Multikulti Hamburg vs. Berlin

Berlin. Weltstadt. Metropole. Bunter Schmelztiegel der Kulturen. Radio Multikulti. Russendisko. Gäste und Menschen aus aller Welt zu Gast bei Freunden. Wisst ihr was? Das ist Quatsch. Berlin ist alles, aber als Ganzes gesehen nicht Multikulti.

Laut Amt für Statistik Berlin Brandenburg leben in Berlin 466.054 Ausländer und 888.204 Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht 13,7% bzw. 26,09% an der Gesamtbevölkerung. Das ist, Bundesweit gesehen, nicht viel.

Gerade einmal 353 Türken gibt es in Marzahn-Hellersdorf, mit seinen rund 250.000 Einwohnern größer als die meisten deutschen Großstädte. … Also liebe Berliner, bildet euch mal nicht so viel ein. Multikulti-mäßig könnt ihr noch nicht mal mit Pforzheim mithalten.

Quelle: statistiker-blog.de – Von wegen Multikulti in Berlin

Die Hanseaten sind nicht viel besser. Hamburg. Tor zur Welt. Hanseatisch blau. Understatement pur, man gibt sich Weltoffen. Willkommen bei Freunden.

Laut Statistisches Amt für Hamburg leben in Hamburg 237.867 Ausländer und 514.820 Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht 13,6% bzw. 29,6% an der Gesamtbevölkerung in Hamburg. Auch für Hamburg gilt: Das ist, Bundesweit betrachtet, eher unteres Mittelfeld.

In Hamburg und Berlin gibt es eine erhebliche Differenz zwischen gefühltem und tatsächlichem Ausländeranteil. Das liegt in beiden Städten ausschliesslich am „Osten“. In Berlin ist der Ausländeranteil im Osten weiterhin gravierend niedriger als im Westteil der Stadt. Da darf man sich nix vormachen. Vollkommen verständlich, ich möchte auch nicht in der direkten Nachbarschaft mit nazis in Marzahn oder Lichtenberg leben.

screenshot Stadtteile Berlin

Foto Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg – Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin

Man erkennt auf einen Blick, dass im gesamten Ostteil der Stadt der Ausländeranteil nur als Statistisches Hintergrundrauschen erscheint. Traurig.

Erstaunlicherweise ist das in Hamburg ähnlich, wenn auch aus völlig andere Gründen.

In Hamburg gibt es im (Nord-) Ostteil die sogenannten Walddörfer. Das muss man sich als Berliner als eine Art Lichtenrade in hübsch vorstellen. Ein Suburbia für den weißen Mittelstand mit Frau am Herd und zwei bis drei Kindern. In diesen Walddörfern ist der Ausländeranteil im Stadt-Gesamtbild auffällig niedrig. Den Süd-Osten lasse ich weg, da wohnt, von ein paar Landwirten abgesehen, sowieso kaum jemand.

screenshot Stadtteile hamburg

Foto Quelle: statistik-nord.de – Hamburger Stadtteil-Profile 2011

Was man auf der Grafik nicht sieht, sind die absoluten Zahlen für Hamburg.
Waltershof 2, Reitbrook 9, Neuwerk 5, Tatenberg 14, Spadenland 15, Gut Moor 12, Altenwerder 0.

Hamburg und Berlin sind also nicht die gern genannten Schmelztiegel der Kulturen. Hamburg und Berlin sind Multikulti Mittelmaß.

In Hamburg gibt es mit Altenwerder einen Stadtteil mit gar keinen Ausländern. Das hat Berlin dann doch noch nicht geschaft.

Quelle: statistik-berlin-brandenburg.de – Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin und statistik-nord.de – Ausländische Bevölkerung in Hamburg am 31.12.2010

Was ist Migrationshintergrund?

In der Einwohnerregisterstatistik werden als Personen mit Migrationshintergrund ausgewiesen: Ausländer, wie auch Deutsche
– mit Geburtsland außerhalb Deutschlands oder
– mit Einbürgerungskennzeichen oder
– mit Optionskennzeichen, d.h. im Inland geborene Kinder
ausländischer Eltern erhalten seit dem 1. Januar 2000 unter den in § 4 Absatz 3 des Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG) genannten Voraussetzungen zunächst die deutsche Staatsangehörigkeit (Optionsregelung) sowie – Personen im Alter unter 18 Jahren ohne eigene Migrationsmerkmale aber mit Geburtsland außerhalb Deutschlands oder mit Einbürgerungskennzeichen zumindest eines Eltern-
teils, wenn die Person an der Adresse der Eltern/des Elternteils gemeldet ist.

3 comments

  1. ahoihamburg says:

    Oh das ließt sich besonders schön: „Hamburg. Tor zur Welt. Hanseatisch blau. Understatement pur, man gibt sich Weltoffen.“ – das geht ja runter wie Öl ; ) Viele Grüße

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