User generated print content – Zitty/TIP Termin-Dramatik

Nach lustigem hin- und her Mailen mit diversen Menschen in Berlin und lesen von -zig Artikeln bezüglich der kostenpflichtigen Termine ist mir noch etwas aufgefallen.

Zitty/TIP bestehen seit 30 Jahren zum großen Teil aus Inhalten, die sie von ihren Lesern geliefert bekommen.

Lustigerweise mache ich ja so etwas im Internet.
Eine Webseite, die davon lebt, dass Leser/User sie mit Inhalten füttert.

Jetzt will die Zitty/TIP also Geld für die Termine/Veranstaltungen haben.
Nicht nur die beiden, das gilt auch für:

Macht zusammen: 1,021 Millionen Leser ab 14 Jahren, 10,0001 Millionen Visits laut IVW (Angaben aus dem Cine-Marketing-Brief). Pardon, wenn das kein Ausnutzen einer Monopolstellung ist, was dann?

Quelle: Kommentar auf reptilienfonds-Blog

Ich kann mir nicht helfen, ich bin weiterhin der Meinung, dass die da einen ganz, ganz großen Fehler machen.

Der Berliner an sich reagiert ja bekanntermassen vollkommen allergisch bei Sachen wie Gewinnmaximierungen oder Monopolstellung.

Wenn der Berliner, oder der Volksmund, erstmal bemerkt, dass er als Dank für jahrelanges Inhalteliefern so derbe einen vor den Latz bekommt, dann ist der Berliner an sich aber mal sowas von sauer, das passt auf keine Butterstulle.

Zitty und TIP werden unsichtbar, was will der damit?

Soll die mal sehen, wie sie ohne den Berliner an sich klar kommen und so viele TIP-kaufende Schwaben leben nun auch nicht in Berlin, dass die das alleine schaffen könnten.

Rein technisch gesehen ist das natürlich auch vollkommen albern.
Das ist meiner Meinung nach eine Abzocke, fürs digitalisieren 30€ oder 390€ zu nehmen.
Völliger Quatsch. Ich gebe als Veranstalter meine Inhalte bereits auf einer Webseite ein, was muss denn da noch digitalisiert werden?
Dazu habe ich keine Garantie, dass meine Inhalte auch erscheinen, obwohl ich dafür zahle?

Hallo! Wir haben 2007, bald 2008, rein Theoretisch kann ich alle Berliner-Termine mal eben in einem Google-Kalender verwalten, da weiß ich dann auch, dass sie gefunden werden und online sind, das ist ja bei Zitty/TIP nicht der Fall.
Ja, wer will, baut mal eben den Terminteil des TIPs nach, technisch kein Problem.
Genau darum ist es lachhaft, dafür so viel Geld zu nehmen. Ich hoffe ja, die Berliner Clubkommission baut das mal eben in sinnvoll.

Sollten die beteiligten Verlage diese Praxis nicht beenden, werden wir alternative Medien unterstützen bzw. solche entwickeln.

Quelle: Boykott Berliner Clubcommision

Eine Webseite, die von den Inhalten ihrer Leser lebt und so etwas machen würde, kann eigentlich sofort dicht machen.
Ganz albern, ganz großer Mist, vollkommen peinlich.
Stell dir vor, du zahlst bei eBay Geld um deine Auktion online zu stellen und die erscheint einfach nicht.
Oder eine Anzeige bei mobile.de. Oder dein Baggerprofil bei Meetic oder neu.de. oder oder oder.

Es gibt tausende Webseiten, die von den Inhalten ihrer User leben, genau wie es bei Zitty und TIP in Printform der Fall ist.

„Print ist tod“ liest man ja manchmal, ich dachte, das wäre ein Gerücht. Aber nach der Nummer kann man sagen, das Print mindestens Hirntod ist und nur noch an der Maschine hängt.

6 comments

  1. Darius says:

    Ich bin ganz deiner Meinung und stimme zu: Auch ich denke, dass sie damit einen sehr großen Faux-Pas leisten, der sicher nicht ohne sein wird und vor allem Nachwirkungen haben wird….
    Aber wir werden es ja beobachten können!

    Gruß
    Darius

  2. creezy says:

    Der Hauptdenkfehler bei der Sache ist ja, die Tipps in den Magazinen waren in den letzten Jahren ja sooo gut nicht mehr. Zumindestens die Subkultur in der Stadt findet ganz woanders statt und darüber wird auch woanders kommuniziert.

    Die werden sich noch umdrehen.

  3. beatneck says:

    Mir ist heute erst aufgegangen, daß der Kalenderteil eines Stadtmagazins eigentlich eine Form der journalistischen Arbeit ist: Es wird darüber berichtet, was in der Stadt stattfinden soll. Schon mal einen Journalisten gesehen, der die Weiterverwertung der Information seiner Informationsquelle in Rechnung stellt? Für die Finanzierung hat das Stadtmagazin doch andere Möglichkeiten. Und das on- wie offline.

