Vor zehn Jahren nach Berlin – Studium, noch mehr Damen und Medienzeugs mit Börsencrash

Irgendwann im Juli vor zehn Jahren bin ich nach Berlin umgezogen. Daher gibt es eine Hamburgfreie Woche mit jeder Menge “Kinder war das alles schön damals”.

Das Studium oder auch Ausbildung, so richtig klar habe ich das nie verstanden, begann im September 2000. Zwei Jahre lang jeden Tag acht Stunden Unterricht. Das war schon eine kleine Umgewöhnung, ich hatte ja die Monate zuvor nur gefeiert.
Zur Übung habe ich mich beim Berlin Kolleg angemeldet und den Vorkurs besucht.
Das war praktisch. Wieder sitzen lernen, Tagsüber unterwegs sein, zuhören, lernen, Wissen aufsaugen. Fand ich dann doch ganz großartig alles und so begann das was im Prinzip heut noch machen.

Mausschieben und Zeugs basteln für den Screen. Grob gesagt.
Dank einer kompletten C64 Sozialisation und fundiertem Wissen der Videospielkultur fiel es mir leicht schicke Sachen zu bauen. Videospiele sollten Pflicht werden für diese ganzen Medienirgendwasdesigner. Da lernt man auf den Punkt zu kommen, trotz Konzept, Storyboard und jeder menge Leute die alles besser wissen bis auf den Unterschied zwischen gif und jpeg.
Das war eine tolle Zeit, ich habe da auch ganz wunderbare Freunde gefunden, zwei Freundinnen gehabt, dazu eine Affäre in Potsdam, wieder wurde regelmäßig das Tanzbein geschwungen und dazu der ganze Webkram intensiviert.

Irgendwann mussten wir ein kleines Projekt für die Volksbühne umsetzen. Hamlet X. Wir wollten das Projekt mit Flash umsetzen, mein Team bestimmte mich als Flasher und ich schloss mich drei Wochen in meiner Wohnung ein und etliche Joints später habe ich dann Flash kapiert. Seitdem verzichte ich aufs Kiffen, ich habe Angst das alles zu vergessen.
Als der Kram fertig war wurde im Prater gefeiert, da waren sogar irgendwelche Schauspieler und alle waren stolz wie Bolle. Am nächsten Morgen war ich plötzlich wieder Single und das Kapitel Ostbraut war auch beendet.

Dann kam auch noch die Scheidung, im September, am 23.9. Das war toll, dafür habe ich mir extra frei genommen und dann dauert so was nur fünf Minuten. Hätte mir auch mal einer sagen sollen. Geschieden mit 23 Jahren, tolles Partygesprächsthema (ääächt? Schon geschieden?) Funktionierte immer, der Effekt lässt aber inzwischen deutlich nach.

Plötzlich war das Studium vorbei. Trotz diverser Pannen habe ich ein Diplom bekommen und ich landete mitten im Börsencrash der ganzen Webklitschen.
Es konnte ja nicht anders kommen. Keiner wollte uns haben, verständlich, plötzlich waren alle Arbeitslos und jeder versuchte sich irgendwie durchzuschlagen. Ich hatte noch den Job bei der Lebenshilfe und hielt mich mit Nachtschichten über Wasser, auch während des Studiums. Besonders die Nachtschichten klappten mit stundenweise schlafen über den Tag verteilt erstaunlich gut. Da war ich noch jung, würde ich jetzt nicht mehr schaffen. Als dann ein paar Bewohner starben, eine mit Lymphirgendwaskrebs im Bett lag und trotz Morphium unglaubliche Schreie von sich gab, der andere Lieb gewonnene Kerl plötzlich in einer Kapelle aufbewahrt wurde und die Bewohner erschrocken feststellten dass er ja ganz kalt wäre, das war auch nicht einfach, ging aber alles irgendwie.

Aber im Prinzip war ich dann einfach nur ein arbeitsloser Webfuzzi ohne Agenturerfahrung und versuchte mich in Berlin als Freiberufler durchzuschlagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.