Zug verpassen – Hamburg vs. Berlin

Heute die Sonderausgabe aus Leipzig. Ich komme gerade vom Barcamp in Jena. Der Zug nach Hamburg fährt über Leipzig und dummerweise mussten wir in Leipzig alle den Zug verlassen. Der Zug war kaputt. Allgemeine Freude unter den Fahrgästen, auch bei uns drei Barcampern, die wir zusammen im Zug saßen.

Frohen Mutes gehen wir zu Subway um uns an schändlich schlechtem Essen zu laben. Nach verschlingen des Brotriegeles mit eingelegtem Salat-Imitat gingen wir zum Bahnsteig und siehe da, der Zug steht da und nach kurzem Rennen ging die Tür genau vor meiner Nase zu.

Was habe ich gerade für gute Laune, das glaubt mir keiner.
Ich sitze auf dem Bahnsteig in Leipzig und ärgere freue mich im Achteck dafür.

Zug kaputten und Zug verpassen. Soviel Glück kann nur ich haben.
Kalt ist es hier auch noch, aber dafür gibt es jede Menge Bahnerromantik, die mir gerade so richtig am Arsch vorbei geht.

Man erkennt, dass ich richtig gute Laune habe.
Aber hallo. Was bin ich gut gelaunt. Ich habe kaum geschlafen am Wochenende, weil der verdammte Schäferhund hinter meinem Hotel am Samstag und Sonntag Morgen jeweils um halb sieben den Tag lautstark anbellen musste.

Dreckstöle dreckige.
Am Wochenende um halb sieben aufzuwachen ist kein Spaß. Auch mein Anruf bei der Rezeption, ob sie den Hund nicht wegsperren könnten, oder zumindest jemanden losschicken, um ihn zu erschiessen mit ihm Gassi nach Weit-Weit-Weg zu gehen, wurde konsequent ignoriert.

Aber ich habe ja verdammt gute Laune. Wenig schlafen, knapp 80000 Gespräche zu führen, drei öffentliche und eine geheime Session zu halten, in einem kaputten Zug zu sitzen und dann den nächsten Zug zu verpassen ist genau das, was ich an einem Wochenende haben will.

Besonders fein ist es, dass ich eine extrem ganz schlimme Woche vor mir habe mit geschätzten 80 Trilliarden E-Mails, ein paar kleinen Alarmen, diversen Panik-Attacken und etlichen Voll-Alarmen.

Fein.
Aber ich habe ja richtig gute Laune.

..
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Inzwischen sitze ich im Zug, vom Cover der Bahnpostille „mobil“ lacht mir Doris Dörrie entgegen und ich habe immer noch gute Laune. Die Wahrscheinlichkeit, um 24 Uhr endlich meine Katze zu begrüssen, ist deutlich gestiegen.
Wenn der Zug nicht einfach mal kaputt geht auf dem Weg, so etwas soll ja vorkommen. Beispielsweise mit dem ICE von Jena nach Hamburg.

Bei einem Schnitt von zwei Stationen fahren-dann Zug kaputt, komme ich immerhin bis Berlin Hauptbahnhof.

Da war ich lange nicht mehr. Schön so’ne Nacht am Hauptbahnhof zu verbringen. Das lässt meine gute Laune gedanklich ins unermessliche steigen.

Ich drücke mir selbst die Daumen, lege gleich den Kopf auf den Tisch und schlafe vor mich hin.

Die inTouch lesende iPod-Dauerwelle gegenüber kann dann meine Geheimratsecken und die angehende Kniescheibe bewundern.

Ich teile meine gute Laune gerne.

Ach ja, weder in Hamburg noch in Berlin habe ich es bislang geschafft, dass die Zug-Tür genau vor meiner Nase zuknallt.

6 comments

  1. Ralfi says:

    Übrigens: Du bist nicht der einzige dem es bei Subways nicht schmeckt ;) Verstehe immer noch nicht warum auf einmal alle so begeistert von weichen Brötchen sind…

    Was die Bahn angeht: Das ist doch immer so, wenn man schon komplett fertig ist, eigentlich nur noch schlafen will… dann geht alles schief damit man auch ja noch weiter wach bleibt und dann wie ein nasser Butterkeks zuhause ankommt, geht mir zumindest oft so!

  2. zeniscalm says:

    Wie heisst es so schön – wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu Sorgen aber Dein Text ist einfach nur sehr schön – zumindest wenn man nicht dabei war ;)

  3. Jet says:

    du musst indische gelassenheit lernen, yogasitz einnehmen auf bahnsteig, tief ein,- u. ausatmen, dann kommt gutes karma und vielleicht zug, weil in indien kommt der zug nicht um 3, da sagt man: es ist 3 wenn der zug kommt, so einfach ist lewwe. liebe grüße, yogi- jetimarrasschibramapudra.

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