    Die Subkultur wird übrigens auch ganz massiv über Newsgroups kommuniziert und über etwas ganz wunderbares, das früher Mundpropaganda hieß, heute eher Mobile-/SMSpropaganda heißen müßte und dank der Technisierung so rasant schnell geworden ist, daß man deren Auswirkungen oft noch am selben Abend spüren kann.

  4. tjaja says:

    Die Geschäftsleitung der zitty hat bereits eine Sprachregelung für die Mitarbeiter erlassen. Die besagt, dass in Zukunft eine Internetmaske bereitsgestellt wird und wer seine Daten da eingibt, muss weiterhin nichts zahlen. Laut dieser Aussage wird eine Gebühr nur erhoben, wenn per Fax oder per Brief die Termine eingereicht werden.
    Aber veilleicht möchte man den Printkram auch einfach schnell beerdigen und sucht nach einer effizienten Möglichkeit, den Kokurs herbeizuführen…

  5. Oberfell says:

    P R E S S E E R K L Ä R U N G
    Widerstand gegen das Terminkartell von ZITTY und TIP!

    Der Landesverband Soziokultur Berlin e.V. hat auf der Mitgliederversammlung am 14.12.2007 einstimmig beschlossen, die Verlage von ZITTY und TIP umgehend aufzufordern, die bestehende Praxis zur Erfassung und redaktionellen Bearbeitung der Veranstaltungsdaten im Kulturbereich wie bisher beizubehalten.

    Wir verurteilen den Versuch auf das Schärfste, im Hauruck-Prinzip den Kulturveranstaltern Berlins ein Verfahren aufzuzwingen, das von Ihnen einen zusätzlichen Arbeitsaufwand oder Gebühren abverlangt. Zugleich verhilft dieses Verfahren ausgerechnet den marktbeherrschenden Stadtmagazinen einseitig zu Wettbewerbsvorteilen, da diese so erzeugte Veranstaltungsdatenbank im Eigentum der Cine Marketing GmbH liegt, somit für alle anderen Print-, Medien- und Onlinedienste kaum frei zugänglich sein dürfte.

    Die ab Ende Januar 2008 geplante, zentrale Erfassung der Veranstaltungsdaten über eine Online-Eingabemaske bei der verlagseigenen Cine Marketing GmbH wird daher grundsätzlich abgelehnt, da der Vormachtstellung von ZITTY und TIP so einseitig Vorschub geleistet wird. Es ist nicht einzusehen, warum soziokulturelle Einrichtungen und Initiativen durch ihre Zu- und Vorarbeit in der Datenaufbereitung zu Kostenersparnissen der beiden großen Verlagshäuser beitragen sollen, zumal von anderen, kleineren Verlagen und Dienstleistern die übliche redaktionelle Bearbeitung auch weiterhin geleistet wird bzw. geleistet werden muss.

    Unseren bisherigen Rückmeldungen zufolge, nach denen über 100 Berliner Einrichtungen und Initiativen der Soziokultur bereits im Vorfeld ihre Bereitschaft zur Unterstützung eines Boykottes erkennen liessen, sowie die Kenntnis ähnlicher Proteste aus anderen Kulturbereichen, sollte ZITTY und TIP dazu bewegen, unverzüglich ihre Planungen zum Outsourcing ihrer Kernkompetenzen einzustellen:

    ZITTY und TIP scheinen völlig vergessen zu haben, dass ihre Existenz wesentlich darauf beruht, dass Kulturveranstalter ihre Termine bei Ihnen publizieren!

    Ohne diese Veranstaltungsdaten sinkt der Informationswert dieser Stadtmagazine beträchtlich.

    Aus Sicht der Landesverbandes Soziokultur Berlin e.V. ist es indes gut vorstellbar, eine mit allen Berliner Kulturveranstaltern, Verbänden und Netzwerken abgestimmte, zentrale Datenbank mit allen Veranstaltungsterminen zeitnah zu etablieren, um den modernen Informationsbedürfnissen einer Mediengesellschaft gerecht zu werden.

    Diese muss aber für alle! frei zugänglich und nutzbar, mitbestimmt und transparent sein, wie dies zur Zeit z.B. die Stiftung Kulturserver gGmbH (www.kulturserver.de) anbietet, aus deren Datenbank die Presse bzw. Medien die Veranstaltungsinformationen der Berliner Bühnen bereits seit längerem abrufen.

    Der Landesverband Soziokultur Berlin e.V. besteht seit etwa einem Jahr und ist noch in der Aufbauphase. Er ist entstanden aus regelmässigen Treffen der Kultureinrichtungen wie ACUD, Pfefferwerk, RAW-Tempel, Tacheles, Kulturfabrik Moabit, Brotfabrik, Förderband, Regenbogenfabrik, u.a.

    V.i.S.P.

    Landesverband Soziokultur Berlin e.V.

    Geschäftsstelle
    Torstr. 150
    10119 Berlin
    fon +49.(0)30.24628661
    fax +49.(0)30.44340825

    Mail: info@soziokultur-berlin.de

    Net: http://www.soziokultur-berlin.de

    UnterstützerInnen unseres Protestes bitten wir uns ein kurze Mail zu senden.

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