Twitter im Theater #smwhh 2014

Liebes Thalia. Danke für den schönen Abend. Ein tolles Stück, ich hatte Spaß und werde wieder kommen.

Besonders dankbar bin ich für diesen Abend im Rahmen der Social Media Werk insbesondere aufgrund der Dinge, die fehlten. Es ging nicht um Datenschutz, es wurde nicht gejammert, was in Deutschland alles nicht geht und es gab nicht den Hauch von der sonst üblichen German Angst, die sich durch sehr viele Vorträge auf der smwhh zieht. Im Gegenteil. Bei euch war es entspannt, ihr habt etwas ausprobiert, geschaut, was passiert und darüber gesprochen. Das war toll. Danke dafür, so soll das auch sein im Theater.

Ich erlaube mir einige Anmerkungen zur dem Stück folgenden Twitter-Diskussion.

Eine Twitterwall auf der Bühne ist eine bescheuerte Idee.

Eine Twitterwall hinter den Diskussionsteilnehmern, im Rücken und ohne Monitor vor den Teilnehmern ist unfair.

Beides hat den Nachteil, dass nicht reagiert werden kann. Im Stück, und in Teilen auch in der Diskussion, ist kein Raum für ungefilterte DIGGER WAS FÜR EIN STUSS Meinungen aus dem Publikum.

Eine unmoderierte Twitterwall auf der Bühne wird nicht funktionieren, das wird mit Ansage, früher oder später mit Vollgas gegen die Wand fahren.

(das klingt jetzt nach Opa erklärt das Internet, aber leider gibt es einige Deppen da draußen, die solch nette, niedliche, unschuldige und auch naive Ideen mit einfachsten Mitteln desaströs stören konnen)

Mit ausgewählten Tweets ist das etwas anderes, ebenso wenn die Teilnehmer auch die Möglichkeit haben, die Twitterwall zu sehen. Sehen meint hier: nicht im Rücken.

Das sind Erfahrungen aus etlichen Jahren auf Konferenzen. Diese Erfahrungen kann man nochmal erleben, muss man aber nicht, denn eine Twitterwall auf der Bühne nervt in der Regel mehr als das sie Nutzen bietet.

Im Theater spielt der folgende Punkt mangels Reichweite und zumeist anzunehmender Intelligenz des Publikums (immerhin haben sie es ins Theater geschafft und hängen nicht bei Heinz und Inge im feuchten Eck an der Theke) eine untergeordnete Rolle:

Eine Twitterwall zeigt viel zu viel Meinung, die man manchmal eben nicht lesen will. Die Leute neigen dazu Dinge nicht so zu  verstehen, wie sie gedacht waren. Das machen sie oftmals in einem Ton, der eindeutig nicht auf die Bühne gehört. Auch darum ist eine Twitterwall suboptimal, denn wer will schon seitenweise PENIS PENIS PENIS PENIS PENIS PENIS PENIS lesen? Eben. Das nervt, auch wenn es nur diese wenigen im letzten Satz sind.

Ziemlich cool wäre eine Art Untertitel-wall. Ähnlich wie die Regie-Tonspur auf der DVD, mit Untertiteln. Wenn das Theater sich selbst auf der Bühne eine zweite Bühne schafft mit Anmerkungen wie

Was passiert gerade?
Verdammt, er hat den Text vergessen.
Jetzt sollte eigentlich die Pyro zünden.
Noch 5 Minuten.
An dieser Stelle haben wir lange gearbeitet, achten Sie auf xyz Dingenskirchen.
Wörtlich in Übersetzung verloren, lautet im Original xyz.
Und so weiter.

Denn genau das ist Twitter.
Eine Bühne. Aber es ist meine Bühne, mit meinen Followern/Zuschauern und meinem gewählten, öffentlichen Selbstbildnis.

Das gilt im Prinzip für alle auf Twitter, allerdings haben die meisten Leute dort ein sehr kleines Publikum, treten aber trotzdem wie auf, als ob sie auf der großen Bühne stehen und genau aus diesem Grund ist Twitter ziemlich gut.

Wenn ihr diese Bühne ins Theater hebt, es wäre mir eine Freude, dies miterleben zu können.

Danke nochmal, ich freue mich auf das nächste irgendwas mit irgendwie Online und Theater.

Denn da geht noch etwas, das Internet ist nicht wirklich Thema auf der Bühne.

Ich habe das eben in der Ubahn ins Handy getippt, der Text wird morgen noch hübsch gemacht.

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