 Grad

Im Bild sieht man sehr gut, dass für den Wohnbereich eigentlich alles zwischen zweieinhalb und dreieinhalb passiert.

Aus dem Grund sind auf vielen Thermostaten heutzutage solche Punkte bei zweieinhalb und dreieinhalb.

Mit freundlicher Genehmigung der Firma Oventrop
Quelle: Anleitung Oventrop Thermostat „Uni LH“. Mit freundlicher Genehmigung der Firma Oventrop

Früher war angeblich direkt die Temperatur angegeben, aber da die Raumtemperatur, je nach baulicher Situation, sehr unterschiedlich ausfallen kann, wurde das von einer Temperatur auf einfache Zahlen geändert, um Verwirrungen zu vermeiden.

Das war, meiner Meinung nach, eine extrem blöde Idee, denn wer versteht das schon?

Die Zahl steht für eine Temperatur und nicht für „viel oder wenig auf“

Ein wundervoller Irrglaube ist das „ist stelle auf FÜNF“, dann ist viel auf, ich stelle auf ZWEI, dann ist wenig auf.

Das ist totaler Quatsch. Wenn es kalt ist und sie drehen das Thermostat auf, dann ist es eben auf, egal ob auf fünf oder auf zwei. Das Ding kann nur AUF UND ZU. Es gibt kein viel oder wenig auf.

Wenn man das Thermostat auf VIER stellt, dann heizt die Heizung LÄNGER, eben so lange, bis es 24 Grad warm ist (länger heizen wird weiter unten nochmal wichtig).

Eine hohe Zahl bedeutet beim Thermostat eine höhere Temperatur und das bedeutet im Prinzip: „länger auf“ oder „lass länger heißes Wasser durch den Heizkörper laufen“.

Heizkörper können nur Hahn auf- und zu

Im Prinzip macht der Heizkörper nur das: Hahn auf und Hahn zu. Mehr als heißes Wasser reinlassen und eben kein heißes Wasser reinlassen kann ein Heizkörper nicht.

Je nachdem, auf welcher Zahl das Thermostat steht, lässt der Heizkörper den Hahn so lange auf, bis das Temperaturdingens im Thermostat sagt „Stop, jetzt ist es warm genug, ich mache den Hahn zu, ich brauche kein heißes Wasser mehr“.

Von wegen an- und aus. Der Heizkörper ist doch lauwarm? Der geht ja doch nur ein bißchen auf!

Das Termostatdingens lässt solange heißes Wasser in die Heizung, bis die eingestellte Temperatur um ca. 0,2 überschritten wurde. Steht das Ding auf DREI und das Thermostat misst ca 20,2 Grad, dann schließt das Ventil (das variiert allerdings, je nach Modell, Hersteller, etc).

Anschließend wartet das Thermostat solange, bis die eingestellte Temperatur um ca 0,2 Grad unterschritten wird und öffnet bei ca. 19,8 Grad das Ventil wieder.

In dieser Wartezeit kühlt der Heizkörper etwas aus, er wird „lauwarm“.

Details dazu werden dann allerdings schnell speziell, wer will, sucht in Google nach „Zweipunktregler“ und „Hysterese“.

Die ewige Heizung-ganz-aus und Heizung-niemals-ausstellen Diskussion

Alles folgende ist extrem vereinfacht, aber weiterhin prinzipiell korrekt. Fachleute sollten das aber trotzdem nicht lesen, denn es ist sehr ungenau.

Zusätzlich gilt das nur für bewohnte Räume, also für Zimmer und Teile der Wohnung, in der sie sich auch tatsächlich aufhalten. Die weiter unten genannten Kommentare haben recht, wenn sie sagen, dass Heizung aus am meisten Geld spart.

Wenn ich das Thermostat also auf die DREI stelle und nichts mehr ändere, dann heizt der Heizkörper immer nur um diese 0,4 Grad herum.

Heizungkörper an -> 20,2 Grad, Heizungkörper aus -> 19,8 Grad -> Heizungkörper an -> 20,2 Grad, Heizungkörper aus -> 19,8 Grad -> Heizungkörper an -> 20,2 Grad, Heizungkörper aus -> 19,8 Grad u.s.w.

Auch ohne große mathematische Kenntnisse sieht man, dass immer nur in einem kleinen Temperaturfenster geheizt wird, eben die erwähnten 0,4 Grad.

