Heizung Thermostat Zahlen Bedeutung – Was sie schon immer über ihre Heizung wissen wollten.

Eines der zur Zeit schönsten Themen mit Diskussionsbedarf in unserem Haushalt ist alles rund um die Heizung, Zahlen und das Thermostat.

Genauer gesagt ist das Thema HEIZUNG eine dieser spannenden Mischungen aus Heizung-einstellen, Heizkosten-sparen, Gemütlichkeit und Ich-mache-das-aber-so-Punkt-keine-Diskussion.

Da ich mich, aus Gründen, zur Zeit viel mit dem Themenkomplex HEIZUNG beschäftige und im Zuge dessen einiges gelernt habe, teile ich das Erlernte hier, damit auch sie entspannt in der Familie über Heizkosten klugscheißen diskutieren können.

Was sie noch nicht über ihre Heizung und die Zahlen auf dem Thermostat wussten

Darum geht es. Das Thermostat. So oder ähnlich sieht das bei Ihnen aus.

Quelle: Anleitung Oventrop Thermostat „Uni LH“. Mit freundlicher Genehmigung der Firma Oventrop

Auf den meisten Thermostaten stehen Zahlen, von 0 – 5. Diese Zahlen stehen für eine Temperatur.

Man stellt das Thermostat nicht auf die Zahl DREI, man sagt dem Thermostat „Heizung bis 20 Grad“.

Wie jetzt? Die Zahlen auf dem Ding, dass sie drehen können sind eine Temperatur?

Genau. Das ist kein Wasserhahn, den sie viel oder wenig öffnen, das ist IMMER eine Temperatur.

  • * = 7 Grad
  • 1 = 12 Grad
  • 2 = 16 Grad
  • 3 = 20 Grad
  • 4 = 24 Grad
  • 5 = 28 Grad

Im Bild sieht man sehr gut, dass für den Wohnbereich eigentlich alles zwischen zweieinhalb und dreieinhalb passiert.

Aus dem Grund sind auf vielen Thermostaten heutzutage solche Punkte bei zweieinhalb und dreieinhalb.

Quelle: Anleitung Oventrop Thermostat „Uni LH“. Mit freundlicher Genehmigung der Firma Oventrop

Früher war angeblich direkt die Temperatur angegeben, aber da die Raumtemperatur, je nach baulicher Situation, sehr unterschiedlich ausfallen kann, wurde das von einer Temperatur auf einfache Zahlen geändert, um Verwirrungen zu vermeiden.

Das war, meiner Meinung nach, eine extrem blöde Idee, denn wer versteht das schon?

Die Zahl steht für eine Temperatur und nicht für „viel oder wenig auf“

Ein wundervoller Irrglaube ist das „ist stelle auf FÜNF“, dann ist viel auf, ich stelle auf ZWEI, dann ist wenig auf.

Das ist totaler Quatsch. Wenn es kalt ist und sie drehen das Thermostat auf, dann ist es eben auf, egal ob auf fünf oder auf zwei. Das Ding kann nur AUF UND ZU. Es gibt kein viel oder wenig auf.

Wenn man das Thermostat auf VIER stellt, dann heizt die Heizung LÄNGER, eben so lange, bis es 24 Grad warm ist (länger heizen wird weiter unten nochmal wichtig).

Eine hohe Zahl bedeutet beim Thermostat eine höhere Temperatur und das bedeutet im Prinzip: „länger auf“ oder „lass länger heißes Wasser durch den Heizkörper laufen“.

Heizkörper können nur Hahn auf- und zu

Im Prinzip macht der Heizkörper nur das: Hahn auf und Hahn zu. Mehr als heißes Wasser reinlassen und eben kein heißes Wasser reinlassen kann ein Heizkörper nicht.

Je nachdem, auf welcher Zahl das Thermostat steht, lässt der Heizkörper den Hahn so lange auf, bis das Temperaturdingens im Thermostat sagt „Stop, jetzt ist es warm genug, ich mache den Hahn zu, ich brauche kein heißes Wasser mehr“.

Von wegen an- und aus. Der Heizkörper ist doch lauwarm? Der geht ja doch nur ein bißchen auf!

