Spaziergang mit Baby im Kinderwagen Hamburg vs. Berlin

Ich mache da jetzt auch mit. Als neuer Mitspieler im „Kinderwagen im Stadtteil schieben“ Spiel. Das war Anfangs etwas komisch (ich muss mir jetzt ein Leben lang anhören, dass ich mich beim ersten Ausgang mit Kind vollkommen bescheuert verhalten habe (Ich sah überall Gefahr, potentiell auf den Gehweg fallende Balkone, sich überschlagende Autos, Krankheiten und jede Menge potentiell total bescheuerte Menschen) und wollte nach drei Minuten wieder in die Wohnung zurück) aber inzwischen klappt das ganz gut und ich traue mich sogar mit dem Kind in der Karre auf die große Osterstrasse. Die ist plötzlich total laut, viel zu voll und überall sind Leute, Autos, Lärm, Sirenen, Geräusche, Krach und viele andere Alarme, aber ich gewöhne mich daran.

 

Schon seltsam, was so ein Kind mit einem macht. Aber ich mache da gerne mit.

Praktisch ist ein Kinderwagen beim Einkauf, wird man doch an der Kasse manchmal vorgelassen, hat plötzlich mehr Stauraum der aber leider für die Windeln aufgebraucht wird.

So schiebt der Sven alle paar Tage sich selbst und den Lütten durch den Kiez. Aufmerksam wie ein Luchs und die Karre immer felsenfest im Griff um potentielle Gefahren vorausschauend bereits in drei Kilometer Entfernung zu umfahren.

Die Stadt ändert mit einem Kinderwagen ihr Gesicht.

  • Wieso ist in der U-Bahn eine so hohe Kante/Lücke zwischen Bahnsteig und Wagen?
  • Wird die Karre im Treppenhaus geklaut?
  • Warum zum Geier gibt es am Jungfernstieg keinen Fahrstuhl? (echt jetzt, was ist das bitte für ein Scheiss?)
  • Überhaupt – Warum hat nicht jede U-Bahn Station einen Aufzug?
  • Siehe dazu die Liste der Stationen mit Aufzug beim HVV (pdf)
  • Fahre ich die Rolltreppe Vor- oder Rückwärts hoch?
  • Wieso hilft mir niemand beim Karre die Treppe hochschleppen?
  • Was passiert eigentlich, wenn ich den blauen Kinderwagenknopf im Bus drücke?

Neue Probleme und ich übe mich in der Lösung. Großes Kino, insbesondere die erste Fahrt auf einer Rolltreppe mit anschließendem an der Rolltreppe hängenbleiben waren fast so aufregend wie die Geburt.

Ich verstehe jetzt die vielen anderen Karrenschieber im Stadtteil. Man nickt sich manchmal solidarisch zu, vergleicht mit schnellem Blick die Ausstattung der Karre (Kaffebecherhalter! Farblich passende Wickeltasche mit iPodhalter!) und schuckelt das Kind zwischen zwei Terminen an der Milchbar durch die Gegend.

Wer auf den ganzen Stress keine Lust hat, kann die Karre mit dem Kind auch einfach auf den Balkon stellen, da ist auch frische Luft. Allerdings verpasst man dann soviel Kram der dazu gehört, dass selbst ich, mit der ultimativen Spazierengehen-Allergie inzwischen gerne die Karre durch die Gegend schiebe und einfach nur Spazierengehe. Ich erlebe dabei so viel und wenn es mal langweilig wird, pfeife ich dem Kind ein Lied vor (es wird zwar nie langweilig, aber ich pfeife trotzdem). Ich bilde mir ein, dass er das gut findet.

In Berlin gingen mir die vielen Karren in meinem Kiez manchmal auf den Keks. In Hamburg mache ich jetzt mit beim lustigen Karre schieben (kurz anhalten, sein Schal ist um 5mm verrutscht! Aaargh!) und es ist wunderbar. Jede Menge Spaß, aufregende Erlebnisse und jetzt wissen auch die Nachbarn, dass der Lütte da ist. Bei denen gilt dann auch die älteste Kiezregel und ich bin Hamburg echt dankbar für diesen Satz: Nur gucken, nicht anfassen.

Darum bekommt Hamburg die Punkte.
Spaziergang mit Baby im Kinderwagen Hamburg vs. Berlin 600 :0

ps: In Sachen Kinderwagen in Hamburg muss man auch das da lesen. Wundervoll.

Ich lerne: Eltern nicken sich freundlich lächelnd zu, wenn sie einander Begegnen. Wahrscheinlich irgend ein Geheimcode zur Aufmunterung, hey Du bist nicht allein!
10:30 Uhr
Ich versuche, die Kinderkarre ins Café zu bekommen.
10:40 Uhr
Drin! Das Café ist voll mit Eltern. Es wird viel gelächelt.

Quelle und weiterlesen bei Dem Herrn Paulsen sein Kiosk – Jetzt neu: Uneingeschränkte Solidarität mit den werktätigen Eltern dieser Welt!

Photo by Nationaal Archief

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