Wenn ich, im Glauben damit Energie zu sparen, die Heizung auf Null stelle und dann, wenn ich es warm haben will, wieder aufdrehe, verbrauche ich ein VIELFACHES mehr an Geld und Energie, um den Raum wieder auf Temperatur zu bringen.

Ich gestehe, es gibt in unserer Familie regelmäßig heiße Diskussionen zu genau diesem Punkt.

Darum male ich das auf, evtl wird es dann verständlicher.

Wenn ich die Heizung auf DREI Stelle und mich nie wieder darum kümmer, passiert im Idealfall folgendes:

Heißes Wasser rein, bis es warm genug ist, dann kühlt das ab, bis es zu kalt wird, dann wieder warmes Wasser ein, etc. Steht bereits weiter oben beschrieben, die Heizung muss nur die Raumtemperatur halten.

Völlig anders sieht das aus, wenn man die Heizung über Nacht, oder am Tage, wenn man nicht da ist, auf Null stellt und den Raum auskühlen lässt. Dann muss die Heizung viel länger heißes Wasser durch den Heizkörper fließen lassen um die gewünschte Temperatur zu erreichen.

Je länger die Heizung heizen muss, desto teurer wird der Spaß im Endeffekt. Falls sie meiner extrem ungenauen Zeichnung immer noch nicht glauben, ich habe die „Heizung AN“ Momente ausgeschnitten. Im direkten Vergleich sieht man dann tatsächlich, dass es schlicht mehr Geld kostet und erheblich mehr Energie verbraucht, wenn man die Heizung ausschaltet und die Räume auskühlen lässt.

Im unteren Fall wird länger geheizt. Große Temperaturschwankungen zu überwinden kosten leider mehr Geld als nur die Temperatur zu halten. Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber es stimmt. In den meisten Fällen ist ein Ausschalten der Heizung teuer, als sie konstant weiterlaufen zu lassen.

Mir hat das geholfen. Ich habe, nach einigen Monaten, endlich verstanden, warum der eine Heizungsmensch zu uns sagte:

Sie sind jetzt Hausbesitzer, sie dürfen die Heizung eigentlich nie wieder ausschalten.

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18 comments

  1. Christian Baumann says:

    Das habe ich schon des Öfteren versucht meiner Frau zu erklären… keine Chance.

    Danke für die anschauliche Darstellung!

  2. Marcel Mohr says:

    Guter Artikel, aber der letzte Abschnitt ist falsch:
    Es ist nicht günstiger, die Heizung immer laufen zu lassen.

    Zwischen Innenraum und Außenwelt ist ein Temperaturgradient, je größer dieser ist, umso mehr Energie wird benötigt. Hier ist ein linearer Zusammenhang.
    Und das gilt immer.
    Diesem Gradienten steht die Wärmeleitung, bzw. Isolation entgegen, hier kann man ansetzten.

    Die Wände „speichern“ die Wärme, und durch die geringe Wärmekapazität der Luft dauert es lange kalte Wände warm zu bekommen. Die Wärme wird aber nicht wirklich gespeichert, sondern die Wände geben sie an die Außenwelt ab. Und dieser Wärmeverlust muß ausgeglichen werden, durch ständiges Nachheizen der Heizkörper.

    Ist die Wand kalt dauert es auch wieder länger diese auf Temperatur zu bringen, und die Heizung läuft zu Beginn länger. Das ist was Sie beschreiben. Aber trotzdem
    spart Heizung aus Energie. IMMER !!!

    Bei Espressomaschinenbesitzern gibt es ähnliche wilde Theorien, ob es besser ist, diese auszuschalten oder immer anzulasse, weil das Aufheizen angeblich soviel Strom verbraucht: Kaffeemaschine aus spart Energie, IMMER!!

    Messung dazu: http://www.temesblog.blogspot.de/2007/10/247-vs-timer-use.html

    Letzten Endes ist Heizen immer ankämpfen gegen den Gradienten (Temperaturunterschied), je länger man kämpft umso mehr Energie wird benötigt.

    Grüße
    Marcel

  3. Elisa says:

    Solche Diskussionen muss mein Mann mit mir nicht führen. Wir heizen ausschließlich mit Holz und da ich es irgendwie nicht blicke mit dem Feuermachen, halte ich die Glut immer an :)

  4. @Marcel Mohr
    Danke für den Kommentar.
    Ja, das stimmt, was sie schreiben, allerding beziehe ich mich, und das häte ich erwähnen sollen, auf den Alltag, auf die zeit, in der man sich in der Wohnung aufhält.