Das Termostatdingens lässt solange heißes Wasser in die Heizung, bis die eingestellte Temperatur um ca. 0,2 überschritten wurde. Steht das Ding auf DREI und das Thermostat misst ca 20,2 Grad, dann schließt das Ventil (das variiert allerdings, je nach Modell, Hersteller, etc).

Anschließend wartet das Thermostat solange, bis die eingestellte Temperatur um ca 0,2 Grad unterschritten wird und öffnet bei ca. 19,8 Grad das Ventil wieder.

In dieser Wartezeit kühlt der Heizkörper etwas aus, er wird „lauwarm“.

Details dazu werden dann allerdings schnell speziell, wer will, sucht in Google nach „Zweipunktregler“ und „Hysterese“.

Die ewige Heizung-ganz-aus und Heizung-niemals-ausstellen Diskussion

Alles folgende ist extrem vereinfacht, aber weiterhin prinzipiell korrekt. Fachleute sollten das aber trotzdem nicht lesen, denn es ist sehr ungenau.

Zusätzlich gilt das nur für bewohnte Räume, also für Zimmer und Teile der Wohnung, in der sie sich auch tatsächlich aufhalten. Die weiter unten genannten Kommentare haben recht, wenn sie sagen, dass Heizung aus am meisten Geld spart.

Wenn ich das Thermostat also auf die DREI stelle und nichts mehr ändere, dann heizt der Heizkörper immer nur um diese 0,4 Grad herum.

Heizungkörper an -> 20,2 Grad, Heizungkörper aus -> 19,8 Grad -> Heizungkörper an -> 20,2 Grad, Heizungkörper aus -> 19,8 Grad -> Heizungkörper an -> 20,2 Grad, Heizungkörper aus -> 19,8 Grad u.s.w.

Auch ohne große mathematische Kenntnisse sieht man, dass immer nur in einem kleinen Temperaturfenster geheizt wird, eben die erwähnten 0,4 Grad.

Wenn ich, im Glauben damit Energie zu sparen, die Heizung auf Null stelle und dann, wenn ich es warm haben will, wieder aufdrehe, verbrauche ich ein VIELFACHES mehr an Geld und Energie, um den Raum wieder auf Temperatur zu bringen.

Ich gestehe, es gibt in unserer Familie regelmäßig heiße Diskussionen zu genau diesem Punkt.

Darum male ich das auf, evtl wird es dann verständlicher.

Wenn ich die Heizung auf DREI Stelle und mich nie wieder darum kümmer, passiert im Idealfall folgendes:

Heißes Wasser rein, bis es warm genug ist, dann kühlt das ab, bis es zu kalt wird, dann wieder warmes Wasser ein, etc. Steht bereits weiter oben beschrieben, die Heizung muss nur die Raumtemperatur halten.

Völlig anders sieht das aus, wenn man die Heizung über Nacht, oder am Tage, wenn man nicht da ist, auf Null stellt und den Raum auskühlen lässt. Dann muss die Heizung viel länger heißes Wasser durch den Heizkörper fließen lassen um die gewünschte Temperatur zu erreichen.

Je länger die Heizung heizen muss, desto teurer wird der Spaß im Endeffekt. Falls sie meiner extrem ungenauen Zeichnung immer noch nicht glauben, ich habe die „Heizung AN“ Momente ausgeschnitten. Im direkten Vergleich sieht man dann tatsächlich, dass es schlicht mehr Geld kostet und erheblich mehr Energie verbraucht, wenn man die Heizung ausschaltet und die Räume auskühlen lässt.

Im unteren Fall wird länger geheizt. Große Temperaturschwankungen zu überwinden kosten leider mehr Geld als nur die Temperatur zu halten. Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber es stimmt. In den meisten Fällen ist ein Ausschalten der Heizung teuer, als sie konstant weiterlaufen zu lassen.

Mir hat das geholfen. Ich habe, nach einigen Monaten, endlich verstanden, warum der eine Heizungsmensch zu uns sagte:

Sie sind jetzt Hausbesitzer, sie dürfen die Heizung eigentlich nie wieder ausschalten.

24 Gedanken zu “Heizung Thermostat Zahlen Bedeutung – Was sie schon immer über ihre Heizung wissen wollten.

  1. Das habe ich schon des Öfteren versucht meiner Frau zu erklären… keine Chance.

    Danke für die anschauliche Darstellung!

