Kleinkind-Schwimmkurs Hamburg vs. Berlin

Am Samstag Vormittag gehe ich mit dem Kind zum Babyschwimmen, bzw. zum Kleinkindschwimmen. Samstag Vormittag ist qualitative Papazeit. Nicht nur bei mir, auch in zahlreichen anderen Familien bekommt der Kerl am Samstag das Kind mit Hinweis auf ‚jetzt bist du dran, ich lege mich wieder hin‘ auf den Arm.

Man erkennt das z.B. daran, dass am Samstag Vormittag um Elf Uhr nur Väter mit ihren Kindern in der Schwimmhalle sind.

Karen & Baby Boopie the Hippos
Karen & Baby Boopie the Hipposby Albuquerque BioPark

Und das ist ganz großes Tanzbärkino, so ein Vormittag mit anderen verpeilten Vätern im Schwimmbad. Bücher, Bibliotheken, ganzen Literatur-Epochen können gefüllt werden mit den Geschichten der Väter, die mit Kind-Umziehen in Umkleide, an das Handtuch denken und dann auch noch Lieder singen, wach- und lustig sein des öfteren überfordert sind.

Stellen Sie sich zwanzig Herren vor. Alle um die 30 Jahre alt, alle mit leichtem Bauchansatz, alle (bis auf den Rastamann) mit zu wenigen Haaren, alle mit hässlichen Badehosen und alle, natürlich, wir hatten es bereits, und alle größtenteils ahnungslos in Sachen ‚zweite Strophe in Kinderliedern‘.

Da stehen sie im Wasser, mit dem Kind auf dem Arm. Mittendrin die Kurs-Gabi. Ich weiß nicht, ob sie Gabi heisst, ich nenne sie so. Gabi gibt den Ton an. Mit diesem typischen tiefenfreundlichen Erzieherblick aus rehbraunen Augen, jenseits der 50, die nichts mehr schocken kann bittet sie die Herren zum ‚Willkommenslied‘.

Wir sind beim Kinderschwimmen und haben ganz viel Spaß‚ wird dann gesungen.

Allerdings nur von Gabi. Alle anderen sind Männer und brummen sich erstmal einen in den Bart. Falls es in diesem Lied eine zweite Strophe geben sollte, wird sie von Gabi  freundlicherweise ignoriert und nach einigen Runden mit der ersten Strophe erkennt man dann bei allen irgendwie das Lied im hingenuschelten Gesang.

Wir sind alle kurz vorm durchdrehen vor Spaß – Gabi nimmt das wörtlich und stimmt als zweites Willkommenslied einen Song an, dessen Name ich nicht kenne. Es geht um ein Karusell, dass sich im Kreise dreht und dabei singt man ‚schrumm, schrumm, schrumm, ein Karusell, ein Karusell‚, (repeat) nach jeder Zeile eine Oktave höher.

Es singt mal wieder nur Gabi, wir brummeln mit und, Achtung, wir müssen uns dann im Kreis drehen, bzw. im Kreis laufen. Gabi entfleucht derweil in Tonhöhen, die wir kaum noch höhren können. Dieses Karusell-Lied ist diesbezüglich gnadenlos.

Erinnert ihr euch an diese Sache mit Masse und Beschleunigung? Das funktioniert hier ganz wunderbar. Zwanzig Kerle schieben ihre Masse und das Kind durchs Wasser und ich kann euch sagen, dass Wasser gerät ordentlich in Wallung. Der Trick bei diesem Lied ist, dass man plötzlich anhält und die Kinder die Strömung spüren sollen.

Normalerweise.

Bei dieser im Kreis durchs Wasser schiebenden Herrenrunde gibt es das Masse-bedingte Problem, dass nicht nur die Kinder die Strömung spüren, sondern auch, dass wir dabei regelmässig umfallen. Die Strömung ist zu stark, man könnte auch von einem UNENDLICHEN MALMSTROM sprechen.

Danach gibt Gabi jedesmal das Gesinge auf. Das Karuselllied hat zu viele hohe Töne, das klappt einfach nicht und es geht weiter mit ‚wir stehen im Kreis und machen Wellen‚.

Splish splash, I was taking a bath
Splish splash, I was taking a bathby San Diego Shooter

Wellen machen!

Spätestens hier werden alle sofort wach und machen Wellen als gäbe es kein Morgen.

Die Kinder quieteschen und johlen, Gabi tänzelt auf den Wellenhügeln wie ein Korken bei springender Sturmflut auf der Elbe bei Nord-Ostwind. Wellen machen ist ein großer Spaß. Bestimmt traumatisieren wir unsere Kinder dabei irgendwie, aber man ist ja in Hamburg, scheinbar muss dass so sein, hier schaukelt es eben ab und an.

Die Väter sind nun aufgewärmt, Gabi pult sich das Wasser aus den Ohren, versucht das Gleichgewicht wieder zu finden und verteilt diese kleinen Surfbretter, solche Schwimmbretter. Wir sollen die Kinder darauf setzten, machen wir auch alle, und durch das Wasser schieben, mal langsam, mal schnell, mal in Schlangenlinien und mal in wellig. Das ist so lange harmonisch, bis Gabi das Stichwort ‚Wettrennen‚ sagt.

Haha! Da stehen wir dann am Beckenrand, die blaunasigen Kinder quietschen leise, wir haben sie inzwischen stromlinienförmig auf das Brett geklemmt, in den Augenwinkeln beobachten wir unsere Nachbarn und dann ruft jemand leise LOS!

Ich würde wirklich gerne wissen, was die Kinder dabei denken wenn wir dann wie die Bekloppten schreiend mit den Brettern durch das Becken schiessen. Mit dem Wettrennen beende ich das erstmal, man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Babyschwimmen, bzw. Kleinkindschwimmen gibt es in zahlreichen Schwimmhallen in Hamburg. Ich kann nur empfehlen so eine Kurs zu besuchen.

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