    Da gibt es bei uns immer wieder die Idee, doch die Heizung runter zu drehen, solange es warm ist, um sie später dann, wenn es wieder kühler wird, erneut hoch zu drehen.

  5. Marcel Mohr says:

    Danke für die Aufklärung. Da bin ich ja beruhigt.
    Es klang etwas nach „Ich lasse immer die Heizung an, und spare Energie dabei.“ Und da wollte ich gegensteuern.

  6. Philipp says:

    Wie schon geschrieben, die letzten Bilder sind falsch. Du vergisst, die „AN“-Kästchen zu berücksichtigen, die im „Heizung-nie-aus“-Fall weiterlaufen, während im zweiten Fall der Raum bei ausgeschaltener Heizung auf 5°C auskühlt. Bis ein einigermaßen gedämmtes Zimmer von 20 auf 5 abkühlt, vergehen mehrere Tage, in denen die „Dauernd-AN“-Heizung ordentlich konsumiert.

  7. Mario says:

    Interessant wäre zu wissen, um wieviel Grad man optimalerweise die Temperatur senken sollte, wenn man Tagsüber nicht in der Wohnung ist bzw. wenn man das Wochenende nicht da ist, oder sogar 4 Wochen im Urlaub ist.

  8. S. says:

    Es wäre noch interessant zu wissen, ob das „immer an“ auch gilt, wenn man mal ne Viertelstunde durchlüftet. Meinem Eindruck nach wird dann nur aus dem Fenster geheizt, aber ich kann mich auch irren.

  9. Jrillmasda says:

    Der Part mit „Durchheizen ist billiger“ ist so nur für kurze Perioden zutreffend. Also sagen wir mal 2-3 Stunden.

    Die Darstellung mit dem Bild weiter oben ist übersichtlich aber … äh… falsch.
    Die Grafik ist so schlicht irreführend, weil sie den Vorteil des Absenkens nicht mit einrechnet. Das 2. Bild fängt z.b. mit dem AUFheizen des Raumes an, lässt also die vorher entstandene Ersparnis genau unbedrücksichtigt.

    So wie es jetzt dargestellt ist, beantwortet die Graphik die Frage: Was kostet mehr, einen kalten Raum aufheizen oder in einem warmen Raum die Temperatur halten? Ja klar, dann ist Temperatur halten natürlich billiger… Denn dafür, dass der Raum WARM ist hat man ja VORHER bezahlt.

    Die Frage ob es günstiger ist den Raum abkühlen zu lassen und später wieder aufzuheizen beantwortet die Graphik keineswegs. (es sei denn ich verstehe die Graphik nicht richtig)

    Unberücksichtigt belibt auch ein anderer Faktor (es beliben viele unberücksichtigt aber einer ist noch besonders wichtig:)
    Die Wände des Raumes sind eine Wäremeloch. Da geht Wärme raus und die Heizung schiebt Wärme nach um den Verlust auszugleichen.

    Problematisch ist vor allem, dass die „grösse“ des Loches um so grösser ist je höher die Temperaturdiffenrenz ist. D.H. ein Raum der 25 Grad warm ist verliert viel mehr an Wärme in einer Stunde als ein Raum der nur 18 oder gar 12 Grad warm ist. (bei gleicher Aussentemperatur)

    Schon alleine deswegen ist es über ein grösseres Intervall der Wärmeverlust eines Raums der warm gehalten wird viel höher als der eines kalten Raumes.

    Es mag sein, dass die notwendige Periode die nicht geheizt werden muss, um das aufheizen wett zu machen für den praktischen Betrieb zu kurz ist (also sagen wir mal … unter 5-6 Stunden) aber das hängt sehr stark von diversen Randparametern ab und müsste einzeln nachgemessen werden. Ich denke das für praktische Belange der Wert irgendwo zwischen 3-8 Stunden liegt. Je neuer und besser isoliert das Haus des do länger, bei schlecht isolierten Altbauten lohnt sich das abschalten eigentlich … immer.

  10. Maria says:

    Ach…. wie denn jetzt?? Jetzt verstehe ich gar nix mehr!! Ich lasse es jetzt mal, wie es immer war, d.h., Heizung an auf drei.

  11. Thomas S. says:

    Bei einer Herdplatte ist es übrigens genauso. Und mit liebenswerter Konsequenz stellt meine Frau den Herd IMMER erst mal auf 10, „damit die Platte schneller heiß wird“. Nix zu machen, liegt wohl in den Genen.

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