  2. Guter Artikel, aber der letzte Abschnitt ist falsch:
    Es ist nicht günstiger, die Heizung immer laufen zu lassen.

    Zwischen Innenraum und Außenwelt ist ein Temperaturgradient, je größer dieser ist, umso mehr Energie wird benötigt. Hier ist ein linearer Zusammenhang.
    Und das gilt immer.
    Diesem Gradienten steht die Wärmeleitung, bzw. Isolation entgegen, hier kann man ansetzten.

    Die Wände „speichern“ die Wärme, und durch die geringe Wärmekapazität der Luft dauert es lange kalte Wände warm zu bekommen. Die Wärme wird aber nicht wirklich gespeichert, sondern die Wände geben sie an die Außenwelt ab. Und dieser Wärmeverlust muß ausgeglichen werden, durch ständiges Nachheizen der Heizkörper.

    Ist die Wand kalt dauert es auch wieder länger diese auf Temperatur zu bringen, und die Heizung läuft zu Beginn länger. Das ist was Sie beschreiben. Aber trotzdem
    spart Heizung aus Energie. IMMER !!!

    Bei Espressomaschinenbesitzern gibt es ähnliche wilde Theorien, ob es besser ist, diese auszuschalten oder immer anzulasse, weil das Aufheizen angeblich soviel Strom verbraucht: Kaffeemaschine aus spart Energie, IMMER!!

    Messung dazu: http://www.temesblog.blogspot.de/2007/10/247-vs-timer-use.html

    Letzten Endes ist Heizen immer ankämpfen gegen den Gradienten (Temperaturunterschied), je länger man kämpft umso mehr Energie wird benötigt.

    Grüße
    Marcel

  3. Solche Diskussionen muss mein Mann mit mir nicht führen. Wir heizen ausschließlich mit Holz und da ich es irgendwie nicht blicke mit dem Feuermachen, halte ich die Glut immer an :)

  4. @Marcel Mohr
    Danke für den Kommentar.
    Ja, das stimmt, was sie schreiben, allerding beziehe ich mich, und das häte ich erwähnen sollen, auf den Alltag, auf die zeit, in der man sich in der Wohnung aufhält.

    Da gibt es bei uns immer wieder die Idee, doch die Heizung runter zu drehen, solange es warm ist, um sie später dann, wenn es wieder kühler wird, erneut hoch zu drehen.

  5. Danke für die Aufklärung. Da bin ich ja beruhigt.
    Es klang etwas nach „Ich lasse immer die Heizung an, und spare Energie dabei.“ Und da wollte ich gegensteuern.

  6. Wie schon geschrieben, die letzten Bilder sind falsch. Du vergisst, die „AN“-Kästchen zu berücksichtigen, die im „Heizung-nie-aus“-Fall weiterlaufen, während im zweiten Fall der Raum bei ausgeschaltener Heizung auf 5°C auskühlt. Bis ein einigermaßen gedämmtes Zimmer von 20 auf 5 abkühlt, vergehen mehrere Tage, in denen die „Dauernd-AN“-Heizung ordentlich konsumiert.

  7. Interessant wäre zu wissen, um wieviel Grad man optimalerweise die Temperatur senken sollte, wenn man Tagsüber nicht in der Wohnung ist bzw. wenn man das Wochenende nicht da ist, oder sogar 4 Wochen im Urlaub ist.

  8. Es wäre noch interessant zu wissen, ob das „immer an“ auch gilt, wenn man mal ne Viertelstunde durchlüftet. Meinem Eindruck nach wird dann nur aus dem Fenster geheizt, aber ich kann mich auch irren.

  9. Der Part mit „Durchheizen ist billiger“ ist so nur für kurze Perioden zutreffend. Also sagen wir mal 2-3 Stunden.

    Die Darstellung mit dem Bild weiter oben ist übersichtlich aber … äh… falsch.
    Die Grafik ist so schlicht irreführend, weil sie den Vorteil des Absenkens nicht mit einrechnet. Das 2. Bild fängt z.b. mit dem AUFheizen des Raumes an, lässt also die vorher entstandene Ersparnis genau unbedrücksichtigt.

