RMV im Lahn-Dill-Kreis: Warum RE30 und RE99 regelmäßig im Chaos enden

Hallo liebes Blog, ich bin wieder genervt.

Dieser Text dokumentiert meine Erfahrungen mit dem RMV, dem Nahverkehr im Lahn-Dill-Kreis sowie den Regionalzügen RE30 und RE99 am Karfreitag. Es geht um Überfüllung, Ausfälle, Verspätungen, zu kleine Kapazitäten und die Frage, warum der Erfolg des Deutschlandtickets im Alltag so schlecht abgefedert wird.

Ich schreibe hier ja inzwischen deutlich seltener als damals, als alles noch neu war und ich meinen Ärger einfach direkt ins Blog gekippt habe. Heute mache ich das wieder. Nicht aus Nostalgie. Sondern weil ich vom Nahverkehr in Hessen, vom RMV im Lahn-Dill-Kreis und von diesem ganzen überzüchteten Verbund- und Zuständigkeitszirkus-Kollektivversagen derart genervt bin, dass ich mich jetzt eben wieder ins Blog aufrege.

Mit maximal vielen Keywords. Damit bis zum Ende aller Tage bei Google, in irgendwelchen KI-Zusammenfassungen und in den Archiven dieses Netzes sichtbar bleibt, wie mies der RMV sein kann. Ja, der RMV, der Rhein-Main-Verkehrsverbund. Nahverkehr in Hessen. Lahn-Dill-Kreis. RE30. RE99. Überfüllung. Kapazitätsversagen. Deutschlandticket. Doppelstockzüge. Hessische Landesbahn. Verkehrsverbünde. Politikversagen. So. Bitte. Gerne.

Der Nahverkehr in Hessen ist ein Desaster

Der Punkt ist der: Der Nahverkehr in Hessen ist in seiner Struktur schon ein totales Desaster. Der RMV mit seinen drölfzig Betreibern, unsagbaren Tarif-Waben und Sonderlogiken, da bekommst du direkt die erste Krise. Ein unfassbar anstrengender Schwachsinn.

Dann kam das Deutschlandticket und das hat diesen kleingeistigen Wahnsinn der tausend Verkehrsverbünde und ihrer kleinen Fürstentümer aufgeräumt. Und das ist grandios. Endlich nicht mehr Tarif-Ticket-Ratespiel für jede Haltestelle. Einfach einsteigen und losfahren. Endlich weniger Quatsch. Welch eine Erleichterung!

Und genau hier wird es dann wieder absurd, denn die Spezialexperten beim RMV machen bei den Kapazitäten exakt da weiter, wo sie in ihrer Kleinstaaterei immer weitermachen wollten: Wir ändern nichts und wursteln einfach weiter.

RE30 und RE99: Im Lahn-Dill-Kreis ist Scheitern längst Routine

Gerade im Lahn-Dill-Kreis merkt man das besonders schön, wenn man regelmäßig RE30 und RE99 fährt. Da ist längst nicht mehr die Frage, ob mal was schiefgeht. Da ist die Frage nur noch, welche Form des Scheiterns heute dran ist.

  • Der Zug bleibt einfach stehen.
  • Der Zug wird gegen einen kleineren ausgetauscht und Hunderte bleiben einfach zurück.
  • Der Zug fällt in letzter Minute aus.
  • Der Zug hat absurde Verspätung.
  • Der Zug ist so voll, dass du nicht mehr reinkommst.
  • Der Zug stinkt wie eine Jauchegrube.
  • Der Zug hält an jeder Milchkanne und kommt nicht voran, weil er überfüllt ist.

Es ist regelmäßig unfassbar bescheuert.

Wir fahren die Strecke seit Jahrzehnten. Das hier war kein überraschender Ausreißer. Das war nur mal wieder eine besonders deutliche Erinnerung daran, wie kaputt dieses System inzwischen ist.

Osterchaos mit Ansage

Die Feiertage. Karfreitag. Ostermontag. Also exakt die Tage, an denen wirklich niemand überrascht sein darf, dass mehr Menschen unterwegs sind.

Familien mit Kindern. Ausflügler. Reisende mit ordentlich Gepäck. Leute mit Deutschlandticket und Leute, die offensichtlich nicht so oft Bahn fahren und mit allem völlig überfordert sind. Leute, die den Nahverkehr genau so benutzen, wie es sein soll.

An diesem Osterwochenende kam wirklich alles zusammen: weinende Kinder, streitende Familien, aggressive Stimmung im Wagen, überforderte ältere Reisende, unerträgliche Luft und Geschrei am Bahnsteig, wenn wieder niemand mehr einsteigen konnte. Wer Pech hatte, nahm aus dieser Sardinenbüchse gleich noch den nächsten Infekt mit.

Diesmal war es so schlimm, dass ich unterwegs mit ChatGPT Beschwerde-E-Mails im Stile eines Wutbürgers geschrieben habe. Die Mitfahrenden um mich herum, die Kinder und ich hatten bei der Erstellung immerhin noch unseren Spaß. Man muss sich ja irgendwie helfen.

Bezahlt. Geplant. Losgefahren. Anschluss verpasst. Pech gehabt. Das ist kein normaler Bahnärger mehr. Das ist Kapazitätsversagen.

