Vor zehn Jahren nach Berlin – Tschüss Berlin, Hallo Hamburg

Irgendwann im Juli vor zehn Jahren bin ich nach Berlin umgezogen. Daher gibt es eine Hamburgfreie Woche mit jeder Menge “Kinder war das alles schön damals”.

Ich hatte also meine Bewerbungsphase und die erste Bewerbung ging nach Hamburg. Kurz darauf kam eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, eine Sache die in Berlin überhaupt gar nicht geklappt hat. Was war ich glücklich, nach dem Gespräch noch glücklicher und ich begann mich von Berlin zu verabschieden.

Noch mal in diesen Laden gehen, dieses und jenes unbedingt noch unternehmen, noch mal auf den Fernsehturm, solche komischen Sachen wollte ich dann machen. Die ganze Verabschiedungssache wurde durch eine neue Freundin etwas verschärft, sie wünschte mir noch viel Glück, hat das aber später widerrufen als ich dann anfing mit meiner Umzugsplanung. Die Kartons musste ich bei Zapf-Umzüge kaufen, da steht dick „Berlin“ drauf, sehr zu empfehlen so etwas.

Meine kleine Schwester wohnte bereits in Hamburg. Zwecks WG-Zimmersuche konnte ich dort wohnen und mich ausheulen angesichts der unfassbar hohen Mieten in der Hansestadt, zumindest wenn man gerade aus Berlin kommt. WG-Zimmer für 500€, da kann man sich doch nur stumpf betrinken. Meine spitzenmäßige Einraumwohnung im 4.OG mit Balkon in ruhiger Lage kostete zuletzt knapp 200€.

Nach langem suchen habe ich dann doch ein Zimmer gefunden, der Vertrag wurde unterschrieben, ebenso der Vertrag zum Job und dann kam der Umzug. Meine Wohnung konnte ich nicht noch aufgeben, sie wurde untervermietet und kurz nachdem ich auszog wurde auch gleich das ganze Haus komplett renoviert. Diese Baustelle habe ich zum Glück verpasst. Dann war mein neues WG-Zimmer in Hamburg ganz in Agenturnähe, noch mal Glück gehabt. Mit Freundin in Berlin lief auch alles super, das Praktikum begann und am ersten Tag erschien diese für mich legendäre Zitty mit Titel
„Macht’s gut – Warum Berliner ihr Glück in der Fremde suchen“

Langsam wurde mir das alles schon etwas zu kitschig, ich bin ja nicht so der Schicksals-irgendwas Typ, aber so was? Wenn sogar die Zitty darüber schreibt kann es ja nicht so schlecht sein.

Mit Mädchen in Berlin hielt es dann doch nicht so lange, wieder Single konnte ich mich voll auf den neuen Job stürzen und klicken bis zum Umfallen. Die Wohnung in Berlin habe ich ca. ein halbes Jahr später gekündigt. Es gab noch einen Reste-Umzug inkl. Waschmaschine, die dummerweise durch das nigelnagelneue Treppenhaus fiel, laut war das und an der Wand zog sich ein langer, tiefer Kratzer durch den frischen Putz der in einem dicken Einschlagloch endete. Das hat die Vermieterin fast übersehen, bzw. wir habe sie so belabert das sie wohl keine Lust mehr hatte und mich ziehen lies.

Bei der Schlüsselübergabe habe ich fast geweint, den ganzen Abend war ich eher nicht so gut gelaunt, jetzt hatte ich nichts Eigenes mehr in Berlin, alle Zelte abgebrochen, alles eingepackt, alles auf dem Weg nach Hamburg. Alle wollten das feiern nur ich wollte nur ein klein wenig vor mich hin trauern.
Ich habe mich dann knapp ein Jahr lang nicht nach Berlin getraut. Warum wusste ich die ganze Zeit nicht so genau. Nach dem Kurzbesuch zum WM-Endspielwochenende mit Seeedkonzert und popkick im Treptower Park weiß ich wieder warum.
Berlin ist einfach toll.

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