    So wie es jetzt dargestellt ist, beantwortet die Graphik die Frage: Was kostet mehr, einen kalten Raum aufheizen oder in einem warmen Raum die Temperatur halten? Ja klar, dann ist Temperatur halten natürlich billiger… Denn dafür, dass der Raum WARM ist hat man ja VORHER bezahlt.

    Die Frage ob es günstiger ist den Raum abkühlen zu lassen und später wieder aufzuheizen beantwortet die Graphik keineswegs. (es sei denn ich verstehe die Graphik nicht richtig)

    Unberücksichtigt belibt auch ein anderer Faktor (es beliben viele unberücksichtigt aber einer ist noch besonders wichtig:)
    Die Wände des Raumes sind eine Wäremeloch. Da geht Wärme raus und die Heizung schiebt Wärme nach um den Verlust auszugleichen.

    Problematisch ist vor allem, dass die „grösse“ des Loches um so grösser ist je höher die Temperaturdiffenrenz ist. D.H. ein Raum der 25 Grad warm ist verliert viel mehr an Wärme in einer Stunde als ein Raum der nur 18 oder gar 12 Grad warm ist. (bei gleicher Aussentemperatur)

    Schon alleine deswegen ist es über ein grösseres Intervall der Wärmeverlust eines Raums der warm gehalten wird viel höher als der eines kalten Raumes.

    Es mag sein, dass die notwendige Periode die nicht geheizt werden muss, um das aufheizen wett zu machen für den praktischen Betrieb zu kurz ist (also sagen wir mal … unter 5-6 Stunden) aber das hängt sehr stark von diversen Randparametern ab und müsste einzeln nachgemessen werden. Ich denke das für praktische Belange der Wert irgendwo zwischen 3-8 Stunden liegt. Je neuer und besser isoliert das Haus des do länger, bei schlecht isolierten Altbauten lohnt sich das abschalten eigentlich … immer.

  10. Ach…. wie denn jetzt?? Jetzt verstehe ich gar nix mehr!! Ich lasse es jetzt mal, wie es immer war, d.h., Heizung an auf drei.

  11. Bei einer Herdplatte ist es übrigens genauso. Und mit liebenswerter Konsequenz stellt meine Frau den Herd IMMER erst mal auf 10, „damit die Platte schneller heiß wird“. Nix zu machen, liegt wohl in den Genen.

  12. eigentlich will ich mit der heizung nichts zu tun haben. die bude soll warm sein, nicht zu warm, aber nie kalt, ausser im schlafzimmer. ausserdem soll das heizen natürlich am besten nichts kosten. das mit den heizkosten ist in unserer berliner wohnung perfekt; unsere wohnung hat wenig aussenfläche und die ist relativ gut isoliert. das führte zu ziemlich niedrigen heizkosten in den letzten drei oder vier jahren. problematisch war aber bisher, immer wieder, die verfügbarkeit der heizung. der beifahrerin wurde es abends oft zu kalt, weil die heizung zu früh in den sparbetrieb ging oder das badezimmer liess sich nicht heizen, weil es in dem raum in dem die heizungssteuerung hängt (der „leitraum“) warm genug war – und deshalb die heizung nicht mehr aufheizte.
    mit anderen worten: unsere heizungssteuerung war ziemlich unkomfortabel und ich hatte keine lust mehr, mich mit diesem gerät auseinanderzusetzen.

