Hamburg, 9. Mai 2026 – Direkt vor der eigenen Haustür hat Sven Dietrich, 50 Jahre, aus Hamburg-Meiendorf einen persönlichen Meilenstein erreicht: Auf dem Tacho seines E-Bikes standen exakt 12.345 Kilometer.
Der Moment kam unspektakulär, wie große Momente im Alltag eben manchmal kommen: auf dem Rückweg vom Hafengeburtstag Hamburg, von der U-Bahn Meiendorfer Weg, gemeinsam mit der Dame des Hauses und Kind 2. Kurz vor dem Abstellen des Fahrrads zeigte der Bordcomputer jene Zahl, die man eigentlich nur fotografieren muss, weil sie so schön aussieht: 12.345, ansonsten aber keinerlei Mehrwert bietet.
„Ich wusste gar nicht, dass das ein Ziel ist, bis es plötzlich da war“, sagt Sven Dietrich. „Als ich mit zwölf mein erstes, einfaches Rennrad bekam, waren 100 Kilometer eine unvorstellbar lange Strecke. Jetzt stehen 12.345 Kilometer auf dem Tacho. Mehr geht nicht. Also außer 22.222. Und vielleicht 33.333. Falls das Rad bis dahin noch mitmacht.“
Das betreffende Fahrrad ist ein Gazelle Vento C7 HMB, Modelljahr 2018, angeschafft im Frühjahr 2020, kurz vor dem ersten Corona-Lockdown. Ursprünglich war es als Jobrad zum Pendeln ins Büro gedacht. Dank Homeoffice und Lockdown haben wir das immerhin genau eine Woche lang gemacht.
Die Beziehung zum Rad beschreibt Dietrich als „heftige On-Off-Beziehung“. Einerseits liebt er das Rad, andererseits gab es über die Jahre immer wieder technische Probleme. Die ab Werk verbaute Magura-Bremse musste komplett getauscht werden, eine Felge wurde kaputt gebremst und ersetzt, die Federgabel federt inzwischen nicht mehr, der Motor klang zeitweise „wie eine Kaffeemühle“ und wurde durch ein Bosch Active Line Motor-Service-Kit wieder beruhigt. Lenkergriffe, Kette, Ritzel und perspektivisch auch die Batterie sind als nächstes dran.
Kritik richtet Dietrich dabei nicht nur an den Verschleiß selbst, sondern auch an die Ersatzteil- und Service-Situation bei Gazelle. Zwar betreibt Gazelle in Hamburg attraktive Markenläden, aus seiner Sicht fehlt dort jedoch eine praxistaugliche Unterstützung für Ersatzteile und Reparatur. Kundinnen und Kunden würden an reguläre Fahrradwerkstätten verwiesen, während diese in der Umgebung oft erst Termine in mehreren Monaten anbieten könnten.
„Das Recht auf Reparatur hat beim Fahrrad offenbar einen Bug“, so Dietrich. „Wenn ich keine Ersatzteile vom Hersteller bekomme und Werkstätten auf Monate ausgebucht sind, dann ist das halt suboptimal.“
Und trotzdem: Die Bilanz bleibt positiv.
Denn 12.345 Kilometer sind nicht nur eine hübsche Zahl auf einem kleinen Display. Sie sind auch ziemlich viel Bewegung. Bei leichtem Radfahren kommen grob gerechnet rund 297.000 verbrauchte Kilokalorien zusammen. Das entspricht ungefähr 41 Kilogramm Butter. Einer absurd großen Menge Butter, niemand weiß, wie so viel Butter auf einem Haufen aussieht.
Auch beim CO₂ wird es sensationell. Wären dieselben 12.345 Kilometer mit dem Familien eigenen Opel Zafira Benziner gefahren worden, lägen die Emissionen grob bei 2,2 Tonnen CO₂, auch hier kann sich niemand vorstellen, wie viel das eigentlich ist.
Seit Frühjahr 2020 bis Mai 2026 stecken in diesen 12.345 Kilometern überschlagen mehr als 800 Stunden Bewegung. Runtergebrochen auf die Nutzungszeit landet man ziemlich nah an der unteren Ende der WHO-Empfehlung für wöchentliche Bewegung.
Genau deshalb ist das Fahrrad das Verkehrsmittel der Zukunft.
„Ich liebe dieses Rad. Obwohl ständig irgendwas ist.“
Ob die Marke von 22.222 Kilometern erreicht wird, bleibt offen. Die Chancen stehen jedoch nicht schlecht. Vorausgesetzt, das Rad und der allgemeine Fahrradgott spielen mit.

