Ebola und exponentielles Wachstum

Auf aerzte-ohne-grenzen.at gibt es diverse Artikel zu Ebola und die sind alle alarmierend.

Bis neulich dachte ich, wie sie gerade jetzt wahrscheinlich auch, beim Stichwort Ebola an „das ist weit weg, wen interessiert das, sehr dramatisch, mein Beileid, schlimm, aber hier passiert nix, ein paar hundert oder 2000 Leute, global gesehen passiert da nix … “ u.s.w.

Ein kleiner Satz sorgte dann dafür, dass ich zuhörte und mich in ruhigen Minute am Abend im Bett frage, wie eigentlich ein Krisenvorrat aussieht, was da rein gehört und was ich mit der Familie im Worst case mache, ausser sterben?
Nachtrag. Mein Wissen zu Krisenvorrat ist auf diesem Stand: http://www.google.com/m?q=Lebensmittel+Vorrat+krise
Nachtrag 2: Internet schickt mir das da. Danke. http://www.ernaehrungsvorsorge.de/de/private-vorsorge/notvorrat/vorratskalkulator/

UN Secretary General Ban Ki-moon warned an emergency meeting of the council that the number of Ebola infections was doubling every three weeks.

Quelle: Ebola ‚threat to world security‘- UN Security Council

Die Zahlen VERDOPPELN sich. Das ist ziemlich schlimm, ja, das ist totaler Alarm.

Leider greift hier die zutiefst Menschliche Unfähigkeit exponentielles Wachstum zu verstehen.
Wir denken immer in „normalen“ Wachstum (die Blume im Garten wächst gleichmäßig, die Schüssel mit den Chips leer sich gleichmäßig, etc) und verstehen nicht, wie dramatisch exponentielles Wachstum wirklich ist.

Wenn sie wissen, wie schlimm eine Verdopplung ist, dann gratuliere ich ihnen.
Für alle, die das nicht wissen, ein Quiz.

Aktuelle Zahlen sprechen von bis zu 2.600 Todesfällen durch Ebola. Der Einfachheit halber gehe ich von 6.000 Infizierten Personen aus (auch wenn die Zahl deutlich höher ist).

Raten sie mal, wieviele Menschen bei einer Verdopplung alle 3 Wochen in einem Jahr infiziert sind? So viele Menschen wie in Hamburg wohnen, so viele wie in Hessen wohnen, so viele, wie in ganz Deutschland wohnen oder gar unvorstellbar, noch mehr?

Richtig.
Über 786 Millionen Personen.

Wenn sie die Fälle weiter verdoppeln, dann ist in 12 Monaten mal eben eine Anzahl von Menschen infiziert, die der Einwohnerzahl von 9x Deutschland entspricht.

Nicht 2.600 Personen sondern ganze Länder, ganze Kontinente sind dann im Eimer. Vom Zusammenbruch des Öffentlichen Leben ganz zu schweigen.

So schlimm schlimm ist das.

Darum schreibt Dr. Joanne Liu, Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, in ihrem UN-Briefing zum Ebola-Ausbruch in Westafrika:

Wir können nicht voraussagen, wie sich die Epidemie weiter ausbreiten wird. Vieles ist ungewiss. Aber wir wissen, dass die Zahl der offiziell bestätigten Ebola-Fälle nur einen Bruchteil der tatsächlich infizierten Menschen darstellt. Wir wissen, dass die Infektionsraten auf einem beispiellosen Niveau sind. Wir wissen, dass viele Gemeinden und Dörfer stark geschwächt sind. Und mit Gewissheit können wir sagen, dass die Reaktion auf die Krise vor Ort absolut unzureichend ist – mit tödlichen Folgen.

Mit jeder Woche, die verstreicht, steigt die Epidemie exponentiell an. Mit jeder Woche, die verstreicht, wird die Reaktion auf die Krise komplizierter.

Es wird in die Geschichtsbücher eingehen, wie die Welt mit dieser beispiellosen Epidemie umgeht. Es handelt sich hier um eine regionale Krise mit ökonomischen, sozialen und sicherheitsrelevanten Auswirkungen, die weit über die Grenzen der betroffenen Länder hinausgehen.

Staaten haben eine politische und humanitäre Verantwortung, diese eskalierende Katastrophe zu stoppen.

Die Uhr tickt.

Ich gebe zu, dass mich das beschäftigt.

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