    genau betrachtet ist diese komforterwartung in einem haus, in dem im hinterhaus noch einige leute mit kohle heizen natürlich in ansätzen dekadent. aber weil die preise von moderneren heizungssteuerungen mittlerweile in regionen angekommen sind, die mir bezahlbar erscheinen, fing ich an mich umzuschauen und einzulesen. dabei stiess ich unter anderem auf tado und deren raumthermostate. ich wusste, bis ich den ersten test in einem blog las, gar nicht, dass man raumthermostate einfach ersetzen kann und tado hat offenbar einen ganz guten selbstinstallationsupport, ich glaube hier las ich erstmals davon.
    ausserdem bietet tado seine geräte auch zur miete an, was nach meiner rechnung für unsere wohnung so um die 15 bis 19 euro monatliche kosten bedeutet hätte. beim durchrechnen und lesen des kleingedruckten erschien mir das mietangebot dann aber nicht mehr so attraktiv (nach 2-3 jahren zahlt man im vergleich zum kauf drauf, mietgeräte können nach ablauf der vertragslaufzeit — üblicherweise mindestens ein jahr — gekauft werden, aber es gibt dann nur 6 monatsmieten preisnachlass).
    knapp 600 euro anschaffungspreis (1 raumthermostat plus 4 heizkörperthermostate) schien uns dann aber (im moment) eine zu grosse ausgabe zu sein. nach einer anfrage bei tado überliess man mir dann dankenswerterweise ein raumthermostat und zwei heizkörperthermostate kostenlos zum testen, weshalb jetzt über dem artikel auch werbung steht. zwei heizkörperthermostate habe ich heute noch auf eigene kosten bestellt, die testgeräte können wir behalten.
    jetzt war ich gespannt, ob tado meine erwartungen erfüllen konnte: eine heizung die heizt wenn sie heizen soll, nur dort heizt, wo sie heizen soll und mir meinen wunsch erfüllt, mit der heizung möglichst nichts zu tun haben zu müssen. genauso gespannt war ich, wie die (neue) integration von tado in apple’s homekit funktioniert. mit homekit habe ich mich in den lezten wochen, eher monaten, intensiv beschäftigt und selbst einige unserer geräte so vernetzt, dass ich sie über homekit, also übers handy, über den browser aber natürlich auch weiterhin über schalter und knöpfe steuern kann. ums gleich vorab zu spoilern: die grundfunktionen und meine mindesterwartungen erfüllt tado super, es gab ein paar stolpersteine und die homekit-integration von tado ist sehr unbefriedigend. aber der reihe nach.
    installation
    der installationprozess und die führung durch die einzelnen installationsschritte ist erfreulich gut gemacht, beinahe exemplarisch. ich will nicht sagen idiotensicher, aber im grunde ist er das. jeder einzelne schritt ist gut erklärt, auf jeweilig vorhandene heizungssystem abgestimmt und bis zur beschriftung der kabel mit beiliegenden aufklebern sehr, sehr gut durchdacht. an keiner stelle des installationsprozesses fühlte ich mich alleingelassen oder ratlos. selbst die dübellöcher des alten raumthermostats konnte ich mit dem neuen thermostat benutzen, DIN sei dank. einzig an einer einzelnen stelle meine ich einen kleinen fehler oder ungenauigkeit in der anleitung entdeckt zu haben, nämlich beim abschrauben des alten heizkörperthermostats.

    auf dem schaubild sieht es aus, als könne man das thermostat mit einer drehung der mutter im uhrzeigersinn vom heizkörper entfernen, tatsächlich ist es aber (sagt das internet) stets eine drehung gegen den uhrzeigersinn. dafür, dass wir keine rohrzange im haus haben, kann tado nichts. ist aber aus unerfindlichen gründen so. ich habe mir dann einfach aus einem handtuch und einer kleinen schraubzwinge selbst eine rohrzange gebaut. das funktionierte dann auch.
    das nächste problem tauchte dann nach dem abschrauben des alten heizkörperthermostats auf, bzw. bei der montage des neuen. auch das ist alles sehr verständlich, schritt für schritt erklärt, öffnen, batterie aktivieren, pairen mit der tado-bridge, aufschrauben auf den heizkörper …

    obwohl das neue thermostat ordnungsgemäss auf der heizung steckte, das system meldete: „gerät noch nicht montiert“. also einfach das zweite thermostat im wohnzimmer montieren: das ging jetzt einen ticken schneller und als ich die batterie aktivierte, sagte das thermostat „HI“ zu mir (auf dem elegant verdeckten display). ah, das hatte das andere thermostat nicht getan. nach der begrüssung hab ich das freundliche thermostat dann auf den heizkörper geschraubt — und fertig. das andere thermostat liess sich nicht überreden mir „HI“ zu sagen, aber als ich den support anrief um zu klären was ich noch tun könnte, meldete sich das thermostat im portal plötzlich doch als montiert und übermittelte seine umgebungstemperatur und die luftfeuchtigkeit. aber der display wollte einfach nichts anzeigen — und steuern liess sich das thermostat auch nicht.
    ich glaube zwar nicht, dass es künstliche intelligenz oder smarte geräte gibt, erliege aber immer wieder der hoffnung, dass kaputte geräte sich auf wundersame weise selbst heilen. deshalb wollte ich das defekte thermostat eine nacht in seinem angestammten zuhause (der produktverpackung) ruhen lassen und dann am nächsten morgen nochmal nach dem wohlbefinden schauen.

