Svensonsans Tag zwei auf der Re:publica 2010 in Berlin

Re-publica 2010 in Berlin – Tag 2

Aufgewacht um halb Neun. Kaffee aufs Zimmer bestellt, die waren so freundlich, gleich eine ganze Kanne zu bringen. Fern gesehen, Internet gelesen, überall Ladegeräte und Kabel. Vorabend Revue passieren lassen und das Frühstück mit Bosch abgesagt. Stattdessen gleich zu Re:publica gefahren.

Wie gestern auch gab es ein großes Hallo. Habe mir das Nexus 1 Handy von Sixtus angesehen, will ich irgendwann auch haben. Mit Jovelstefan in einen Vortrag der Zeit (oder sagt man Zeit online?) gegangen. Mark Glaser erzählt Geschichten aus Amerika. Über Presse, Paid-Content und den üblichen Kram, den man als Aufmerksamer Blogleser sicherlich bereits gelesen hat.

Womit verdienen die Zeitungen Geld? Warum kostet die iPhone-App, die iPad-App, die Android-App etc. extra? Zusätzlich zur Print-Ausgabe. Welche Zeitungen sind profitabel, welche Geschäftsmodelle gibt es? Crowdfunding für Artikel ist ein Thema. Da werden Artikel „ausgeschrieben“ und wen genügend Geld zusammen kommt, wird der Artikel geschrieben. Irgendwie so.

Eine schöne Session war das. Die Geschichten aus Amerika waren interessant und es bleibt spannend, denn auch die Amerikaner wissen nicht, wie sie mit ihren Zeitungen im Netz Geld verdienen sollen.

Im Quatsch Comedy Club folgte eine weitere Runde von Zeit Online. Community Management mit Vertretern von Heise Online, Spiegel Online/Wikipedia, Badischer Dings (die Mutter von Fudder), Zeit Online und Netzpolitik.de. Da hatte ich ehrlich gesagt mehr erwartet. Aus der eigenen Erfahrung weiß ich, dass Community Management manchmal extrem anstrengend sein kann.

Neu war für mich, dass es auf Heise Online an einem normalen (ruhigen) Tag um die 5000 Leserbeiträge am Tag gibt. Heise hat zu jedem Artikel gleich einen Forumspost und da geht es bei einigen Themen (Apple, Linux, Anwälte) hoch her. Die herangehensweise des stellvertr. Chefredakteurs zum Forum war sehr ruhig, entspannt und fast schon bewundernswert. Ich bin mir sicher, dass man hinter den Kulissen von Heise manchmal Haarstreubende Geschichten im Forum erlebt.

Mir fehlten ein paar Anekdoten aus dem Alltag. Lustige, bemerkenswerte und einmalige Erlebnisse aus den jeweiligen Foren/Kommentaren. Trotzdem war es eine schöne Session.

Mittagessen mit Jovelstefan bei irgendeinem Thailänder. Dabei den Freitag und Internet gelesen. Wir mussten uns beeilen um nicht den Wikileaks Vortrag zu verpassen.

Wikileaks ist ganz großes Kino (ein deokratisches Elend ist der Umstand, dass ich das nicht verlinken darf. Damit würde ich mich strafbar machen, ihr müsst den Begriff selbst in Google eingeben). Beeindruckende Arbeit wird da gemacht.

Wikileaks veröffentlicht Dokumente, die so sonst nirgendwo veröffentlicht werden können. Egal ob die Sperrliste aus Dänemark, interne Bankendaten oder das Video aus dem Irak, das vor kurzem durch die Presse wanderte ist auf Wikileaks zu finden.

Im Gegenssatz zur Presse bleiben die Inhalte bei Wikileaks sichtbar und können nicht aus dem Netz geklagt werden. Das ist meiner Meinung nach extrem wichtig und mit das sinnvollste, was es zurzeit im Internet gibt. Ich hasse den Umstand, dass man fast alles aus dem Netz herausklagen kann und ein Unternehmen sich eine eigene Geschichte schreiben kann und jegliche kritische Berichtserstattung auf dem Rechtswege unterbinden kann. Dagegen arbeitet Wikileaks.

