Personalausweis beantragen im Bezirksamt Hamburg vs. Berlin

Update: In Hamburg gemeldet, kann man bei Pass- und Personalausweisangelegenheiten zu jedem Kundenzentrum in der Stadt gehen. hamburg.de/ausweis

Heute wieder Behördencontent. Ich fahre demnächst nach Barcelona und wie es sich gehört, mein Personalausweis ist natürlich abgelaufen und muss neu beantragt werden. Als geübter Behördenbesucher bereite ich mich darauf gebührend vor. Gestern wurden schicke Passfotos gemacht um sie heute Morgen zusammen mit den üblichen Wartezeitüberbrückungsgegenständen einzupacken.

In Berlin habe ich immer, egal, aus welchem Anlass ich ein Amt besuchen musste, einen Gameboy, ein Buch, eine kleine Flasche Wasser und ein paar Süßigkeiten eingepackt, dazu Bargeld um evtl. auftretende Gebühren gebührend abzufangen. Ummelden kann dauern, ebenso den Perso beantragen. Im Bezirksamt Pankow kann man beim stundenlangen Warten prima Leute kennen lernen, alle haben ein Thema, ein gemeinsamer Gegner (Bezirksamt) schafft schnell Freunde und ratzfatz ist man auf einen Kaffee verabredet. Lohnt sich immer wieder so ein Amtsbesuch.

So bin ich also auch heute Morgen voller Vorfreude auf schlecht gelaunte Rentner, muffige Angestellte, übelriechende Flure und lange Wartezeiten sehr zeitig Losgefahren um einen neuen Personalausweis zu beantragen. Mit Gameboy, einem Falls-Gameboy-Langweilig-wird Buch, einer kleinen Flasche Wasser, diversen Fruchtgummis und einer nicht unerheblichen Summe Bargeld in der Tasche ging es los zum Bezirksamt Eimsbüttel in der Grindelallee.

Dort gibt es einen Paternoster. Sehr schick soweit, es riecht gut, überhaupt nicht muffig, es stehen sogar jede Menge Pflanzen im Gebäude. Ich gehe in den ersten Stock, ziehe eine Nummer und komme gar nicht dazu mich hinzusetzen, nein, ich komme sofort dran. Unfassbar. Rekord. Nur vier Minuten und 13 Sekunden später ist der Bezirksamtmann fertig mit Perso-Neumachen und ich muss bezahlen.

Kurzer Einwurf, im Bezirksamt Friedrichshain muss man zum Bezahlen einer vier Euro Gebühr mal eben das Gebäude verlassen, einen Kilometer die Straße runter, Anstehen, Bezahlen, natürlich nur mit Bargeld, nix mit Karte, sich anschnauzen lassen von gefrusteten Ostmuddies in der Kasse ob man das Geld denn nicht passend habe, dann wieder einen Kilometer die Straße rauf, und mit der Quittung ins Amt und innerhalb von nur einer Stunde hat man vier Euro Gebühr bezahlt.

So etwas prägt, daher war ich doch sehr erstaunt als der Behördenmann bei der Frage zur Bezahlung ein EC-Karten-Terminal in meine Richtung schob.

Unfassbar. Schon wieder. Ein EC-Karten-Terminal. Im Amt. Ich kann mit EC-Karte die acht Euro Gebühr zahlen. Ich bin ergriffen, mir steigen die Tränen in die Augen angesichts so viel Service auf einem Amt. Höflich verabschiede ich mich und durch den Tränenschleier hindurch sehe ich im Wartezimmer die absolute Servicekrönung.

Da steht ein Passbildautomat. Direkt.im.Amt. Genau.da,.wo.er.benötigt.wird. Unfassbar, ich bin der Ohnmacht nahe, ich fasse mir ans Herz, ich danke den Damen hinterm Empfangstresen und verlasse das Bezirksamt in der Grindelallee.

So etwas kann es niemals in Berlin geben. Die Bewohner würde reihenweise ohnmächtig werden angesichts soviel Service. Ein Passbildautomat im Amt. Das ist zu viel für die pöbelnde Berliner Volksseele.

Bezirksamt Hamburg vs. Berlin 1000:0

Deutlich. Ist doch irgendwie Westen hier.

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