    die deaktivierung des themostats irritierte dann aber das webportal. oder eher mich, denn das meldete plötzlich, dass die zone 1, das kinderzimmer in dem das vernetzte raumthermostat hängt, nicht mehr per „fernzugriff“ erreichbar sei. das raumthermostat machte aber einen ganz zufriedenen eindruck, behauptete verbunden zu sein und verrichtete auch brav seinen dienst. erst am nächsten morgen kam ich dann darauf, dass das defekte thermostat ebenfalls standardmässig, wie das raumthermostat, der zone 1 zugewiesen wird und batterielos in seiner kiste in der tat nicht erreichbar war. dass das my.tado.com-portal dann aber gleich die ganze zone als nicht erreichbar anzeigt, sollte tado schnell in ordnung bringen und ausdifferenzieren.
    am morgen hatte ich dann zum zweiten und dritten mal das vergnügen (keine ironie) mit der hotline zu telefonieren um ein austauschgerät zu organisieren. alle telefonate mit der hotline waren angenehm freundlich, es wurde aber deutlich, dass mein erster gesprächspartner deutlich mehr befugnisse und technisches know-how hatte, als die beiden mit denen ich heute früh sprach. von denen sprach einer kein kaum deutsch (deutsch erst ab 8:40 uhr) und beide konnten nicht viel mehr tun als mir zuzuhören und support-tickets anzulegen.
    homekit integration
    das mit dem defekten, halbfunktionierendem thermostat war ärgerlich, weil es zu einer irritierenden fehlermeldung führte an der ich lange zu knacken hatte. noch länger knackte ich nur an der homekit-integration. zuerst dachte ich ich bin zu blöd, dann hoffte ich, dass das defekte gerät in meinem setup alles durcheinanderbrachte, aber nachdem der support die verbindung des defekten geräts aus meinem setup entfernt hatte, habe ich das gefühl, dass die homekit-integration von tado noch nicht ausgereift ist.
    nach dem ersten verbinden mit homekit, tauchten in meine iphone home app 9 neue geräte auf, je ein regelbares thermostat, ein thermometer und ein hygrometer. die werte des in alle geräte verbauten lichtsensors gibt tado nicht preis. die eingestellten tado-zonen werden nicht übernommen, aber ich konnte die geräte leicht meinen bereits eingerichteten räumen zuweisen. so weit so gut. initial dauerte es sehr lange, bis die neuen geräte in der home-app ihre werte anzeigten und als sie die werte dann anzeigten, stimmten die nicht mit denen auf my.tado.com gezeigten überein. was aber funktionierte: wenn ich die wunschtemperatur für das wohnzimmerthermostat verstellte, kam dieser wert dort und in der web-app an. umgekehrt klappte es mal, mal gar nicht, mal nach längerer verzögerung.
    wer, wie ich, an selbstheilungskräfte von maschinen glaubt, glaubt auch daran, dass zurücksetzen oder neustarts helfen. also habe ich die tado-bridge wieder aus der home-app entfernt und dann leider vergeblich versucht, sie wieder hinzuzufügen. irgendwo auf den supportseiten von apple las ich dann, dass man eventuell das ehemals verbundene gerät zurücksetzen müsse, um es erneut zu homekit hinzuzufügen. dankenswerterweise stand auf der rückseite der bridge (in weisser schrift auf weissem grund) eine button-beschriftung: „factory reset“. weil ich zu blöd war den knopf so zu drücken, dass die bridge auf meinen wunsch reagierte, öffnete ich das gehäuse der bridge. innen drin ein wunder der miniaturisierung, ein wunderbarer anblick deutscher ingenieurkunst (keine ironie); viel luft und sehr viele, sehr kleine dinge:

    in der linken mitte sichtbar, der factory-reset-schalter. nach ca. 8 sekunden betätigung, fing die bridge an zu blinken und liess sich dann klaglos wieder mit homekit verbinden. schade nur, dass ich diesen anblick in der home app immer wieder sehen musste.

