Der sensationelle Hamburger Trick – Ferienwohnungen Hamburg vs. Berlin

In Hamburg und Berlin jeweils großes Thema: die eigene Wohnung untervermieten – aka Ferienwohnungen.

Das Internet ist voll mit großen und kleinen Anbietern für Ferienwohnungen in Hamburg und Berlin. Es gibt zahlreiche pro- contra Meinungen zum Thema, denn es geht um viel Geld. Das muss man während jeder Diskussion zum Thema permanent in Hinterkopf behalten. Es geht ums Geld, egal wessen Meinung man hört. Millionenschwere Steuereinnahmen der Städte, Provisionen der Buchungsportale und, in Relation, ebenfalls viel Geld für die Vermieter der Wohnungen, die allerdings keine Millionen, sondern jeweils einige hundert bis mehrere tausend Euros im Jahr verdienen.

Our Berlin Holiday flats
Our Berlin Holiday flats by myrddrr with Some rights reserved

Vorab meine Meinung zu diesem Streitthema.

Ich finde es gut, wenn Privatpersonen ihr Monatsbudget mit Untervermietung aufbessern und die Leute das auch noch autonom, ohne den Staat, einen Verband oder Verein machen. Details dazu in Die Avantgarde der Share-Economy. Ich finde es allerdings auch total bescheuert (Lärmbelästigung, etc), dass zahlreiche Privatpersonen Wohnungen komplett und ausschliesslich an Touristen vermieten, ohne jegliche Rücksicht auf die Nachbarschaft.

Der Markt der Ferienwohnungen

Eine beliebig ausgesuchte Plattform, wie z.B. Airbnb bietet eine Fülle von Ferienwohnungen für teilweise erstaunlich kleines Geld. Angesichts der allgemeinen Preisentwicklung im Hotelbereich in Deutschland, den ich aus beruflichen Gründen dann doch irgendwie ab und an beobachten muss, bin ich fasziniert, welch große Wohnungen die Leute für unglaublich kleines Geld vermieten.
Man könnte, angesichts des aktuellen Wohnungsmarkt, sogar nur noch in untervermieteten Wohnungen wohnen und würde wahrscheinlich noch Geld sparen, so preiswert sind die teilweise. Nicht alle, klar, aber einige sind wirklich billig (die Leute brauchen tatsächlich jeden Euro).

Die Leute vermieten, weil sie das Geld brauchen. Das hat die Politik in einem beeindruckendem Moment der Erkentniss erkannt und reagiert entsprechend. Witzigerweise reagieren Hamburg und Berlin völlig unterschiedlich auf das, was die Leute machen.

Der Unterschied zwischen Hamburg und Berlin

Es gibt tatsächlich einen dicken, fetten Unterschied bei untervermieteten Ferienwohnungen in Hamburg und Berlin.

Hamburg findet es gut, wenn seine Einwohner selbstständig Geld verdienen.
Und Hamburg kann mit einem sensationellen Trick doppelt kassieren, dazu später mehr.

Berlin findet es (soweit ich es verstehe) überhaupt nicht gut, wenn die Bewohner einfach so Wohnungen vermieten und verbietet es komplett. 

Das ist das Fazit, dass man aus den aktuellen politischen Entwicklungen auslesen kann.

Hamburg

In Hamburg regelt das Gesetz über den Schutz und die Erhaltung von Wohnraum das ganze Wohnungs-Geraffel mit Untervermietungskram. Das liest natürlich niemand, ausser den Leuten bei den entsprechenden Behörden und einigen Journalisten.

Darin steht, ich fasse es in meinen Worten zusammen, dass ich eine Wohnung, ohne Genehmigung vom Amt untervermieten kann, solange der „Charakter der Wohnung als Hauptwohnung“ bestehen bleibt. Also nicht mehr als 50% Fläche permanent untervermieten und wenn voll vermieten, dann nur für kurze Zeit.

Dieses Gesetz wurde erst kürzlich entsprechend geändert und hat es sogar in die US Technikpresse geschafft, z.B. bei cnet. Airbnb feiert das natürlich entsprechend ab und veröffentlicht ein auf jedes Wort bedachtes Statement zum Thema: Airbnb Blog: Die Welt zu Gast in Hamburg!

Berlin

In Berlin ist die Stimmung anders. Der Volksmund ist ganz klar gegen Airbnb, der Senat handelt entsprechend und bringt das herrlich sperrig benannte „Gesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum (Zweckentfremdungsverbot-Gesetz–ZwVbG)“ auf den Weg (Dieser Name! Zweckentfremdungsverbot-Gesetz–ZwVbG).

Allerdings handelt der Senat, und ich stimme dieser Meinung zu Endlich kommt ein Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum in Berlin! Oder doch nicht, oder wie?, etwas planlos.

Vermietung der Wohnung als Ferienwohnung gilt als Zweckentfremdung und muss immer genehmigt werden. Aber erst nach einer Frist von zwei Jahren und auch nur dann, wenn nicht eine der zahlreichen anderen Ausnahmen greifen, die das ganze Gesetz völlig, wirklich desaströs verwaschen. Ein klassiches Juristen Ja/Nein/kommt-drauf-an-Ding, es ist die Pest.

Irgendwie ist Untervermieten nicht mehr erwünscht, aber das Gesetz ist so wischiwaschi, dass sich Lücken finden und alles so bleibt, wie es ist. Es klingt doch sehr nach Placebo.

Hamburg macht das auf den ersten Blick bereits erheblich besser als Berlin.

Aber Hamburg hat noch ein besonderes Bonbon eingebaut.

Der sensationelle Trick der Hanseaten

Ich muss der Bürgschaft ausnahmsweise gratulieren für folgende Idee. Davon können sich die Berliner eine Scheibe abschneiden.

In Hamburg ist untervermieten erlaubt, aber die Werbung dafür gilt als Ordnungswirdrigkeit.
Das muss man komplett lesen, sonst zündet der Funke nicht.

Das hat etwas von einem aus dem Internet bekannten Freemium-Modellen. Zuerst die Kunden mit „mach mal! kostet ja nix!“ ködern und später, an anderer Stelle Umsatz machen.

(2) Ordnungswidrig handelt ferner, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1. ohne die erforderliche Genehmigung für die zweckfremde Verwendung des Wohnraums gemäß § 9 Absatz 2 erhalten zu haben dessen Überlassung an wechselnde Nutzer zum Zwecke des nicht auf Dauer angelegten Gebrauchs anbietet oder dafür wirbt,

2. Angebote oder Werbung im Sinne der Nummer 1 verbreitet oder deren Verbreitung ermöglicht.

(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 50000 Euro geahndet werden.

Ist das nicht sensationell?

Sie erlauben das Vermieten der Wohnung, aber das Bewerben der Wohnung gilt als Ordnungswidrigkeit. Du stellst das Ding bei Airbnb online und ZACK – erwischt.

Die Mitarbeiter der Ordnungsämter müssen noch nicht mal vor die Tür gehen, die müssen nur durch Airbnb surfen, die Angebote mit ihrer (warscheinlich Excel-) Liste abgleichen und anschliessend Bescheide verschicken. Ob sie die an Airbnb oder die Vermieter verschicken verstehe ich dann wieder nicht.

Gratulation für diesen Trick.
Das ist ein Musterbeispiel für das hanseatische Kaufmannswesen. Endlich nutzt die Behörde die Möglichkeiten der modernen Arbeitswelt.

Ich finde das wirklich gut. Ohne jede Ironie, das hat Stil.

Punkte

Klare Sache.

Punkte für Hamburg. Ferienwohnungen Hamburg vs. Berlin  10:0

20 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.