Über Fahrradstellplätze an den Schulen in Hamburg

HAMBURG WIRD KLIMASTADT steht im Internet. Es gibt eine Vision von Hamburg als „Stadt der Zukunft“, steht auch im Internet. Es gibt umfangreiche Berichte bzgl. Quartiersentwicklung radfahrfreundlich gestalten, schreibt die Bürgschaft selbst ins Internet.

Was es aber nicht gibt, sind Fahrradstellplätze.

Erstaunlich, aber im Detail überraschend kaputt.

Gestern habe ich im Elternrat gelernt, dass das Gymnasium von Kind 1 mit Fahrradstellplätzen ÜBERVERSORGT ist. Nicht nur zehn oder zwanzig, nein, es gab beim letzten Versuch, die Situation zu verbessern die Rückmeldung der Behörde, dass es ca. 100 Fahrradstellplätze zu viel gibt.

Das war kurz lustig, denn an der Schule ist jeden Tag, selbst bei Regen, die Situation an den Fahrradstellplätzen grenzwertig. Es gibt drastisch mehr Fahrräder als Platz, es ist ein totales Chaos, jeden Morgen und überdacht ist da gar nichts.

Kurz geschaut im Internet, warum Hamburg diesen preiswerten Klimaschutz nicht mitnimmt, immerhin muss da kein großer Bagger kommen, oder ob Klimaschutz eher als PR-Gag zu verstehen ist.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt FA 1/2013 – ABH Amt für Bauordnung und Hochbau schreibt in der Fachanweisung Notwendige Stellplätze und notwendige Fahrradplätze
FA 1/2013–ABH
, dass zehn Stellplätze pro Klasse am Gymnasium & Stadtteilschulen und sechs pro Klasse an der Grundschule ausreichend sind. Auf Grundlage dessen wurden auch die vorherigen Anfragen des Gymnasiums und auch der Grundschule damals abgelehnt.

Da habe ich laut gelacht, denn das reicht hinten und vorne nicht. Zehn Stellplätze pro Klasse – das ist lächerlich. Das Problem ist aber, dass jeder Versuch, mehr Fahrradstellplätze zu bekommen, an eben dieser Hürde scheitert. Wenn da steht, dass zehn pro Klasse ausreichen, dann werden auch nur zehn pro Klasse von der Behörde finanziert.

Aber.

Es gibt ein spannendes Detail. Die Fachanweisung Notwendige Stellplätze und notwendige Fahrradplätze FA 1/2013–ABH hat eine Geltungsdauer und die endete zum 06.06.2021

Das vermeldet die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen unter Fachanweisungen mit dem Hinweis:

Die Nachfolgeregelung für die am 06.06.2021 außer Kraft getretene Fachanweisung „Notwendige Stellplätze und notwendige Fahrradplätze“ befindet sich noch in der Abstimmung. Für die Übergangszeit bis zur Veröffentlichung der Nachfolgeregelung wird empfohlen, die unbestimmten Rechtsbegriffe des § 48 Hamburgische Bauordnung zur Ermittlung des notwendigen Stellplatz- und Fahrradplatzbedarfes auf Grundlage der außer Kraft getretenen Fachanweisung auszulegen.

https://www.hamburg.de/baugenehmigung/152948/start-fachanweisungen-bau/

Aha. Die Regel gilt also gar nicht mehr?

Ich schaue also in § 48 Hamburgische Bauordnung nach. Die findet man bei den Vorschriften zum Bauordnungsrecht.

… Ihre Zahl und Größe richtet sich nach Art und Zahl der vorhandenen und zu erwartenden Kraftfahrzeuge und Fahrräder der ständigen Benutzerinnen und Benutzer und Besucherinnen und Besucher der Anlagen. …

https://www.landesrecht-hamburg.de/bsha/document/jlr-BauOHA2005V8P48

Guck an, mein naives Paragrafenwissen liest dort, dass die Schulen eigentlich so viele Fahrradstellplätze beantragen und bekommen müssten, wie benötigt sind.

Können dann jetzt sämtliche Schulen loslaufen und endlich mehr Fahrradstellplätze beantragen? Denn mehr Fahrräder erfordern auch mehr entsprechende Infrastruktur, dies hat, halten sie sich fest, sogar die CDU erkannt und deren Große Anfrage zur Verbesserung der Fahrradmobilität von Schülerinnen und Schülern 22/2692 listet in der Antwort säuberlich alle Schulen und deren Stellplätze in Hamburg auf.

Keine einzige Schule in Hamburg hat auch nur annähernd so viele Stellplätze wie Schüler – überdacht sind nur ein winziger Bruchteil.

Da geht also was, soweit ich das als Laie verstehe.

Wem muss ich jetzt täglich Anfragen schicken, dass man überdachte Stellplätze für alle Schüler baut? Die kosten nicht viel, lassen sich schnell fertigstellen und bieten sofort Mehrwert.

Und warum sind die nicht überall Standard?

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Mit dem Rad zur Arbeit – Teil sieben

6 Gedanken zu „Über Fahrradstellplätze an den Schulen in Hamburg“

  1. 10 Stellplätze pro Klasse kommen mir extrem viel vor. Wenn man von 30 Schülern pro Klasse ausgeht (ist das realistisch?), hätte ich erwartet, dass mindestens ein Drittel mit Öffis kommt, weil von weiter weg, und ein Drittel so nah dran wohnt, dass es zu Fuß geht. Dann noch die ganzen (Tret)Roller, die zumindest in den unteren Klassen das Transportmittel der Wahl sind, und schließlich die sprichwörtlichen Muttitaxis der Helikoptereltern. In wohlhabenderen Lagen scheint es auch schick zu sein, mit dem Leih-E-Roller (Tier & Co.) zur Schule zu brausen. Dass da noch mehr als ein Drittel der Schüler übrig bleiben, die klassisch per Rad zur Schule kommen, finde ich erstaunlich.

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    • Putzige Schätzungen. Meinem Eindruck nach, variiert das massiv, sowohl bei unterschiedlichen Klassenstufen, als auch nach Ort, denn Eimsbüttel, Langenhorn und Tangstedt sind halt alle doch unterschiedlich.

      Wäre also wohl besser, das nicht zu sehr an Ihren und meinen Vermutungen zu orientieren, sondern an dem tatsächlichen Bedarf vor Ort.

  2. Klar, mir ging es auch nicht darum, meine Vermutung zur Richtschnur für die Schulverwaltung zu machen. Wenn Stellplätze fehlen, sollten welche bereitgestellt werden. Wollte nur mein Erstaunen über die hohe Fahrradquote zum Ausdruck bringen. Deckt sich nicht mit meiner Wahrnehmung aus Eppendorf oder Winterhude. Aber diese Wahrnehmung ist sicher nicht für ganz HH repräsentativ.

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