    aus unerfindlichen gründen scheint die tado-bridge nicht den erwartungen an reaktionszeit und antwortverhalten die homekit an sie stellt gewachsen zu sein. die nichterreichbarkeit erlebe ich hin und wieder mit der open-source und bastellösung homebridge, die das homekit-protokoll reverse-engineered hat und für nicht von apple zertifizierte geräte öffnet. die hue-bridge habe ich hingegen nicht ein einziges mal (seit 5 monaten) zögerlich oder unerreichbar gesehen. das verhalten der tado-bridge, also die nichterreichbarkeit und unbefriedigende aktualisierungsintervalle, lässt sich auch nach dem driten zurücksetzen der tado-bridge-verbidung reproduzieren. ich hoffe sehr, auf ein baldiges firmwareupdate für die bridge, denn so ist die homekit-integration so gut wie unbenutzbar.
    tado kernfunktionalität
    tadellos (beinahe tadolos geschrieben) hingegen sind die grundfunktionen von tado, sowie die tado-eigenen apps, sprich die web-app die über my.tado.com erreichbar ist und die iphone-app, die identisch wie die web-app aussieht und funktioniert. das was ich hier einstelle, egal ob in der web- oder iphone-app, egal ob am drehknopf des heizkörperthermostats oder den touch buttons des raumthermostats, kommt auf allen geräten an und wird korrekt dargestellt. sehr zufrieden bin auch auch damit, wie das raumthermostat (das „smarte thermostat“) die heizung regelt. im gegenteil zum alten thermostat erscheint mir das alles viel sanfter und weniger rabiat zu sein. steuerte das alte thermostat den heizkessel auch gerne mal hoch auf 90°, steuert tado den kessel meist auf niedrigere temperaturen. das hat auch zur folge, das die heizkörper nicht mehr vor hitze bollern, sondern sich ruhig aufwärmend, langsam und sicher auf ihre zieltemperatur hinarbeiten.
    endlich ist es auch möglich einen heizkörper bei bedarf hochzudrehen und damit, egal zu welcher uhrzeit, heizleistung aus der therme abzurufen. der einzieg wermutstropfen ist, dass wir das bisher nur mit einem heizkörper machen können. aber auch die alten thermostate funktionieren mit tado befriedigend. wenn wir die einfach auf der mittleren stellung belassen (3), bleibt die raumtemperatur in allen räumen auf angenehmen 22°.
    bei aller liebe zur heimautomatisierung, ich finde es enorm wichtig alle schaltungen auch weiterhin konservativ, also per schalter oder regler durchführen zu können. das klappt mit tado auch wunderbar, nach der grundkonfiguration (siehe weiter unten), läuft alles mehr oder weniger perfekt optimiert und bei bedarf dreht man am stellrad am thermostat um kurzzeitig ein bisschen mehr oder weniger wärme zu bekommen. oder beim lüften einfach eine volldrehung gegen den uhrzeigersinn und das ventil ist zu. das display der heizkörperthermostate (na gut, des bisher einzigen heizkörperthermostats) ist sehr gut lesbar und — neu! — zur abwechslung auch verständlich. ich habe nie verstanden (trotz fundierter hilfe) was jetzt eigentlich die beste einstellung für ein angenehmes raumklima ist 1, 2 oder 3? 4 oder 5? jetzt steht da klipp und klar 22°. oder 24°. so gefällt mir der fortschritt wieder ein bisschen, auch wenn er mit cloudbindung daherkommt.
    grundkonfiguration und apps
    oben hab ich es schon gesagt, mit der web- und der iphone-app (und allen anderen tado-apps) lassen sich die heizungswerte verständlich ablesen und einstellen und das vor allem so, das eine änderung in der app, auch gleich sichtbar am thermostat oder einer anderen app ist. genauso lassen sich die grundeinstellungen in den apps übersichtlich einstellen. für jede zone (= raum) die man einrichtet, kann man eine grundtemperatur festlegen — oder genauer drei (oder vier?) grundtemperaturen. die temperatur für die absenkung nachts oder bei abwesenheit kann man auf dem standardwert (18°) belassen oder anpassen. die abwesenheitsabsenkung kann man dem system überlassen (automatisch eher sparsam oder komfortabel oder ausbalanciert) oder selbst festlegen. das ist alles übersichtlich und bedienungsfeundlich und eben für jeden raum einzeln einstellbar.

