NEHMEN SIE DIE HAND VOM ZUG ist das neue Zurückbleiben bitte

Seit heute fällt in Hamburg das „Zurückbleiben bitte“ weg. Mir persönlich ist das ziemlich egal, ich bin glücklicherweise mit ausreichend Rest-Intelligenz ausgestattet, um den Prozess des
piep piep piep – Tür geht zu – Oh, jetzt kann ich nicht mehr einsteigen, schließlich ist die Tür zu, na egal, dann warte ich auf die nächste Bahn, die kommt gleich zu verstehen.

Andere Leute finden das irgendwie nicht so gut, lesenswert macht das Isa und sicherlich wird der Volksmund zum Thema noch etliche Seiten in der Mopo und im Abendblatt das Thema diskutieren.

Heute Morgen, gleich am ersten Tag des „mit ohne Zurückbleiben“, durfte ich beobachten, wie schwierig das mit dem Einsteigen in die U-Bahn für manche Menschen doch ist.

Es piept, die Tür geht zu, und ein penetranter Herr, Modell ICH HABE IMMER RECHT UND IHR KEINE AHNUNG, die mit dem gekämmten Scheitel und so, so einer steht an der Bahn und hält seine Hand an die Tür.

Mehr nicht, er steht da und hält seine Hand von außen an die Tür.

Was ich bis heute Morgen noch nicht wusste war, dass man damit den gesamten Zug aufhält.

Wenn sie ihre Hand von außen an die U-Bahn legen, dann sagt die oder der Zugfahrer „NEHMEN SIE DIE HAND DA WEG, DER ZUG FÄHRT ERST LOS WENN …..„. Das passierte auch einige Male, aber der Herr stand trotzdem weiter seelenruhig an der verschlossenen U-Bahn Tür und sah zu, wie der Mob im inneren der Bahn kurz vorm Scheibe einschlagen war um ihm eine zu zimmern.

Ja, das war eindeutig zu viel Kino am frühen Morgen, aber eine Bestätigung für meine „die meisten Leute sind zu bekloppt um U-Bahn zu fahren“ Theorie, die ich auch im Beruf, im Zusammenhang mit User Experience und Webseitenoptimierungen gerne anführe.
Was wir den Leuten da alles zumuten, es ist ein Drama. Die gleichen Leute, die Rolltreppen und Ein- und Aussteigen aus der U-Bahn nicht verstehen sollen plötzlich alles auf einer Webseite verstehen, aber das ist eine andere Geschichte.

Wichtig ist:
Zurückbleiben gilt auch für Hände, denn damit halten sie den gesamten Bahnverkehr auf.

PS: Ich finde U-Bahnfahren ohne „Zurückbleiben bitte“ eigentlich extrem viel höflicher. Ernsthaft, wer will schon zurückbleiben? Eben, ich will das nicht.

3 comments

  1. Andrea says:

    Vielen Dank, hab sehr gelacht!
    Und der Modellherr erst… Schade um das schöne „rügbleim“, aber in Berlin kann man es ja noch öfter hören, falls Bedarf besteht ;-)
    Schönste Grüße in den Hohen Norden.

  2. Sebastian says:

    Was viel schlimmer ist, ist die akkustische Vergewaltigung der Fahrgäste !! (wie Mir)
    Ich fahre jeden Tag mit der U-Bahn (U2 und U1) 1 Stunde zur Arbeit und 1 Stunde wieder zurück.
    Pro Tour habe ich 26 Haltestellen zu überstehen. Bei durchschnittlich 4 bis 5 Piepen, macht das eine
    Anzahl von bis zu 130 Piepsen pro Fahrt. Also eine tägliche Ohren-Lärmbelästigung von bis zu 260 Piepsen.
    (Die Dezibel-Belastung müßte zusätzlich Ermittelt werden)

    Da ich in einem Handwerksbetrieb eines Nahversorgungszentrum(Einkaufspassage) arbeite, in dem beinhaltete Verköstigungsbetriebe Mittagstisch und andere Speisen anbieten, deren Fertigstellung durch weiteres Piepsen den jeweiligen Betreibern der Lokalitäten mitgeteilt werden, die durch die Passage hallen, habe ich auch dieses Gepiepse während meiner Arbeitszeit zu ertragen.

    Somit bin ich nunmehr während meines gesamten Arbeitstages den ohrenbetäubenden Piep-Frequenzen ausgesetzt und das vom Einstieg in die U-Bahn um 7.45h bis zur Ausstieg nach Feierabend um ca. 19.15h.

    Eine zeitliche Summen-Piepsbelastung von 11,5 Stunden.

    Es bleibt zu überlegen wieder auf das Auto umzusteigen oder ggf. mit Gehörschutz die U-Bahn zu benutzen um somit die Ohren zu entlasten. In meinem Falle um ganze zwei Stunden. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken, meine zukünftigen Ohrenarztrechnungen bei den genannten Verursachern einzureichen.
    Denn meine BerufsGenossenschaft wird sich sicher weigern entsprechende Schutz- und Heilmaßnahmen zu übernehmen und zu begleichen.

    Wichtiger wären verständliche Durchsagen und nicht dieses dämliche Piepen…

    • Danke für den Kommentar. Die „zeitliche Summen-Piepsbelastung“ ist ein Problem, denken Sie nur an das amerikanische Fernsehen. Was da alles gepiepst wird…

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