Vor zehn Jahren nach Berlin – Hat es sich gelohnt?

Irgendwann im Juli vor zehn Jahren bin ich nach Berlin umgezogen. Daher gibt es eine Hamburgfreie Woche mit jeder Menge “Kinder war das alles schön damals”.
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Ja.

Das war mit die Beste Entscheidung meines Lebens. Viel ausprobiert, mich formen lassen, von guten und komischen Leuten. Nach zwei Jahren Berlin endlich Diddi und Stulle verstanden. Sehr viele Konzerte und unzählige Parties besucht. Habe nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben. Es gab Ämterstress, völligst Pleite sein, Geldsegen, großartigen Sex, blöde Nummern wurden geschoben, gutes und nicht so gutes Zeug konsumiert, Taxis lieben gelernt, immer das Gefühl das in Berlin immer noch mehr kommt.

Diese ewige Stadtding. Es geht noch was, es steht nie still. Wochenlang nur Nachts gelebt, die Sonne nur am Morgen kurz gesehen, wunderbare Freunde gefunden die mir hoffentlich ein Leben lang erhalten bleiben. Menschen beim Sterben begleitet, Neugeborene begrüßt, mit Nonnen stundenlang über das Sterben gesprochen, zu viele Drogenschicksale gesehen, ein dickes Fell bekommen, trotzdem alles nicht so eng sehen, sich nicht verbiegen lassen, eine eigene Meinung haben. Immer wieder neue Musik gefunden, getanzt, gefeiert, verpeilt, wochenlang auf Nachtschicht gearbeitet, Ärsche gewischt, Windeln gewechselt, Behinderten beigebracht wie man eine Prostituierte bezahlt, echte Freude geerntet, tolle Kollegen gehabt, ellenlange Ost-West Diskussionen geführt, Ostbräute, Ostwohnungen, Oststrände, Ostgrenze, Westberlinern den Osten zeigen, im Westen ausgehen, Affäre in Potsdam, mit Glatzen Stress bekommen, mit Regionalbahnen am Morgen nach Hause fahren, Sonntagsmorgen um 5 einen Zahnarzttermin bekommen, Nächtelang mit Behinderten in der Notaufnahem der Charité sitzen, leise weinen, Leute tragen, nach Hause bringen, den Weg erklären, Fremde treffen, Geschichten erzählen und immer wieder mit Freunden unterwegs sein.

Daten im Internet und stumpfe Affären haben, mit verschiedenen Frauen am gleichen Tag im Bett landen, beim Sex auf dem Küchenfußboden sich einen Spitter in den Arsch holen, zum Urologen gehen, Gesundheitsamt, testen lassen, Blutspenden, was sinnvolles machen, den Mauerpark blöd finden, dafür den Falkplatz lieben.
mit dem Kioskbesitzer per du sein, nach jedem Umzug sofort eine Stammkneipe suchen, Lieblingsgetränke ändern, aufhören zu kiffen, sich darüber ärgern, sich ändern, immer weiter lernen, sich verabschieden können, weinen, vermisse, Marlene Dietrich hören und immer, immer, immer weiter machen.

Das war der letzte zehn Jahre Berlin stulle Artikel. Hiernach geht es mit dem normalen Quatsch weiter.

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