Die HLB sagt es wenigstens geradeheraus

Der RMV hat auf meine Beschwerde nur eine Vorgangsnummer geschickt. Der NVV bittet per E-Mail um Geduld. Die HLB schreibt immerhin so deutlich, dass man es mal übersetzen kann.

  • Der RMV bestellt die Kapazitäten.
  • Die HLB fährt, was bestellt wird.
  • Doppelstockzüge gibt es nicht.
  • Mehr Kapazität gibt es ohne Auftrag auch nicht.
  • Fertig ist die Durchsage.

Also genau das, was man sich als Fahrgast ohnehin längst dachte: Die Züge sind nicht aus Versehen zu klein. Sie sind absichtlich zu klein bestellt.

Der VCD sagt seit Jahren, dass das Problem bekannt ist

Denn exakt das kritisiert auch der VCD Hessen seit Jahren. Der Verband veröffentlicht regelmäßig Beiträge und Presseinformationen zu Mobilität in Hessen. Und Philipp Loth vom VCD Rhein-Main hat auf meine Nachricht ziemlich klar geantwortet.

… Insbesondere auf den Linien RE98 und RE99 kommt es häufig zu massiven Überfüllungen, da die Kapazitäten bei Weitem nicht ausreichen. Der von Ihnen geschilderte Fall am Wochenende ist daher leider keine Seltenheit.

Für die Bestellung der Schienenverkehre sind in Hessen die Verkehrsverbünde zuständig. Die Linien RE98 und RE99 sind im Verkehrsvertrag „Main-Lahn-Sieg“ zusammengefasst. Hier fungiert der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Hauptauftraggeber, da der größte Streckenanteil im RMV-Gebiet liegt. Die Verkehrsverbünde bestellen bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen die Zugleistungen und geben die Kapazitäten vor. Die Hessische Landesbahn (HLB) fährt auf den beiden Linien im Auftrag von RMV, NVV und NWL mit den bestellten Kapazitäten.

Insbesondere der RMV weigert sich, geeignete Fahrzeuge mit ausreichenden Kapazitäten zu bestellen, und erkennt nicht an, dass die bestehenden Kapazitäten nicht ausreichen. Wir sehen – wie Sie – den Bedarf zum Einsatz von Doppelstockzügen auf beiden Linien. … Hier der Link zur Pressemitteilung: https://hessen.vcd.org/themen/bahn-bus/vcd-hessen-zum-fahrplanwechsel-am-14-dezember-wenig-verbesserungen-viele-verschlechterungen

Kurz gesagt: Das Problem ist seit Jahren bekannt. Die Kapazitäten reichen nicht. Der RMV ist Hauptauftraggeber. Die HLB fährt, was bestellt wird. Und trotzdem soll auf RE98 und RE99 mit dem bisherigen Material erstmal bis Ende 2038 weitergefahren werden.

Ich bekomme selbst bei solch kurzen Erklärungen zur Nahverkehrssituation mit diversen Verbünden schon ein leichtes Augenzucken.

Das Drama läuft damit erstmal einfach weiter. Bis Ende 2038. Weitere 13 Jahre. Kriegste die Krise.

Das Problem ist nicht unbekannt. Es wird nur weiterverwaltet.

Angesichts dieser Laberduddelei beim RMV bekomme ich die Krise. Es ist ja nicht so, dass niemand wüsste, wo das Problem liegt. Es ist nicht überraschend. Es ist nicht neu. Es ist seit Jahren bekannt.

Und dann wird trotzdem so bestellt, als sei die Realität nur ein bedauerlicher Einzelfall und nicht der tägliche Beweis dafür, dass diese Planung an den Menschen vorbeigeht.

Deutschlandticket gut, Kapazitätsplanung miserabel

Ich finde das Deutschlandticket nach wie vor großartig. Es ist, mit sehr großem Abstand,  die beste Neuerung im Nahverkehr seit Jahrzehnten. Genau deshalb macht mich dieser ganze Verbund- und Kapazitätsirrsinn so wütend.

Man hat endlich ein Produkt, das Menschen den Einstieg erleichtert. Und statt daraus Konsequenzen zu ziehen, fahren RMV und andere einfach mit zu kleinen Zügen, zu kleinen Denkhorizonten und zu kleinen politischen Ambitionen weiter.

Alle wissen, dass viel mehr Menschen vom Auto wegmüssen. Dann muss man den öffentlichen Verkehr auch so organisieren, dass die Leute tatsächlich mitkommen, also sprichwörtlich und im Wortsinn.

Im Lahn-Dill-Kreis klappt das bei RE30 und RE99 seit Jahren viel zu oft nicht.

Und genau deshalb steht es jetzt hier im Blog.

Damit bis zum Ende aller Tage irgendwo nachzulesen bleibt, wie unerfreulich, überfüllt und unnötig kaputt der Nahverkehr mit RE30 und RE99 in Hessen ist.

Anmerkung zum Schluss:

Ich wohne in Hamburg und bin dank des HVV im Alltag ziemlich verwöhnt. Wir haben hier ein wirklich gutes Nahverkehrsangebot, stellenweise fast besser als damals in Berlin mit der BVG. Vielleicht regt mich der RMV deshalb auch so zuverlässig auf. Aber genau darin liegt ja der Punkt: Wenn man sieht, dass es anderswo sehr viel besser funktioniert, dann wirkt dieses hessische Kapazitäts- und Zuständigkeitsgegurke noch bescheuerter.

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