Fußgängerampeln und Kinder auf Rädern

Beinahe jeden Tag erscheint in meinem Twitter, Facebook und sonstigen digitalen Gewässern, in die ich meine Lese-Angel werde, irgendetwas mit verunfallten Kindern auf Rädern. Aktuell zweimal in Hamburg Zwei schwer verletzte Kinder nach Verkehrsunfällen in Hamburg-Wandsbek und Hamburg-Lohbrügge.

Meistens, so wie hier, ist ein Kind aufm Rad unterwegs und wird an einer Ampel (Fußgänger- oder normale Ampel, egal) von einem PKW oder LKW beim Abbiegen an- oder überfahren.

Anschließend gibt es jeweils große Aufregung im jeweiligen sozialen Netzwerk und viele Leute fordern, als Konsequenz aus den Unfällen, eine verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenten. Andere diskutieren die Kosten und normalerweise entgleitet die Diskussion irgendwann.

Was ich dann jedesmal nicht verstehe und mich staunen lässt.

Symbolbild mit Lübecker Hütchen
Symbolbild mit Lübecker Hütchen

Das ist eine dieser Sachen, über die ich mich quasi seit Jahrzehnten wundere und nicht verstehe, warum das nicht einfach wie folgt geändert wird.

Aktuell haben PKW/LKW und Fußgänger gleichzeitig grünes Signal an der Ampel.

Warum ändert man nicht die Ampelschaltung an kritischen Kreuzungen dahingehend, dass Fußgänger getrennt von den PKW grünes Signal bekommen?

Die Autos haben alle Rot und alle Fußgängerampeln zeigen grün, es gibt dann ein Rundumgrün für Fußgänger.

Hamburg hat aktuell ca 1.760 Ampeln, davon ca. 1.190 an Kreuzungen und bei allen diesen Ampeln kann man die Schaltung wahrscheinlich entsprechend ändern (falls die Richtlinien für Lichtsignalanlagen das hergibt, die Details kenne ich leider nicht, die Richtlinie ist nicht öffentlich).

Wäre das nicht deutlich, ja drastisch einfacher, als alle LKW mit Abbiegeassistenten auszustatten (Ich finde diese Forderung übrigens völlig unrealistisch)? Anders als Abbiegeassistenten erfordern neue Ampelschaltungen keine oder nur wenig neue Hardware denn das ist primär etwas, was mit Software geregelt wird.

Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege, aber generell glaube ich nicht, dass ein neues Tool (der Abbiegeassistenten) die Probleme komplett löst, ein neues Tool schafft erstmal nur neue Probleme und dann ist da immer noch der Mensch, der müde oder angetrunken oder volltrunken oder auf Droge oder Krank oder überarbeitet oder abgelenkt oder wütend oder alles auf einmal am Steuer sitzt und sich einen Scheiß um den Abbiegeassistenten schert. Wenn der LKW denn einen solchen Assistenten hat….

Wie man alle LKW umrüsten soll, die aus allen Ländern der EU, von Sizilien bis tiefstes Lappland, in Deutschland unterwegs sind, wird in den Diskussionen auch nie beantwortet und generell schreiben alle nur von LKW, aber was ist mit den PKWs? Die sind ja auch regelmäßig in Unfälle verwickelt und darüber schreibt niemand.

Aber die Ampelschaltungen sind alle schon da, an jeder einzelnen Ampel, die muss man nur ändern und schwupps, gibt es weniger Unfälle mehr beim Abbiegen zwischen PKW, LKW und Fahrrädern. Aber mich fragt ja niemand.

….

Nachtrag.

Natürlich gibt es dazu schon Studien und, Überraschung, die empfehlen das genau so, wie oben beschrieben…. Zu diesem Ergebnis kamen auch die Unfallforscher der Versicherer, die das „Rundum-Grün“ an unfallträchtigen Kreuzugungen empfehlen. Guck an.

Man könnte also sofort anfangen und die Gesamtsituation verbessern. Wenn nur der verkehrspolitische Wille da wäre.

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12 Gedanken zu “Fußgängerampeln und Kinder auf Rädern”

    • Zitat: „für Autofahrer verliert die Kreuzung an Leistungsfähigkeit,
      wenn Fußgänger diagonal kreuzen dürfen.“
      Das bedeutet aber mitnichten mehr Staus. Stauforschungen zeigen, dass nach einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit von Straßen eine kurze Erholung eintritt, danach die neuen Straßen genau so voll sind, weil mehr Leute diese Route nehmen. Die Leute wägen ab, wie lange sie im Stau stehen wollen/können oder ob sie die Öffis oder andere Routen nehmen.
      Umgekehrt golt das auch.

  1. So eine Ampelschaltung wäre natürlich ideal – obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wie das dann für den fließenden Verkehr funktionieren sollte.
    Es geht aber auch noch anders:
    Eine separate Ampel für Rechtsabbieger. So lange für die grün ist, haben Fußgänger und Radfahrer rot.

  2. Zitate aus der Studie: #
    „Global gesehen gibt es kaum Unterschiede in der Unfallbelastung
    der verschiedenen Kreuzungsarten. Da
    aber bei Diagonalgrün der Konflikt zwischen abbiegendem
    Pkw und Fußgänger fehlt, tauchen keine Abbiegeunfälle
    bei dieser Art der Kreuzungsgestaltung auf.“
    „Bei den Fahrradfahrern fehlt es hinsichtlich der roten Ampeln
    jedoch an einer konsequenten Verkehrsmoral, bei Diagonalgrün
    sogar noch häufiger als an normalen Kreuzungen.“
    „Radfahrer verleitet Diagonalgrün zu häufigeren Rotlichtverstößen.“

  3. Jep. Getrennte Ampelphasen. Und dazu an besonders gefährlichen Einmündungen Absperrgitter, durch die Fußgänger/Radfahrer „gezwungen“ werden, die Straße zehn Meter weiter hinten zu überqueren, um besser gesehen zu werden.

  4. Für Fußgänger und Radfahrer auf Gehweg ist das gut. Aber nicht für Radfahrer auf der Fahrbahn einschließlich Radfahrstreifen u. Schutzstreifen, wo sie eigentlich fahren sollen. Da bleibt wieder nur der Abbiegeassi, wobei ich die Bedenken (Mensch schaut oder eben nicht) teile.

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