Noch mehr Hass gab es in der folgenden „was am Internet in Deutschland wirklich hassenswert ist“ Session. Da ging einiges. Obwohl ich euch als Feedback sagen muss: erst nach 50min Farmville zu erwähnen war zu lang. Sonst eine wundervolle Session. Unterhaltsam und alleine die DER BLOG – DAS BLOG war der Knaller. Danke dafür und als Einstieg für die Daheimgebliebenen kann ich Das Internet ist an seiner dicksten Stelle exakt sieben Argumente breit von Bov empfehlen.

Danach wieder mit Leuten reden. Auf dem Flur, im Garten, im Saal, vor der Tür. Überall steht jemand, den ich irgendwo her kenne und das ist das weiterhin das tolle an der Re:publica.

Die Modeblogger-Session kurz besucht und fasziniert gesehen, wie in Modeblogs über die üblichen Themen der Blogosphäre diskutiert wird.

Soll ich mit dem Blog Geld verdienen oder nicht? Geschenke annehmen oder nicht? Das alte Dings, ein Dauerthema und faszinierend, dass es expliziet bei den Modeblogs Thema ist. Das war auch auf dem Barcamp Hamburg 09 so und bislang gibt es dazu keine Lösung.

Die wird es auch nicht geben, ich verstehe sowieso nicht, warum das alles durchdiskutiert werden muss, man soll erst mal machen. Meiner Meinung nach. Ich finde es schade, dass ich den Kram in den Modeblogs nicht direkt kaufen kann. Warum nicht? Weil es Kommerz ist? Egal. Die Modeblogs machen das schon.

Am Abend gab es einen Laber Flash Mob. Wird sich nicht durchsetzen, völliger Stuss, aber wir wollten natürlich mitmachen, wir sind ja solche Horste, die bei jedem Quatsch mitmachen. Eine Fünfergruppe bekommt ein Thema, kann 30 Minuten googeln und muss anschliessend einen der Fünf zum Reden auf die Bühne stellen. Die anderen vier sitzen vorm Rechner und hauen nacheinander Sätze, Absätze, Thesen, Fragen und Antworten in einen Gruppenchat. Der arme eine auf der Bühne muss den Chat dann vorlesen.
Das musste Jovelstefan machen und er hat sich tapfer geschlagen. Unser Vortrag litt etwas am fehlenden Internet, aber sonst war es ganz lustig, immerhin gab es Gin als Trostpreis.

Danach dann kalte Getränke und wie auf Klassenfahrt mit einer spontanen Gruppe von 30 Leuten durch Berlin gelaufen in einen Laden, der der Gruppe zu voll, klein, laut, Nichtraucher, Raucher, falsche Musik, laute Musik, blöde Lokation und zu grün war.
Wie das eben so ist, wenn man mit 30 Leuten durch die Gegend läuft.
Wir sind dann weiter in den nächsten Laden, der war nicht so voll, laut und grün sondern eher leer, rot und Staropramen, da passte es dann und zack, war es wieder spät.

Ein schöner zweiter Tag mit genialen, privaten, intensiven, lustigen, unterhaltsamen Gesprächen die alle nicht blogbar sind. Ich hatte Spaß, habe viel gelernt, neues gehört und fiel in der Nacht glücklich ins Bett.

Nachtrag: Es gibt ein paar schicke Videos auf Republica 2010, Tag 1 + 2 (Update: Neue Videos) und der Medienspiegel Tag 1 auf re-publica.de ist auch ganz spannend.

Frau Gröner schrob auch etwas: re:publica, Tag 2

Nachtrag: Es gibt eine Übersicht, bzw. einen Blog-Spiegel zur Re:publica 2010. Da findet der geneigte Leser eine große Fülle von weiteren Artikeln zur Re:publica 2010.

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