Ferdinand Haasenstein vs. Ernst Litfaß – Werbung Hamburg vs. Berlin

Gratuliere. SinnerSchrader gründet Haasenstein neu – als Werbeagentur für das digitale Zeitalter, die als erste konsequent Kommunikation zuerst aus dem digitalen Kanal Richtung Offline denkt.

Es gibt hier einen wundervollen Hamburg-Berlin Vergleich und gleichzeitig seht ihr die „große Schritte passieren immer zweimal, beinahe zeitgleich“ Eigenschaft des Universum. Aber der Reihe nach. Zuerst Hamburg und Herr Haasenstein.

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Foto: sentinel by theloushe

Ferdinand Haasenstein gründete 1855 in Steinwurfweite von SinnerSchrader, in der Völckersstraße, die erste Werbeagentur Europas. Damals nannte man das noch Annoncen-Expedition Ferdinand Haasenstein. Klingt das nicht wundervoll? Es fühlt sich gleich viel aufregender an, wenn man in einer Hamburg-Berlin-Expedition steckt, oder?

Leider lebte Herr Haasenstein damals gar nicht in Hamburg, sondern in Altona. Das gibt gleich doppelt Minuspunkte für Hamburg, war Altona damals nicht nur nicht Hamburg, nein, es war auch noch Dänisch. Man kann also sagen, dass die erste Annoncen-Expedition (später Werbeagentur) in Dänemark gegründet wurde.

Was genau man damals in Dänemark gründete und heute als Werbeagentur bezeichnet, wird hier sehr schön zusammen gefasst:

Mit seiner dort im Februar 1855 gegründeten „Agentur für Zeitungsinserate“, die „zum Original-Preise Annoncen jeder Art für alle in- und ausländischen Zeitungen zur prompten Beförderung“ entgegennahm, wurde Hasenstein Begründer der ersten deutschen Annoncen-Expedition. Die Organisation des Anzeigenmarktes steht am Anfang der Wirtschaftswerbung in Deutschland. Die Annoncen-Expedition war das erste Unternehmen, das auf dem Gebiet der Werbung systematisch tätig geworden ist.

Quelle: Deutsche Biographie – Hasenstein, Carl Ferdinand Eduard

Herr Haasenstein aus Dänemark verkaufte zum Original-Preise Anzeigen jeder Art in Zeitungen. Das war damals neu. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber auch die Werbung in Zeitungen wurde irgendwann erfunden und hier zum ersten Mal systematisch verkauft.

In Hamburg wurde im Februar 1855 aus dem Buchhändler Haasenstein die erste europäische Werbeagentur.

Hier kommt jetzt der „große Ideen passieren es immer zweimal, beinahe zeitgleich“ Teil.

In Berlin präsentierte am Juli 1855 Herr Ernst Litfaß die ersten 100 Annoncier-Säulen, heute unter dem Namen Litfaßsäule bekannt.

Herr Littfaß störte sich sehr an den wilden Plakaten in der Stadt und wollte mit seinen Litfaßsäulen Ordnung schaffen. Gleichzeitig wurde mit der Vermarktung der Litfaßsäulen ein sehr reicher Mann. Das Ernst Theodor Amandus Litfaß den Buch- und Plakatdruck nach vorne trieb und schliesslich königlicher Hof-Buchdrucker wurde, sei hier nur am Rande erwähnt. Da kann Herr Haasenstein aus Altona nicht ganz mithalten.

Haasensteins Announcen-Expedition war von Anfang an erfolgreich und machte das, was viele Firmen auch heute noch machen wenn sie am Puls der Zeit sein wollen:

Haasenstein ging 1888 nach Berlin.

Jetzt wird der Hamburg-Berlin Vegleich langsam unfair. Haasenstein kommt gar nicht aus Hamburg, sondern aus Dänemark und dann geht er mit seiner auch noch nach Berlin.

Herr Haasenstein gründet eine Firma in Hamburg und vermarket Werbefläche in Zeitungen.
Herr Litfaß will noch mehr und erfindet nicht nur den Zwischenhändler sondern gleich eine neue Werbefläche.

Man kann also sagen, dass Herr Haasenstein mit seiner Idee richtig lag. Vielleicht ist es ja seiner Arbeit und seiner Idee zu verdanken, dass es in Hamburg jetzt drölftausen Werbe- und Vermarktungsagenturen gibt.

Herr Litfaß hat einen Platz auf dem Dorotheen-Friedhof bekommen. Da kommt man nicht einfach so hin, er liegt da in einer Reihe mit Klientel wie Brecht, Bonhoeffer, Mann, Rau, Hegel, Schinkel und Eisler. Mehr Kulturgewichse ist in Deutschland auf einem Friedhof gar nicht möglich (schöne Fotos vom Friedhof)

Dafür hat es bei Herrn Haasenstein nicht gereicht. Obwohl er in Spitzenzeiten 55 Filialen und 359 Anzeigenannahmestellen hatte. Man darf das nicht falsch verstehen, das war ein großer Laden, eine AG, und keine kleine Werber-Klitsche wie man sie heute in den Nebenstrassen der Schanze sieht.

Ich finde die Idee von Sinnerschrader sehr gut.
Werbeagentur für das digitale Zeitalter„, „aus dem digitalen Kanal Richtung Offline denkt„, das ist alles richtig, wichtig und eine gute Geschichte gibt es gratis dazu.

Wie soll ich hier Punkte vergeben?

Ferdinand Haasenstein vs. Ernst Litfaß – Werbung Hamburg vs. Berlin 1855:1855

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