    hat man auf der app die anwesenheiterkennung, also das tracking aktiviert, senkt tado die temperatur bei abwesenheit ab und fängt auf dem weg nachhause wieder an, die eingestellte temperatur einzupendeln. bei meinem bisher einzigen test, schien das ganz gut zu funktionieren.
    die beifahrein und ich tracken uns sowieso gegenseitig (über die apple-freunde-app), wissen also immer wo wir sind (ausser wir deaktivieren das tracking mal ausversehen). das kind lehnt diese form der überwachung strikt ab. das tracking der tado-app scheint mir aber kind-konform zu sein, die app zeigt lediglich ob man zuhause ist, abwesend oder (mutmasslich) auf dem weg nach hause. mal schauen wie das geht, ob er diese app und dieses tracking auf dem telefon zu akzeptieren bereit ist. an unsere überwachungswohnung gewöhnt sich das kind gerade, wenn wir ihm morgens sagen wann er nachhause gekommen ist, seitdem wir einen bewegungsmelder im flur haben, der seine bewegungsdaten permanent speichert und somit jede nächtliche aktiviät aufzeigt.
    teamfähigkeit
    auch wenn tado jetzt homekit und alexa kann, seit einer weile auch ifttt, so richtig mit anderen geräten spielt tado noch nicht mit. von anderen vernetzten thermometern will tado nichts wissen, seine lichtsensorwerte bleiben verborgen und anwesenheitserkennung will tado nur per tado-app zulassen. vor allem: eine offene, zugängliche und dokumentierte API gibt’s noch nicht. inoffiziell ist das eine oder andere bekannt. wann sich das ändert wollte mir die pressestelle bis jetzt noch nicht verraten, aber ich bin gespannt ob es bald offizielle wege gibt, tado in andere systeme zu inegrieren, die tado-sensoren mitzunutzen oder steuerung aus anderen heimautomatisierungssystemen zu erlauben. andererseits sollten vielleicht zuerst ein paar weitere entwicklungsstunden in die homekit-integration fliessen.
    fazit
    insgesamt bin ich sehr zufrieden mit tado. auch wenn der installationsprozess an sich makellos und relativ problemlos war, summierten sich dann im laufe des ersten testabends und der ersten testnacht so viele kleinere probleme auf, dass ich mich wegen der ständigen fehlersuche beinahe ein bisschen so fühlte, wie die arme sau, die einen tag lang versucht hat einen „smarten“ wasserkocher zu vernetzen und zu automatiseren.
    natürlich lassen sich meine spezifischen probleme, die zum grossen teil auf das defekte thermostat zurückzuführen sind, nicht verallgemeinern — auch wenn sie in diesem artikel die tatsächlich reichlich vorhandenen positiven aspekte von tado ein bisschen überschatten. ich glaube am ende, wenn alle thermostate da sind und funktionieren, wenn die tado-bridge ein paar firmwareupdates erlebt hat, wird sich meine zufriedenheit zu besorgniserregender begeisterung fortentwickeln. denn tatsächlich bin ich jetzt schon angetan von tado. ich brauche zum anfordern von heizleistung nicht mehr mit einer tachenlampe ins kinderzimmer zu gehen, die wohnzimmertemperierung funktioniert bereits tadellos und benutzerfreundlich, die thermostate sehen toll aus und ich kann die heizung nicht nur von überall aus steuern, sondern auch bei ihrer arbeit beobachten. der grösste und eigentlich einzige wirkliche schwachpunkt, die homekit-integration, lässt sich per software-update lösen und ist wahrscheinlich nur noch einige firmwareupdates der tado-bridge entfernt.
    (wird fortgesetzt …)

  13. Hallo vielleicht kann mir jemand helfen wir haben uns digitale Thermostate extra gekauft die stehen den ganzen tag auf 21 grad wenn ich morgens aufstehe habe ich nur 17 Grad und wenn ich mittags nach hause komme habe nur 18,4 Grad woran könnte das liegen
    Danke im voraus

    • Ja, leider nicht ganz günstig – aber eben auch sehr komfortabel. Habe jetzt mal noch ein Zitat aus deinem Artikel mit verlinkt, um dem Argument mehr Nachdruck zu verleihen. Danke an dieser Stelle für deine Aufarbeitung dieses Themas :)

Kommentare sind geschlossen.